Blog: Unter uns

: Hauptsache dagegen

Ein Eintrag von Carola Wagner

Ich frag’ jetzt nicht, ob Sie am 24. September von Ihrem Wahlrecht Gebrauch machen; davon gehe ich einfach aus. Es ist ja auch noch eine Weile hin, wenngleich die Briefwahlbüros bereits geöffnet sind. Wissen Sie schon, wem Sie ihre Stimme geben? In den frühen 80ern, als ich Erstwählerin war, lief das meist so: Der Familienvater hatte eine politische Meinung. Die wurde daheim verkündet in der Erwartung, dass alle, die die Füße unter seinen Tisch strecken, das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Die „gute“ Ehefrau folgte seiner Weisung – oder auch nicht, wenn sie dem Alten einen pinnen wollte.

Die Kinder vertraten grundsätzlich genau die gegenteilige Meinung – aus reiner Opposition. Stundenlang habe ich als 18-Jährige mit dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels auf dem Sofa gesessen. Nicht aus Überzeugung, sondern einfach nur, um zu provozieren. Es gab jede Menge lautstarke Diskussionen mit den Eltern. Als "Salon-Bolschewist" beschimpfen lassen musste ich mich auch. Das war mir egal - ich stand zu meiner politischen Überzeugung. Hauptsache nicht denken wie das Establishment.

Umso mehr irritiert es mich heute, dass mein Nachwuchs politisch so ganz auf meiner Wellenlänge liegt. Habe ich was falsch gemacht bei der Erziehung? Bin ich zu liberal? Ach was, ich habe einfach meine politische Meinung für mich behalten. Dann muss auch keiner dagegen sein.
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Carola Wagner
Carola Wagner
Stellv. Redaktionsleiterin

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    31. August 2017, 13:23 Uhr
    Aktualisiert:
    18. September 2017, 14:07 Uhr
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