Blog: Unter uns

Schicht im Schacht: Erinnerungen verglühen nie

Ein Eintrag von Ellen Jost

Ich erwartete nicht viel. Ein bisschen Licht, ein wenig Musik - wie jedes Jahr. In meiner Hand eine Tasse Glühwein. Der erste 2018. Plötzlich aber wurde mir warm ums Herz. Der würzig-warme Rebensaft war nicht verantwortlich.

Wo ich war? Ich stand vor dem Rathaus in Recklinghausen. Die Stadt, die mit den Sternen am Himmel um die Wette leuchtete. Die Licht-Show, projiziert auf die Gemäuer des historischen Amtsgebäudes, ging los und schwups leuchteten meine Augen auch. Die Vergangenheit meiner Großeltern und deren Eltern spiegelte sich in der erzählten Bildergeschichte über den Aufstieg und Niedergang des Bergbaues wider. Stolz und Verständnis, Bewunderung und Demut loderten in mir auf. Zwar kannte ich aus Erzählungen, wie es damals war, unter Tage. Wie aber Generation über Generation vom und mit dem Pütt lebte, berührte mich tief im Herzen. Auch ich war ein Ruhrpottkind, auf Kohle geboren.

Die Lichter von „Recklinghausen leuchtet“ gingen für dieses Jahr aus. 
Ende des Jahres erlöschen die Grubenlampe des letzten deutschen Steinkohle-Bergwerk für immer. Schicht im Schacht. Schön, dass uns eine ganze Stadt durchs reine Leuchten noch mal an den Bergbau erinnert hat. Erinnerungen verglühen bekanntlich nie. 
 
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Ellen Jost
Ellen Jost
Redaktion Datteln / Scenario

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    6. November 2018, 16:01 Uhr
    Aktualisiert:
    6. November 2018, 16:08 Uhr