Praxis mit Meerblick - Willkommen auf Rügen

Berlin (dpa) Ärzte im Fernsehfilm oder in einer Serie sind hierzulande ziemlich beliebt. Jetzt kommt eine neue Ärztin hinzu, in idyllischer See-Kulisse, freitagabends im Ersten.

  • Praxis mit Meerblick - Willkommen auf Rügen

    Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) versucht auf Rügen einen Neuanfang. Foto: ARD Degeto/Christine Schröder

An Filmen mit Ärzten, Schwestern und allem, was dazu gehört, mangelt es nicht im Fernsehen - erst im letzten Jahr hat «Die Eifelpraxis» (Das Erste) eröffnet, samt Seeblick.

Nun kommt noch eine weitere hinzu, die auch in ähnlich idyllischer Kulisse spielt: die «Praxis mit Meerblick» eröffnet mit der Folge «Willkommen auf Rügen», und ist an diesem Freitag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen.

Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) steht auf der Fähre nach Rügen. Die 42-jährige Medizinerin ohne Doktortitel will dort einen Neuanfang wagen und in der schönen Praxis ihres Studienfreundes Dr. Richard Freese (Stephan Kampwirth) mit der Arbeit anfangen. Ihren letzten Job als Ärztin auf großen Kreuzfahrtschiffen hat sie verloren, ebenso nahezu ihre ganzen Ersparnisse - und nun steckt sie in gehörigen finanziellen Schwierigkeiten. Sie bezieht ein karg und altmodisch möbliertes Zimmer im ziemlich heruntergekommenen «Kapitänshaus» von Matthias Samland (Hans-Uwe Bauer), der ihr am liebsten die kalte Schulter zeigt.

Doch Nora muss sich um ganz andere Dinge kümmern. So hilft sie der 17-jährigen Unfallpatientin Wiebke (Sinje Irslinger) dabei, ihrem Vater Alexander (Martin Lindow) zu sagen, dass sie von ihrem Freund Eric Gustaf (Björn Ingmar Böske) schwanger ist. Den kann der Papa so gar nicht leiden. Doch richtigen Ärger bekommt Nora dann mit ihrem eitlen Kollegen Dr. Heckmann (Patrick Heyn) in der Rügenklinik, der nach einigen Recherchen ausplaudert, warum Nora ihre vorige Anstellung auf einem Luxusdampfer verloren hat. Das kann sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

«Ich durfte im Vorfeld mit fantasieren, wie Nora Kaminski gestrickt sein könnte», sagte Tanja Wedhorn (45, «Handwerker und andere Katastrophen»; «Kreuzfahrt ins Glück», beide ZDF) im ARD-Interview. «Was daraus geworden ist, mag ich sehr! Sie ist eine gerade, integre Person, die viel mit sich selbst ausmacht. Sie zieht deutlich Grenzen. Ihren Humor muss man verstehen und mögen. Nora ist eine moderne, vielschichtige Frau, und ich kann mir mit ihr noch viel Überraschendes vorstellen.»

Ob das der Zuschauer auch kann, bleibt abzuwarten - weitere Folgen werden erst gedreht, wenn die Einschaltquote für diese erste Folge feststeht. Regisseur Jan Ruzicka («Freundinnen - Eine für alle», ARD) zeigt schöne Bilder von Rügen im Herbst, setzt ansonsten aber auf wenig Tiefgang und viel Musik. Die Hauptdarstellerin hat offenbar ein Faible für Inseln - ihre ARD-Reihe «Reiff für die Insel» spielt auf der Nordseeinsel Föhr. Hier wie dort gibt Tanja Wedhorn eine grundgute und rundum sympathische Figur ab. Dabei schaut man ihr schon ganz gerne zu, gerade weil ihre neue Rolle der zwar patenten, aber notorisch klammen Nora ohne Doktortitel doch nicht ganz ohne Schrammen ist. Ihr Charme mag etwas spröde sein, aber ihren Job macht sie gut - die anfangs skeptischen Patienten kommen natürlich doch alle zu ihr.

Aber auch die anderen Figuren haben es in sich, denn sie sind eigentlich allesamt ziemlich exzentrisch oder haben einen kräftigen Schuss weg: Dr. Freese bezeichnet sich selbst als «Single und sexy» und fasst weder andere Menschen noch Türklinken an - er hat also ganz offensichtlich eine beträchtliche Phobie. Noras Vermieter Samland kümmert sich weder um Strom oder Wasser im Haus, mag keine Ärzte und sitzt am liebsten im Unterhemd herum. Immerhin sagt er ein paar trockene Sachen wie «In jedem Ossi steckt ein kleiner Wessi, der raus will.»

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AUTOR
Klaus Braeuer, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    21. April 2017, 00:10 Uhr
    Aktualisiert:
    22. Mai 2017, 03:33 Uhr