Der stille Rausch: Wanda mit «Niente»

Berlin (dpa) Nach «Amore» und «Bussi» legen die Wiener Indie-Rocker von Wanda schon wieder nach. Ihr drittes Album ist aber kein Wiedergänger, sondern das Ergebnis der neuen Melancholie.

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    Wanda haben auch eine melancholische Seite. Foto: Universal Music/Wolfgang Seehofer

Rausch und Ekstase gefällig? Dann kommt man seit drei Jahren eigentlich nicht an den Indie-Rockern von Wanda vorbei.

Seit dem Debüt-Album «Amore» der bier- und ginseligen Wiener und ihrem hochklassig verdorbenen Hit «Bologna» weiß man: Liebe muss zuweilen richtig laut sein. Nach ihrem «Bussi» bringen die Österreicher bereits die dritte Platte heraus: «Niente» (Universal).

Zum Interview laden zwei Fünftel der Band in ein Wirtshaus im Berliner Bezirk Neukölln. An den Wänden hängen ausgestopfte Köpfe von Waldtieren, die Sonne schafft es kaum bis in die hintere Speisestube. Hier sitzen Frontmann Marco Wanda, der eigentlich Michael Marco Fitzthum heißt, und Gitarrist Manuel Christoph Poppe. Im Raum steht dichter Zigarettenqualm. Kaum fünf ungerauchte Minuten vergehen zwischen zwei Glimmstängeln. Ein wenig Rock'n'Roll geht immer.

«Mit diesem Album wollen wir uns von unserer melancholischen Seite zeigen», sagt Wanda der Deutschen Presse-Agentur. Zumindest musikalisch sind Sexismus, Hedonismus und Prolligkeit erstmal abgelegt. «Lieb sein», «Das Ende der Kindheit» oder «Ich sterbe» heißen jetzt die Titel auf dem Album. Die ersten beiden Platten hätten dieselbe Geschichte erzählt, so der 30-jährige Sänger: die Sehnsucht nach Liebe. «Die dritte ist eher irgendwie angekommen.»

«Niente» startet mit dem eingängigen «Weiter, weiter» irgendwo zwischen Ballade und Mitgröler - dem bekannten Wanda-Rezept, das aber diesmal etwas zurückgenommen ist. Ganz unkonventionell kommt hingegen die Vorab-Single «0043» mit Streichern, Gitarre und Klavier daher. «Traurig-schöne Kindheit in 0043», heißt es in der wehmütigen Ballade mit Verweis auf die Ländervorwahl für Österreich. Wanda kuschelt seine Stimme eine Tonlage höher als sonst. Zeitlupe, ganz ohne Bierraunen. Wer glaubt, die Band könnte nicht mehr überraschen, hat sich spätestens hier massiv getäuscht.

«Heimat ist eine Vorwahl», sagt Wanda, mehr nicht. Vereinnahmen lassen will sich die Band von diesem ganzen Wien- und Austro-Pop-Hype nicht. «Irgendjemand macht hier fett Kohle mit dem Begriff Heimat. In der Branche, in der Musikwelt, in der Politik.» Wien sei eben einfach die Stadt, in der sie lebten und die sie liebten. Mal Metropole, mal Dorf. «Das generiert bei mir zumindest ein wohliges Freiheitsgefühl - noch.»

Natürlich geht es in den zwölf Nummern auf «Niente» wieder um die Liebe, das Leben und den Tod, nur diesmal noch schwermütiger als zuvor. «Lascia Mi Fare» ist ein Besoffski-Brüller à la «Bologna» mit wunderbaren Anleihen aus dem Italo-Pop. Im Gegensatz dazu: das pathetisch angetrunkene «Ein letztes Wienerlied», das in seinem Weltschmerz noch so manchen Korken aus einer weiteren Flasche Rotwein zu ziehen vermag. Wanda sind auch künftig der Fleisch und Ton gewordene Rausch, nur diesmal eben der etwas stillere.

Seit «Amore» können sich die Jungs ganz auf ihre Musik konzentrieren. «Wir sind relativ unbegabte Berufstätige», scherzt Wanda. «Ich glaube, ich kann besser singen als arbeiten.» In Österreich kletterte das Debüt auf Platz zwei der Charts, der Nachfolger sogar ganz an die Spitze. In Deutschland schaffte es «Bussi» in die Top Ten. Nichts geringeres wird für Platte Nummer drei erwartet.

Dabei scheuen Wanda nicht die große Konkurrenz: Am selben Tag wie «Niente» kommt auch Ex-Oasis-Frontmann Liam Gallagher mit neuem Album um die Ecke. Marco Wanda grinst. Er freue sich, dass die zwei letzten auf der Welt, die das Idiom des Rock'n'Roll verkörperten, zugleich eine Platte rausbringen. «In Deutschland wird er uns natürlich schlagen in den Charts. Aber in Österreich putzmern weg.» Klingt ganz einfach. Dann zündet er sich eine neue Zigarette an.

Tourdaten: 12.03.2018 Wu?rzburg - Posthalle, 13.03.2018 Wiesbaden- Schlachthof , 15.03.2018 Hannover - Capitol, 16.03.2018 Ko?ln - Palladium, 17.03.2018 Berlin - Max-Schmeling-Halle, 20.03.2018 Mu?nchen - Zenith, 21.03.2018 Dortmund - Phoenixhalle, 23.03.2018 Lingen - Emsland Arena, 24.03.2018 Hamburg - Sporthalle, 03.04.2018 Fu?rth - Stadthalle, 04.04.2018 Stuttgart - Beethoven Saal, 1.04.2018 Ravensburg - Oberschwabenklub, 13.04.2018 Leipzig - Haus Auensee

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AUTOR
Sebastian Fischer, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    6. Oktober 2017, 09:41 Uhr
    Aktualisiert:
    6. Oktober 2017, 09:44 Uhr