Klangerlebnis: Debüt von Alois

Berlin (dpa) Die vier Schweizer überzeugen mit ihren Klangexperimenten und fragilen Sounds, ihr Debüt «Mints» lohnt sich nicht nur für Genre-Fans.

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    Die vier Schweizer wissen mit ihrem Debüt «Mints» zu überzeugen. Foto: Popup-Records

Daydream-Indiepop nennen die Musiker von Alois aus Luzern ihren Stil. Der etwas sperrige Begriff täuscht jedoch nicht über die lockeren und sehr eingängigen Songs des Albums hinweg.

Die Covergestaltung des Digipacks lässt erahnen, wohin die Reise bei diesem Erstling geht: ein mehrfarbiger Rahmen umschließt eine Kombination von vier Ausschnitten, die in mehr oder weniger verzerrter Weise Blumenarrangements zeigen. Überdeckt wird dieses psychedelisch anmutende Bild von surrealen Schriftzeichen, die bei genauerer Betrachtung den Bandnamen Alois ergeben.

Die Freude am Experiment und zur leicht exzentrischen Grafik spiegelt sich insofern auf dem Album wider, als ein reger Wechsel von Stücken mit jeweils unterschiedlicher instrumentaler Basis stattfindet. Von Schlagzeuger Florian Schneider und Percussionist Lukas Weber rhythmisierte Drum-Parts werden dabei mitunter von Gitarre (gespielt von Mastermind Martin Schneider) und Bass (Pascal Eugster) als tragendes Element abgelöst. Elektronische Klangteppiche (wiederum von Schneider) dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Alois scheuen sich nicht, ihre Lust auf Innovation und ihre Spielfreude zum Ausdruck zu bringen. Unterstützt werden die sorgsam und über einen Zeitraum von über zwei Jahren komponierten Stücke auf «Mints» von Schneiders unaufdringlichem Gesang im Halbflüsterton.

Das Schweizer Label Red Brick Chapel, ein von Musikern gegründetes und als Graswurzelorganisation geführtes Unternehmen, bringt das Erstlingswerk der jungen Ausnahmetalente, heraus. Schon 2015 hatte die EP «Yesterdaydream» die Richtung vorgegeben, Anfang 2017 schließlich kam mit «Credo» eine erste Single-Auskopplung heraus, die vor allem von den Schweizer Rundfunkanstalten (bspw. SRF 3, SRF Virus uvm.) begeistert aufgenommen wurde. Es folgte «Flowers» im Juni, der Clip zum Song unterstreicht mit seinen traumhaften, nachdenklichen und subtilen Bildern, die mitunter leicht ins psychedelische abgleiten, die künstlerischen Ambitionen der Band.

Dabei wirkt «Mints» nie affektiert; hier haben sich ernstzunehmende Talente zusammengefunden, um über einen langen Zeitraum an ihren Kompositionen zu feilen. Den Hang zur Sorgfalt merkt man dem Album, bei dessen Entstehung alte Samples und neues Material miteinander verwoben wurde, ebenso an wie die Lust, sich nicht auf ein Genre oder eine Spielart festzulegen. Alois legen mit «Mints» ein beachtenswertes Debüt vor.

Tourdaten: 07.11. Osnabrück - Zauberer von Os, 10.11. Chemnitz - Weltecho

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AUTOR
Justus Makollus, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    10. Oktober 2017, 15:40 Uhr
    Aktualisiert:
    10. November 2017, 03:33 Uhr
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