Lautstarker Protest gegen die Forensik in Lünen. Hunderte Bürger machten ihrem Ärger vor dem Hansesaal Luft.
Vor einer Woche gründete sich die Facebook-Gruppe „100 000 Leute, die gegen die Forensik-Klinik sind“. Zuletzt konnten die Betreiber 710 Mitglieder begrüßen. Jetzt haben sich die ersten bereits wieder verabschiedet, weil sie Hasstiraden, Vorurteile und Diffamierungen nicht ertragen wollen. So schreibt ein Nutzer: „Ich bin raus aus der Gruppe. Hier wird nicht diskutiert, hier wird beleidigt und mit Stammtischparolen Polemik betrieben.“
Ein 17-jähriger Schüler aus Lippramsdorf rief die Gruppe ins Leben. „Ich habe Angst um das Wohl meiner Familie“, beschreibt er seine Motivation. Mit allen legitimen Mitteln wolle er sich gegen die Ansiedlung einer Forensik am Standort AV 9, in dessen Nähe er wohnt, zur Wehr setzen.
Dass sein Projekt aus dem Ruder gelaufen ist, sieht er nicht. Zwar, so schreibt er unter seinem Pseudonym, sei seine Seite nicht dazu da, um andere zu beleidigen oder fertig zu machen. Wer Hassparolen leben wolle, solle die Seite wieder verlassen. Allerdings will der 17-Jährige fragwürdige Inhalte auch nicht löschen. Die Gründerin einer weiteren Facebook-Gruppe will jetzt die Löschung beantragen.
Heike Brüggemann, Vorsitzende des Bündnisses gegen Gewalt und Rechtsextremismus, sieht in den Äußerungen nicht unbedingt eine Gefahr von rechts, obwohl Rechtsradikale gerne in solche Diskussionen eingreifen. „Ich glaube, hier drücken sich vielmehr aus Unwissenheit übersteigerte Angst und Wut aus.“
Hendrik Griesbach, Vorsitzender der Jungen Union, sowie JU-Kreisvorsitzender Sebastian Gräler sind ebenfalls gegen eine Forensik in Haltern, distanzieren sich aber von der Facebook-Seite. „Solche polemischen Diskussionen zu führen, ist der absolut falsche Weg."
„Wenn Einträge gegen das normale Empfinden verstoßen, ist der Betreiber verantwortlich“, bezog Polizeisprecher Michael Franz Stellung. Die Polizei habe keine rechtliche Handhabe, einzugreifen. Er warnt Initiatoren wie den Schüler davor, Rechtsradikalen eine Plattform zu bieten. „Dieses Milieu bedient sich gern der aktuellen Thematik, um seine Botschaften los zu werden."
Auf der Bürgerversammlung zur Forensik in Lünen (wir berichteten) unterstrich NRW-Gesundheitsministerin Steffens , es gebe keinen Alternativstandort zur Forensik auf dem Brachgelände der Zeche Auguste Victoria. Doch in Wuppertal wird jetzt doch ein Alternativ-Standort für den Landgerichtsbezirk Wuppertal geprüft. Der Wuppertaler Oberbürgermeisters Peter Jung habe eine Fläche in einem Gewerbepark im Stadtbezirk Uellendall-Katernberg zur Errichtung der Klinik angeboten – „als Alternative zu dem von uns vorgesehenen Grundstück des Landes“, teilte das Ministerium jetzt mit. Aus Sicht der Stadt Wuppertal ist der nunmehr von ihr benannte Standort besser geeignet als die vom Land bestimmte Fläche in Wuppertal-Barmen. „Bei dem vom Land zuerst vorgesehenen Standort sehe ich aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung erhebliche Akzeptanzprobleme innerhalb der Bevölkerung. Ich bin froh, dass die Ministerin auf mein Angebot unverzüglich reagiert und eine sofortige Prüfung meines Vorschlags zugesagt hat“, sagte Oberbürgermeister Jung.









