„Der Pfarrer hatte wohl in seiner eigenen Kirche keine Kompetenz“
22. September 2011 11:51
Von: Erol Celik, Herten — Betr.: Leserbrief „In der gesamten Türkei hätte es so etwas nicht gegeben“ — Hertener Allgemeine vom 13. September
geschrieben am 22.09.11 14:17 ErolC 3 Beiträge
Sorry an den Pfarrer!
Ich will hier dem Pfarrer nichts unterstellen und bitte hier um eine Entschuldigung wenn ich ihn auf irgendeine Weise verletzt habe. Sicherlich hat er es gut gemeint und hatte nichts "BÖSES" im Sinn.
Er war einfach nur zu " GROßZÜGÜG"- "GUTMÜTÜG"+ "GUTGLÄÜBÜG"!
Immerhin hat er von uns nicht verlangt, das wir die Schuhe ausziehen und auch nicht uns aufteilen in Männer Rechts und Frauen Links!
Aber ich möchte hier auch betonen das der Imam, alle Vorschläge vom Pfarrer ohne wenn und aber Akzeptiert hätte. Weil es sein Haus ist und er damit Hausrecht recht. In seinem Haus wird nur das Wort Gottes gepredigt und das ganze natürlich nur auf Deutsch. Aber wie schon geschrieben. Er hat es nicht.
Geht doch mal in Herten Süd in die Griechische Kirche, zu einem Griechischen Gottesdienst! Wehe da redet einer irgendwas auf Deutsch, während des Gottesdienstes. Da gibts aber Ärger dann.
Deswegen finde Ich sollte Jeder Mensch mehr auf sein Hausrecht bestehen. Diejenigen, die davon betroffen sind, werden es Akzeptieren.
mfg
Freide auf dem Paschaberg!
geschrieben am 22.09.11 14:20 HerMer 126 Beiträge
Ich verstehe das Problem nicht.
Lieber Erol, -mit Verlaub- der absolut größte Teil der islamischen Prediger wird in der Türkei u.a. ausgebildet, weil sich fast ausschließlich dort die Ausbildungszentren befinden und dann in den verschiedenen Ländern in den Gemeinden eingesetzt. Das ist ein Verfahren, das man sicherlich hinterfragen kann, aber ich möchte mir gar nicht vorstellen, auf welche Barrikaden unsere "Bürgerlichen" gehen würden, wenn wir plötzlich anfingen, deutsche Ausbildungszentren für islamische Prediger zu errichten, selbst wenn man dadurch die Sorge um die deutsche Sprache in den Griff bekäme.
Und hätte es ein solches Gerücht (sexuelle Belästigung eines türkischen Mädchens) gegeben, hätte ich als Deutsche das zunächst verifizieren wollen und hätte es sich als wahr (oder in gewissen Kreisen als akzeptabel) herausgestellt, wäre ich als Deutsche -an der Seite von zugestanden, vermutlich mehr Türken als auf der Demo- genauso auf die Straße gegangen, wie ich es getan habe.
Das ist im Allgemeinen das Problem - Menschen handeln in der Mehrheit durch Schockeffekte und Tragödien. Die anti-islamische Stimmung kommt vor allem dadurch zustande, dass wir soviel von Straftaten von Menschen mit islamischem Hintergrund hören.
Wart's ab - Sobald wieder ein Migrant aus faschistischen Beweggründen pressewirksam genug zu Tode geprügelt wird, werden die allermeisten, die jetzt lautstark nach Abschiebung und härteren Strafen für Straftäter mit Migrationshintergrund schreien, in den Kondolenzbüchern unterschreiben und bis zur nächsten Schlägerei unter Türken Krokodilstränen weinen.
geschrieben am 22.09.11 14:33 HerMer 126 Beiträge
Ergänzung
Genau das Wissen um diese Tatsache, nämlich dass zu wenig Akzeptanz die Stimmung in der Weise aufheizt, dass sowas passieren kann, ist die Begründung für -manchmal wirklich- zuviel Akzeptanz.
Denn auf welcher Seite wollen wir uns irren?
Riskieren wir es lieber, dass deutschsprachige Kinder etwas irritert sind oder riskieren wir lieber, unseren Teil dazu beizutragen, die fremdenfeindliche Stimmung weiter angeheizt und salonfähig wird?
Beim Attentat auf Rudi Dutschke riefen die 68er "Bild hat mitgeschossen!" und ich kann gut verstehen, wenn ein Pfarrer seinen Teil dazu beitragen will, dass es nicht irgendwann heißt "Die Kirche hat mitgeprügelt!"
geschrieben am 22.09.11 15:43 EmilEmscher 224 Beiträge
Das Problem
liegt vor allem in unserer Geschichte begründet und den Menschen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit den "häßllichen Deutschen" wieder zum leben erwachen lassen möchten, bzw bei jeder sich bietenden Gelegenheit davor warnen. Absurd.
"Wehret den Anfängen"...wenn ich sowas höre.
Genau aus diesem Grund wird, Sie schrieben es ebenfalls, aus meiner Sicht, zu oft Akzeptanz gefordert, wo diese nicht angebracht ist.
Ich sehe es umgekehrt. Das einfordern von zuviel Akzeptanz, verbunden mit der Problematik, dass jeder der sich in unserem Land kritisch zum Islam oder Migranten an sich äussert, just in die rechte Ecke geschoben wird, bietet Nährboden für die Freigeschalteten und heizt die Stimmung an.
Was das Beispiel von Erol betrifft, liebe HerMer, zerreden Sie das doch nicht. Es ist wie es ist. Bei der Demo für den Moscheebau war es doch so wie Erol schrieb und wenn es um einen sexuellen Übergriff gegangen wäre, wäre es ebenso gekommen, wie Erol das schrieb.
Mir kommt das teilweise so vor, als wenn ganz viele Menschen latente Schuldgefühle haben und deshalb so realitätsferne Einstellungen haben.
geschrieben am 22.09.11 17:14 HerMer 126 Beiträge
Teil 1
Ich weiß ja nicht, auf welcher Demo Sie waren, Emil, aber ich habe dort einen sehr großen Teil Muslime gesehen und bin weiterhin davon überzeugt, dass die meisten Nicht-Muslime, die dort waren, auch in einem Fall wie dem von Erols Beispiel gekommen wären. Zumindest habe ich diese Leute so kennengelernt. Mit wievielen der Teilnehmer hatten Sie übrigens schon persönlichen Kontakt?
Und warum unterstellen Sie mir IMMER und IMMER WIEDER, ich würde hier auch nur irgendwen in die rechte Ecke stellen? Ich habe doch in meinem Beitrag -wenn überhaupt- genau das Gegenteil getan, als ich sagte, dass die Mehrheit bei einem Anschlag auf einen Migranten eben NICHT applaudieren würde.
Bzw. nein, ich muss mich korrigieren; Sie unterstellen es mir gar nicht explizit, Sie stellen fest, dass das vielfach passiert, erkennen aber nicht an, dass ich das niemals getan habe und weigern sich damit, sich mit meinen Äußerungen inhaltlich auseinanderzusetzen. Merken Sie etwas? Sie tun genau das, was Sie an mir grundlos kritisieren.
geschrieben am 22.09.11 17:15 HerMer 126 Beiträge
Teil 2
Ich gebe Ihnen ja sogar recht, dass hier zuviel in den Kategorien "linke vs. rechte Ideologien" gedacht wird und ich halte den "typisch linken" Reflex, bei jedem Verdacht gleich "Nazi" zu brüllen für genauso bedenklich, wie jeden, der von Solidarität spricht, als "linken Gutmenschen" anzutun. Aber Ihre Schreibe bietet dazu -wenn auch von einer anderen Seite- leider keine Alternative.
Ich spreche hier nicht als Verteidigerin für irgendwelche Parteien oder Ideologien, sondern nur für mich und die Ergebnisse meiner eigenen Denkprozesse und ICH finde "den Deutschen" nicht als hässlich und empfinde keine Schuldgefühle, aber ich empfinde ein tiefes Verantwortungsgefühl für diese Gesellschaft und diese Welt als Ganzes.
Also entweder, Sie erkennen das an, lassen sich empathisch auf meine Wahrnehmung dieser Welt zumindest in der Theorie ein und vergessen mal, dass viele Menschen -egal welcher politischen Position- häufig zu undifferenziert denken, was der ganzen Debatte um den Umgang mit dem Islam guttun würde oder aber Sie kratzen weiter an irgendwelchen Oberflächen rum.
geschrieben am 22.09.11 18:03 EmilEmscher 224 Beiträge
Liebe HerMer
ich habe Ihnen das mitnichten unterstellt, zumindest nicht in dem obigen Post...UND...exakt, ich stelle fest, dass "man“, vielfach und vorschnell in eine rechte Schublade gesteckt wird.
ist doch auch einfacher, als sich mit der Person auseinander zu setzen.
Hm, dass Sie das jetzt nicht getan haben und tun und somit zu einer sachlichen Diskussion beitragen...also wenn ich das jetzt explizit erwähne...geht es Ihnen damit besser? Und das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sonder eine sehr ernst gemeinte Frage.
Ich setze mich doch Sehrwohl mit Ihren Äußerungen auseinander, vor allem mit Ihrem "Akzeptanzansatz". Ich sehe das nur ein wenig anders. Sie sind der Meinung, dass zuwenig Akzeptanz eine Stimmung aufheizen kann und daher, des Öfteren, zuviel Akzeptanz eingefordert wird. Sie liefern also, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Begründung.
Ich bin da ja bei Ihnen und finde ebenfalls, dass teilweise zuviel Akzeptanz erwartet wird, und jetzt kommt der Unterschied in unserer Wahrnehmung (ich unterstelle das jetzt einfach mal)
ich finde, wenn ich diese Akzeptanz aufbringe, dann muss auch etwas im Gegenzug kommen. Das was da kommt reicht mir persönlich nicht aus und deshalb bin ich MITTLERWEILE auch nicht mehr bereit, mehr als nötig zu akzeptieren.
Weiterhin schätze ich die Gefahr des „Aufheizens“ bei „zu wenig“ Akzeptanz anders ein als Sie.
geschrieben am 22.09.11 18:15 EmilEmscher 224 Beiträge
Ich war nicht auf der Demo!
Bin aber davon ausgegangen, da ich ja wusste dass Sie dort waren, HerMer, dass die Theorie von Erol (mehr islamische Demonstranten bei sexuellem Übergriff....) wohl stimmt. Sie gaben ihm ja Recht.
Es ging Erol auch nicht um die Nichtmuslime, geiles Wort übrigens, definiert zu werden über etwas, was man nicht ist, ich nenne sie der einfachheithalber mal Deutsche, sondern um die Anzahl der Muslime die für Demokratie, buntes Miteinander und eben die Moschee demonstrierten. Seine Theorie, das wesentlich mehr Muslime wegen einem sexuellen Übergriff auf die Strasse gehen würden, als für die Demokratie, das bunte zusammenleben und eben die Moschee ist die signifikante Aussage. Verpackt in das deutsche, darum kümmert sich die Justiz. Ok?
geschrieben am 27.09.11 02:14 HerMer 126 Beiträge
Ganz kurze Antwort an Emil
Ja, es geht mir durchaus besser, allerdings nicht, weil Sie das explizit herausgestellt haben, sondern weil Sie Ihre Schreibe dementsprechend reguliert haben. Von meiner Seite werte ich das als Zeichen des Respekts meiner Denkweise gegenüber, worauf ich in Diskussionen höchsten Wert lege. Daher an dieser Stelle mein genauso ernstgemeintes Dankeschön dafür.
Was die nicht-metalinguistische Ebene (Ja, ich hab's schon wieder getan), also die Sache an sich angeht, werden wir wohl warten müssen, bis es zu so einem Übergriff kommt, um zu sehen, wer mit seiner Einschätzung zu den Reaktionen der Hertener Bürger recht hat - und ich wünsche mir sehnlichst, dass wir niemals eins dieser Szenarien verifizieren können müssen; ich hoffe, es war überflüssig, das zu erwähnen.
geschrieben am 27.09.11 10:36 EmilEmscher 224 Beiträge
Ich habs gemerkt:-)
Auch wenn Sie es wieder getan haben und wenn das eventuell Ihrem Duktus, also Ihrem Schreibstil an sich, entspricht, ändert es nichts daran, dass ich es krude finde etwas über einen Antipol zu definieren.
Freut mich, dass es Ihnen besser geht und ich Sie mit meinem kleinen Beitrag erfreuen konnte. Ihre Denkweise habe ich übrigens in allen Beiträgen respektiert, ich kann nur nicht IMMER, ALLES nachvollziehen.
geschrieben am 28.09.11 19:31 HerMer 126 Beiträge
Entschuldigung,
... dass die Diskussion hier so weit vom Thema abgleitet und gäbe es eine Funktion, die User direkt anzuschreiben, würde ich diese auch schon mehrfach genutzt haben 
Im Prinzip IST es krude, etwas über einen Antipol zu definieren, ja - und das ist an und für sich nicht mein Duktus. Das Problem ist aber, dass ich mit mehreren Muslimen persönlich bekannt bin, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben, darunter auch Konvertiten. Daher konnte ich nicht einfach "Deutsche" schreiben und "Christen" ging auch nicht, weil es unter den Bezeichneten auch Atheisten, Agnostiker und Wicca gibt, da erschien es mir sinniger, einfach "Nichtmuslime" zu schreiben um dem wenigstens ansatzweise gerecht zu werden, d'accord?
geschrieben am 04.10.11 16:19 EmilEmscher 224 Beiträge
D`accord!
Ja 
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