Gewichtheben: Arndt löst Welle der Empörung aus

Marl Die Gewichtheber sind sauer, richtig sauer. Der 1. Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Bürgermeister Werner Arndt, sieht sich mit scharfer Kritik aus dem VfB Hüls konfrontiert.

  • Daumen runter: Die (Nicht)-Reaktion von Werner Arndt löst eine Welle der Empörung unter den Gewichthebern des VfB Hüls aus, darunter auch die ehemalige Europameisterin Marlies Winkel (3.v.r.) – selten stand der 1. Vorsitzende des Stadtsportverbandes derart unter Kritik. Foto: Dirk Kolakowski

Die Termine für 2018 stehen fest. Am 27. Januar geht es mit dem Dortmund-Cup im Bankdrücken los. Der Traditionswettkampf findet beim Athleten Club Goliath Mengede statt. Doch schon vor dem direkten Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz muss die Gewichtheberabteilung eine Niederlage hinnehmen.

Der VfB Hüls sagt nämlich seinen vielversprechenden Start bei diesem auf junge Sportler zugeschnittenen Wettkampf ab. Im vergangenen Jahr hatten die Marler nach Jahren erstmals wieder eine Mannschaft aufstellen können und auf Anhieb den zweiten Platz belegt.

Der zweifache Landes- und Westfalenmeister Jörg Kasparek (49) vom geschäftsführenden Vorstand der Gewichtheber-Abteilung ist sauer: „Ein Traum ist zerplatzt. Würden wir ohne Vorbereitung dorthin fahren, dann wären wir nur Kanonenfutter und uns bis auf die Knochen blamieren.“

Stadt schließt sämtliche Hallen

Was ist passiert? Das Amt für Schule und Sport schloss sämtliche städtischen Sporthallen in den Weihnachtsferien. Anfang Dezember 2017 baten die Gewichtheber in der August-Döhr-Schule den kleinen Kraftraum, nicht die Sporthalle, in den Weihnachtsferien nutzen zu dürfen, um sich auf den ersten Höhepunkt des neuen Sportjahres vorbereiten zu können.

Inzwischen hatte sich auch VfB-Hauptgeschäftsführer Friedhelm Zachau eingeschaltet. „Diese Bitte wurde vom Sportamt brüsk abgelehnt mit den Hinweisen ,Das machen wir immer so‘ und ,Sie können es ja mal in Herten versuchen‘.“

"Lieber Sportfreund Werner"

Zachau beschwerte sich daher am 14. Dezember in einem der Redaktion vorliegenden Brandbrief beim Vorsitzenden des Stadtsportverbandes, Bürgermeister Werner Arndt („Lieber Sportfreund Werner“). Und erinnerte darin an die Abmachung des Schul- und Sportamtes mit dem VfB Hüls, diesen Kraftraum bei anstehenden Meisterschaftsvorbereitungen auch in den Ferien nutzen zu können.

Über die Reaktion aus dem Bürgermeisterbüro ist Zachau empört. „Werner Arndt hat unseren Hilferuf genau an die Abteilung zur Bearbeitung geschickt, die vorher aus den aufgezeigten fadenscheinigen Gründen die Öffnung des Kraftraumes abgelehnt hat.“

Trotz mehrfacher Bitte um Rückruf vergiftet nun das Schweigen des Bürgermeisters gefährlich die Stimmung. Der VfB-Hauptgeschäftsführer knöpfte sich Werner Arndt am Freitag vor: „Der hat es nicht für nötig befunden, ein kurzes Telefonat mit den Verantwortlichen zu führen.“

Sportverhinderungs-Amt

Zachaus klare Ansage: „Damit erübrigt sich auch ein Gratulationsschreiben, wie am 22. März 2017 geschrieben. Hier hat der Bürgermeister mit Stolz auf unsere großartigen Sporttalente verwiesen und wie stark doch der Sport in Marl sei.“

Und er forderte: „Hier ist dringend Redebedarf zwischen Sportlern und Verwaltung. Schließlich sollte sich die Meinung, wir haben ein Sportverhinderungs-Amt, nicht festsetzen.“

Die Stimmung ist also jetzt schon im Keller. Die Leistungssportler der Gewichtheber haben die Vorbereitung auf die Meisterschaften daraufhin abbrechen müssen und werden, da ohne Training chancenlos, das nächste Turnier absagen.

Auch Jörg Kasparek attackiert Arndt heftig: „Das ist nicht seriös. Der Bürgermeister schwenkt auf einem falschen Kurs. So kann ich keinem Verein Knüppel zwischen die Beine werfen.“

 
Amt für Schule und Sport macht Rolle rückwärts

• Im Jahre 2015 hat die Gewichtheberabteilung durch den Abriss der alten Sporthalle am Badeweiher neue Trainingsmöglichkeiten gesucht. Auch die grüne Baracke, die seit einem halben Jahrhundert als Übungsraum diente, wurde dem Erdboden gleichgemacht. Im gesamten Stadtgebiet war nur ein kleiner Kraftraum in der August-Döhr-Schule vorhanden.
• In Gesprächen mit dem Schul-und Sportamt wurde vereinbart, nach der Instandsetzung dieses ziemlich heruntergekommenen Kraftraumes der Gewichtheber-Abteilung eine neue sportliche Heimstätte zu geben.
• Evonik und der VfB Hüls haben die Instandsetzung für ca. 30.000 Euro aus eigener Tasche bezahlt, also kostenneutral für die Stadt.
• Im Gegenzug wurden mit Mitarbeitern des Sportamtes die Trainingszeiten und die Öffnungszeiten in den Ferien bei Vorbereitungen auf Meisterschaften besprochen.
• Im Dezember 2017 plötzlich der Sinneswandel in der Verwaltung: „Gemäß letzter Absprachen mit dem Amt für Gebäudewirtschaft soll – wie in den Jahren zuvor – die grundsätzliche Weihnachtsferienregelung wieder Berücksichtigung finden, die keinerlei Sonderhallennutzung während der gesamten schulfreien Zeit vorsieht“, teilt das Amt für Schule und Sport mit.

 
7 KOMMENTARE
31.12.17 15:29

Schön

von Grundguetiger

wäre eine Antwort des BM. Schließlich haben wir Meinungsfreiheit.

31.12.17 16:44

Der sagt nix!

von Bum

Wetten dass?

31.12.17 00:01

Was erwartet Ihr?

von miko

Natürlich hat Herr Arndt erst einmal ein Interesse, werbewirksam seine Person in den Vordergrund zu stellen. Macht Euch doch nichts vor. Schaut nach Berlin und zeigt mir die MENSCHEN, die "selbstlos" für das Wohl der Allgemeinheit handeln. Hier hätte es mE nach einem Telefonat genügt, und Ihr hättet trainiert - fertig. Gruß an den BürgerMEISTER zwinkern

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