Im Griff der Schattengeister: Günes Gürle als Pollux mit den Tänzern Yuko Kato und Remus Sucheana in Martin Schläpfers Inszenierung der Rameau-Oper »Castor et Pollux«. Foto Gert Weigelt
Eine naheliegende Idee. Nicht nur, weil Martin Schläpfer als besonders ideenreicher Verfechter des neoklassischen Tanzes mit eigenwillig kühnem Gepräge gilt. Auch wenn „Castor et Pollux“ nicht zu den Ballettopern von Jean-Philippe Rameau zählt, sind in dieser „Tragédie“ ganz nach dem Geschmack des französischen Hofes Gesang und Tanz gleichwertige Ausdrucksträger.
Den hohen Erwartungen wird Schläpfer kaum gerecht. Kühl entrückt er das verwicklungsträchtige, emotionsstarke Geschehen um unerschütterliche Bruderliebe und verschmähte Leidenschaft auf die Abstraktionsebene des Tanzes. So gewinnen Szene und Charaktere nicht die nötige Prägnanz. Der Tanz schwankt zwischen austauschbarem Divertissement, grundierendem Kontrapunkt und kommentierendem Konterpart. Erst in den Hades-Szenen, wo Castor, der in der Schlacht gefallene sterbliche Bruder schmachtet, gewinnen die Tänzer als Schattenwesen an Ausdruckskraft. Sein Zwilling Pollux, der zugunsten des Bruders nicht nur auf die Liebe der für Castor entflammten schönen Leukippos-Tochter Télaïre verzichtet, sondern altruistisch auch die eigene Unsterblichkeit preisgeben will, um Castor ins Leben zurückzuholen, findet in Schläpfers überragendem Solisten Jörg Weinöhl einen verstörenden Schatten.
Claudia Braun durchglüht die Schmach der von Pollux verschmähten, den Tod suchenden Télaïre-Schwester Phébé mit allen Facetten ihres dunkel getönten Soprans. Alma Sadés Télaïre leuchtet das Gefühlsspektrum zwischen Qual, Hoffnung und beglückender Erfüllung aus. Günes Gürles kerniger Bariton überzeugt in der fast omnipräsenten Partie des Pollux durch Standvermögen und Stilgefühl. Jussy Myllis’ Castor glänzt durch feine Lyrismen.
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Info Weitere Aufführungen am 4., 15., 18., 23. und 26. Februar. Karten Tel. 0211 / 89 25 211.
