Vasili (2.v.r.) kann das Familienmotorrad schon fahren, jetzt darf er es aufgrund seiner Krankheit aber nicht mehr. Von links: Mutter Luba, Schwester Alexandria, Bruder Dima, Schwester Carolina und Vater Vasili. Mit dem Motorrad verdient der Vater den Unterhalt für die Familie. Foto: Heinz Sünder
Vasili ist ein aufgeweckter Junge und er war eines der wenigen Kinder, bei dem wir bei unserem Besuch in Chisinau das Gefühl hatten: Der weiß, was er hat und der will kämpfen. Im Frühjahr hat er die Volksschule abgeschlossen, nur mit den besten Noten. Das sind im moldawischen Schulsystem die Neun und die Zehn. Er sollte eine weiterführende Schule besuchen, die ganze Familie war stolz. Sein Vater - er heißt auch Vasili – ist es immer noch: „Der hat einen hellen Kopf. Aus dem wird was.“
Für den Vater und auch für die Mutter steht fest: „Unser Vasili schafft das mit dem Krebs. Und dann kommt er hier raus, kann vielleicht ins Ausland gehen.“ Es ist eine starke Familie, sie gehen offen mit dem Thema Krebs um, stärken Vasili den Rücken. Der achtet selbst darauf, dass die Verhaltensregeln eingehalten werden, dass er so lebt, wie er leben muss.
Nachdem man erkannt hat, dass er an Leukämie leidet, ist er in seine Schule gegangen und hat mit dem Direktor ausgehandelt: Die Lehrer der Hauptfächer kommen zweimal die Woche für zwei Stunden zu ihm nach Hause. Dort geben sie ihm Unterricht und erteilen Aufgaben für die Zeit dazwischen. Sie schreiben mit ihm auch Arbeiten, ganz wie in der Schule. Vasili, ganz harter Mann: „Ich lasse mich nicht abhängen. Wenn ich wieder gesund bin, dann will ich der Beste sein.“
Der Junge lernt Russisch und Englisch, am liebsten aber bastelt er. Das Motorrad seine Vaters, eine uralte BMW mit einem selbst gebauten Beiwagen, kann er nicht nur fahren, er kann es auch auseinander nehmen. Das Motorrad ist die Lebensgrundlage für die Familie, für die Eltern und die vier Kinder. Der Vater übernimmt damit Transporte. Ansonsten haben sie noch den üblichen Garten für Obst und Gemüse und ein paar Hühner und zwei Ziegen.
Jetzt, wenn diese Geschichte erscheint, dann hat Vasili in Chisinau eine Chemotherapie. Es wird ihm schlecht gehen, er wird Schmerzen haben, er wird allein sein. Aber er hat, und da sind wir ganz sicher, auch ein Ziel: „Ich will die Krankheit besiegen, ich will aus der Krebsstation wieder raus. Und dann will ich lernen.“ Dr. Irina Plaschevici, die Leiterin der Krebsstation sagt über Vasili: „Ein tapferer Bursche. Ich wäre glücklich, wenn unsere älteren Kinder alle diese Einstellung hätten. Aber das ist leider nicht so. Schade und traurig. Denn gerade bei Kinder mit Krebs ist die richtige Einstellung zur Krankheit besonders wichtig.“
Wir wünschen Vasili alles Gute und dass er im Frühjahr wieder auf Vaters Motorrad durchs Dorf brausen kann. Und wir wollen alles dafür tun, dass die Ärzte auf der Krebsstation für ihn und seine Leidensgenossen das Beste tun können. Das ist der Sinn unserer diesjährigen Weihnachtsaktion.


