Die kleine Katja ist erschöpft von der Chemotherapie, ihre Mutter tröstet sie. Das leukämiekranke Kind hat eigentlich gute Heilungschancen, doch in Moldawien sind die medizinischen Möglichkeiten nur sehr begrenzt. Da wollen wir mit der Hilfe unserer Weihnachts-Spendenaktion 2011 ansetzen. --Foto: sünder
Eigentlich müssten fast alle Kinder hier geheilt werden können. Eigentlich wissen die Ärzte genau, was zu tun ist. Eigentlich weiß die medizinische Forschung genau, wie man diesen Kindern helfen kann. Eigentlich sind Medikamente und Transplantationstechniken so ausgereift, dass sehr viele an Leukämie erkrankte Kinder gute Chancen auf eine Heilung haben. Eigentlich …
Der Unterschied zwischen „Eigentlich …“ und der bitteren Realität in der nur mangelhaft ausgerüsteten Kinder-Onkologie in Chisinau ist der Unterschied zwischen Leben und Tod. Das darf man nie vergessen, wenn man auf die Station kommt und die Eindrücke in sich aufnimmt: den Aufgang mit der abblätternden Farbe an den Wänden, die winzigen, engen, ständig überheizten Gänge und Zimmer, die zerwühlten Betten, auf denen die privaten, mitgebrachten Decken der kleinen Patienten liegen, die vielen Mütter, denen die Angst um das Leben ihrer Kinder ins Gesicht geschrieben steht, und die sich doch nichts anmerken lassen dürfen. Hier geht es jeden Tag und jede Nacht ums Überleben. Und da liegen oft die Nerven blank.
Stationschefin Dr. Irina Plaschevici: „Manchmal müssen wir uns um die Mütter genau so kümmern, wie um die kranken Kinder. Ich weiß, es ist falsch, Hoffnung zu machen, wo keine mehr ist, aber was soll ich denn machen? Soll ich der Mutter sagen, dass ihr Kind in den Tod gehen wird? Dann habe ich eine emotionale Katastrophe auf der Station. Die Mutter wird zusammenbrechen, das Kind wird noch stärker belastet. Und ich weiß aus Erfahrung, eine hysterische Mutter wird andere anstecken.“ Einen ausgebildeten Betreuer für solche Fälle gibt es nicht, kein Geld.
Die kleine Katja kommt aus Telenesti, einem Dorf, 120 Kilometer nördlich von Chisinau. Die Krankheit wurde entdeckt, als die Mutter mit ihr per Bus in die Hauptstadt fuhr, weil das Kind immer müde war. Sie ist mit Katja gleich dort geblieben, lebt mit ihrer Tochter seit über einem Monat auf der Station. In diesem Monat hat die junge Frau 34 Kilo verloren. Sie sagt: „Ich kann einfach nicht mehr essen. Die Katja ist immer bei mir und ich weiß nicht, ob sie leben wird. Die Ärzte sagen, es wird gut. Aber hier sterben doch Kinder, ich sehe das doch.“
Sie sitzt auf Katjas Bett, das sie nachts miteinander teilen. Sie hält ihrem Kind die Hand, achtet darauf, dass sich der Infusionsschlauch nicht verklemmt. Und sie macht sich Sorgen: „Der Mann ist doch allein mit unserem Baby zu Hause. Ich muss hier bleiben. Wie soll das alles nur werden.“ Das kann ihr hier niemand sagen. Sie sagen ihr immer nur: „Es wird gut werden. Wir tun alles für Katja. Bestimmt.“
Das stimmt, sie tun alles. Aber sie können nicht viel tun, die Mittel und Möglichkeiten sind zu beschränkt. Sie helfen mit dem, was da ist. Dass die Situation manchmal so unerträglich ist, dass sie manchmal so hilflos sind, das liegt nicht an den Menschen. Das liegt am System. Das System können wir nicht ändern, aber die Möglichkeiten können wir verbessern: Durch direkte Hilfe in konkreten Fällen. Durch eine Verbesserung der Ausbildung bei den Ärzten, durch eine bessere Versorgung mit Medikamenten und Technik. Das ist unser Ziel und Sie können dabei mithelfen. Kinder wie Katja brauchen unsere Hilfe.


