Opernbilanz: Nur der grüne Bademantel schreckt ab

03. Februar 2012 18:47

DORTMUND. Ein grüner Bademantel scheint in der Oper das einzige zu sein, was das Publikum aufregt. Im Halbzeit-Bilanzgespräch von Intendant Jens-Daniel Herzog am Donnerstag war dieses Kleidungsstück der Norma Hauptdiskussionspunkt beim Publikum, das sonst so zufrieden ist wie der Intendant.

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Stört der grüne Bademantel der Norma?

Tolle Sänger, schöne Inszenierungen, „es zeigt alles nach oben: Zuschauerzahlen, die Stimmung der Mitarbeiter und die Laune des Publikums nach den Vorstellungen“, so Herzog.

Publikum als Herausforderung
 
Es war viel von Vertrauen die Rede an diesem Abend. Vertrauen des Publikums, das man gewinnen müsse mit Musiktheater von hoher Qualität: „Das Publikum muss die Sicherheit haben, das wir hier wirklich Gutes machen wollen“, so Herzog.

Es gäbe in Dortmund ein Musical-Publikum, ein Operetten-Publikum, eins für Belcanto, für Wagner und für Mozart. „Größte Herausforderung ist, daraus ein Publikum zu machen, dass sich alles ansieht“, sagt der Intendant.
 
Inszenierungen kommen an
 
Die Gala, die neuen Scouts, die für die Oper werben, Gespräche mit dem Intendanten, Probenbesuche, möglichst viele Erklärungen – all das schätzen die Besucher. Die Inszenierungen auch: Das Musical ist jetzt oft ausverkauft, Herzogs „Cosi“ auf dem Weg dahin, die Operette läuft gut, der „Holländer“ ist angekommen und schon abgespielt, die Barockoper hatte Liebhaber. Nur „Norma“ ist leer – wegen des grünen Bademantels.
Ob er Mitspracherecht bei einem Gastregisseur habe, wollte ein Zuschauer wissen. „Nein, das ist künstlerische Freiheit. Man hat nur eine Chance: Beim nächsten Mal, wenn man diesen Regisseur nicht wieder einlädt.“ Von der Publikumsreaktion seien alle im Haus überrascht gewesen.
 
Vormittags-Vorstellungen
 
Wenn man vorher gewusst hätte, dass diese auf Weltklasse-Niveau gesungene Oper nur wegen des Kostüms so abgelehnt würde, hätte man darüber nachdenken können, ob es so wichtig ist. „Aber wir ändern nicht eine Inszenierung, weil sie einem Teil des Publikums nicht gefällt.“ Im Haus sei es aber ein geflügeltes Wort. „Wir fragen oft bei den Proben ,Könnte das ein grüner Bademantel sein?‘“, so Herzog.
 
Vormittags-Vorstellungen war ein Wunsch des älteren Publikums. Die soll es mit einem Familienstück in der nächsten Saison geben. Und in dieser Saison noch Mendelssohns Elias, die „Fangesänge“, Puccinis „Bohème“ und die Goldschmidt-Oper „Beatrice Cenci“. 
 
 Der Trailer zur Oper:

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