Fahrbericht: Der Range Rover Velar zeigt sich in Top-Form

Marl Wer die Tür zum Range Rover Velar öffnet, der kann verstehen, warum Chef-Designer Gerry McGovern den Innenraum als ruhiges Refugium bezeichnet. Das Modell sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch der Herausforderung eines königlichen Hoflieferanten würdig. Wir haben das Modell mit der 300 PS starken Diesel-Motorisierung und der R-Dynamic- HSE-Ausstattung 14 Tage lang fahren können.

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  • Range Rover Velar

    Nicht preiswert, dafür mit Top-Maaterialien ausgestattet: der Range Rover Velar R-Dynamic- HSE-Ausstattung. —Foto: Leyk Foto: SYSTEM

  • Range Rover Velar

    Das Display sieht edel aus, ist aber nicht leicht zu durchschauen. —Foto: Nick Dimbleby/Jaguar Land Rover Limited Foto: Nick Dimbleby

Hochwertige Materialien lassen Fahrer und Mitfahrer freudig jauchzend ein- und ausatmen. Im Velar hat alles Hand und Fuß, ohne dabei überheblich oder arrogant zu wirken. Kein Wunder also, dass der Velar seit seinem Debüt im Frühjahr 2017 in aller Welt für Schlagzeilen sorgt und 2018 die Auszeichnung „World Car Design of the Year“ einheimsen konnte.

Lediglich fünf Zentimeter fehlen dem Velar bis zur Länge des Range Rover Sport. Damit wird deutlich, wo das Modell in der Palette des Herstellers positioniert werden soll. Er ist zwar deutlich flacher als die großen Brüder in der Range-Rover-Reihe, von einem Kombi mag man – wie es einige Kollegen tun – aber beileibe noch nicht sprechen.
 

So sieht es auf der Straße aus

Doch was taugt der „Kleine“ auf der Straße. Schließlich geht hier nicht nur ums Repräsentieren auf einem britischen Adelssitz oder vor den Herrenhäusern in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Der Velar sollte auch alltagstauglich sein. Angesichts der Motorisierung präsentiert er sich genau so, wie es zu erwarten war: kraftvoll-elegant. Mit bis zu 700 Newtonmeter können wir es an der Ampel und auf der Autobahn richtig krachen und manches sportliche Coupé stehen lassen.
 

Verteilung des Motordrehmoments

Die Kombination aus Allradantrieb und dem sogenannten IDD-System (steht für „Intelligent Driveline Dynamics“ = dynamisch-intelligenter Antrieb) sorgt für eine optimale Verteilung des Motordrehmoments auf die Vorder- und Hinterräder und ermöglicht so maximale Traktion und Kraftstoffeffizienz bei allen Straßen- und Wetterbedingungen. Auf Schnee glitt der Wagen dahin wie auf Schienen. Und auch ruckeliges Geländestrecken waren weniger eine Herausforderung denn ein Spaß-Terrain für die britische Edel-Karosse.
Auf dem Fahrersitz kommt sportliche Wohnzimmer-Atmosphäre auf. Trotz der kantigen Größe ist die Übersicht ausgezeichnet, sitzt man doch in einer recht hohen Position – den Rest erledigt das Surround-Kamerasystem. Das Multifunktions-Lenkrad mit dem Premium-Velours-Bezug fühlt sich heimelig an und liegt gut in der Hand. Ebenso die Türgriffe – ob diese aber elektrisch herausfahren müssen, sei dahingestellt. Etwas behäbig hingegen zeigt sich der Drehknopf der Automatik. Ehe es nach dem Start losgehen kann, dauert es einige Sekunden.
 

Mit Nappaleder überzogenes Cockpit

Immerhin bekommt man so die Zeit, um das mit Nappaleder überzogene Cockpit bestaunen zu können. Oder aber man liest die Bedienungsanleitung. Denn die zwei Berührbildschirme, über die nahezu alle Funktionen gesteuert werden, ist äußerst komplex und erfordert oftmals die Aufmerksamkeit des Fahrers, der den Blick eigentlich nicht allzu lange von der Straße nehmen sollte. Wie gut, dass Land Rover verschiedene elektronische Fahrhilfen (wie z. B. Spurhalteassistent und automatische Abstandskontrolle) sowie Unterstützungsprogramme für Schnee, Schotter und anderes anbietet.
 

Ordentlicher Durst

Nun gut, beim Verbrauch mag man in der Stadt nicht so gerne hinschauen – unter zehn Liter Diesel geht kaum etwas. Geht es sportlich zur Sache, hat der Range Rover allerdings ebenfalls ordentlich Durst, um nicht zu „dehydrieren“. Aber über Land im Eco-Modus kamen wir sogar mit 6,5 Litern auf 100 Kilometer aus. Bei dem großen Hubraum ist dies kein schlechter Wert.
Übrigens: Die Dieselfahrzeuge von Land Rover sind mit der SCR-Technologie (selektive katalytische Reduktion) für die Abgasnachbehandlung ausgestattet, was zu einer Senkung der NOx-Emissionen beiträgt, und erfüllen die 6d-Temp-Norm. Am Ende ist klar, dass der Velar in seiner Klasse nicht der günstigste SUV ist – dafür aber sicher der edelste. Spaß macht er vor allem außerhalb der Stadt, und da insbesondere im Gelände.
 
Range Rover Velar D300
R-Dynamic HSE


Motor/Getriebe: Verbaut ist ein 3,0 Liter V6- Twinturbo-Diesel-Motor mit Start-Stopp-System sowie Allradantrieb, der 300 PS leistet. Zur Ausstattung gehört ein Achtgang-Automatik-Getriebe. Maximales Drehmoment: 700 Nm bei 1500 bis 1750 Umdrehungen. CO2: 175 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP.

Leistung: Höchstgeschwindigkeit 241 km/h. Von 0 auf 100 km/h: 6,7 Sek. Angegebener Verbrauch: ca. 6,6 Liter Diesel (kombiniert). Wir haben während des Tests 8,7 Liter im Mix verbraucht. Anhängelast bis zu 2500 Kilogramm.

Karosserie: Länge 4,80, Breite 2,04 (mit ausgeklappten Spiegeln 2,16 Meter), Höhe 1,69 Meter. Gepäckraumgröße 673 bis 1731 Liter. Das Leergewicht beträgt 2029 kg.

Preise: In der Grundausstattung gibt es den Range Rover Velar für rund 56.000 Euro. Als D300 R-Dynamic HSE kostet das Fahrzeug ab 86.590, dann aber schon mit einem Navigationssystem Pro und Windsor-Ledersitzen sowie Matrix-LED-Scheinwerfern. Unser Testwagen lag inklusive der zusätzlichen Ausstattung wie z. B. Panoramadach mit elektrischer Sonnenblende, Head-Up-Display und elektrischer Anhängerkupplung bei 102.783 Euro.


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    13. Januar 2019, 18:14 Uhr
    Aktualisiert:
    22. Januar 2019, 12:18 Uhr