BVB endgültig zurück im Kreis der Großen?

Auch in dieser Saison ist das Ruhrgebiet auf der höchsten europäischen Bühne vertreten. Im Gegensatz zu den Vorjahren gibt es diesmal sogar wieder die Sternstunden, von denen die fußballverrückte Region träumt. Die Handschrift ist dabei schwarzgelb.

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Dortmund aktuell: Zurück in die Zukunft

Zu verdanken ist die aktuelle Europa-Euphorie Borussia Dortmund. Der BVB scheint dort anzuknüpfen, wo er bereits vor wenigen Jahren schon länger stand: Eine Truppe aus jungen Wilden, die unter dem Regiment von Taktikfuchs Lucien Favre jedem Gegner Probleme bereiten kann. Kantersiege in der Bundesliga, allen voran das 7:0 gegen Nürnberg, die Entdeckung von Shooting Stars wie Jadon Sancho und Paco Alcacer, Marco Reus als Führungsspieler und ein Mario Götze, der sich anscheinend ins Team zurückkämpfen darf: Aus Dortmund gibt es aktuell viel Gutes zu berichten.

Der vorläufige Höhepunkt der (noch jungen) Saison ist schnell ausgemacht. Atletico Madrid galt als erster echter Prüfstein, da die Spanier die Kunst des harten, kontrollierten Defensivfußballs jahrelang perfektioniert haben und mit Antoine Griezmann außerdem einen der besten Spieler der Welt in ihren Reihen wissen. Dortmund dagegen kann sich zwar auf Spielwitz und Dynamik berufen, allerdings nicht auf einen gleichwertigen Erfahrungsschatz. Dass es am Ende 4:0 für den BVB stand, kam daher einer kleinen Sensation gleich. Mit einem Sieg in dieser Höhe hätte kaum jemand gerechnet und wer mutig genug war, darauf auch noch Geld zu setzen, der wurde mit einer äußerst attraktiven Quote belohnt – in Kombination mit einem Bonuscode fiel der Gewinn gar noch höher aus.

Das verlorene Rückspiel zwei Wochen später kam da vielleicht genau zur richtigen Zeit. Die vorzeitige Qualifikation für das Achtelfinale wurde zwar verpasst, doch die Chancen stehen weiterhin ausgezeichnet. Wichtiger ist zunächst allerdings das Spitzenspiel am kommenden Wochenende, wenn die Bayern zum Bundesliga-Duell in Westfalen antreten.

Denn geht es nach den Dortmundern, soll das erst der Beginn einer langen Reise sein. Das wiedergewonnene Selbstbewusstsein ist dabei eine gute Grundlage. Ein wenig Nostalgie lässt sich in diesem Zusammenhang nicht vermeiden: Es ist schließlich kaum zehn Jahre her, dass ein gewisser Jürgen Klopp antrat, um eine einzigartige Geschichte zu schreiben. Dass die Mage eines Tages verblasste, liegt vielen BVB-Fans immer noch schwer im Magen. Nach schwierigen Jahren mit ungewohnt hohem Trainer-Verschleiß liegen die Hoffnungen nun auf Favre, der in all seinen bisherigen Stationen für klare Konzepte und Konstanz stand.

Schalke kämpft sich in die Spur – wie geht es weiter?

Nicht ganz so glanzvoll sieht es momentan bei den ärgsten Rivalen aus. Nachdem der FC Schalke in der Abschlusstabelle 2017/18 zum ersten Mal seit langer Zeit vor den Borussen landen konnte und Vize-Meister hinter den alles überragenden Bayern wurden, waren die Hoffnungen entsprechend groß. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt: Der Start in die neue Bundesliga-Saison verlief einigermaßen katastrophal und hinterließ Spuren bei allen Beteiligten. In der Champions League gab es zwar noch keine Niederlage, doch selbst die Bilanz von zwei Siegen und zwei Unentschieden löst aufgrund der Art und Weise keine Begeisterung aus.

Gerade aufgrund des Dortmunder Höhenflugs ist die Lage in Gelsenkirchen angespannt. Die Nachbarn aus Dortmund waren schon immer der wichtigste Gradmesser; besser als der BVB abzuschneiden konnte so manch andere Misserfolge vergessen machen. Aus objektiver Sicht ist das allerdings zweitrangig – und die Geldgeber sehen das genauso. Coach Domenico Tedesco steht damit am Scheideweg: Der Fußball der letzten Saison war zwar national erfolgreich, aber nicht unbedingt attraktiv. Der Versuch, in diesem Jahr einen Schritt in Richtung attraktivem Offensivfußball zu machen, ist bislang gescheitert. Das führt zur Frage, ob der eingeschlagene Weg weiter verfolgt werden soll, in der Hoffnung auf baldige Besserung, oder ob um jeden Preis Punkte gesammelt werden sollen, zur Not auch durch die Rückkehr zum biederen Ergebnisfußball.

Das traditionell nervöse Umfeld macht die Lage nicht einfacher. Von einem Schleudersitz kann zwar nicht die Rede sein, doch die Liste der verbrauchten Trainer alleine im letzten Jahrzehnt ist nicht gerade kurz. Ausgerechnet die Champions League könnte jetzt der Rettungsanker sein: Die Chancen auf das Achtelfinale sind nach dem 2:0 gegen Galatasaray sehr hoch, das Weiterkommen ist aus eigener Kraft möglich und könnte bereits am nächsten Spieltag fix gemacht werden. Die dadurch sicheren Mehreinnahmen in Millionenhöhe dürften Tedescos Job über den Winter festigen und die Hoffnung, die ungeliebten Dortmunder vielleicht doch noch abzufangen, bekommt neue Nahrung.



ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    9. November 2018, 13:59 Uhr
    Aktualisiert:
    9. November 2018, 14:00 Uhr