EEG-Headsets – Warum das Lesen von Hirnströmen nützlich ist

Eine neuartige, noch nicht bis zum letzten Ende ausgereifte Erfindung ist momentan im medizinisch-psychologischen Diskurs in aller Munde. Sowohl Mediziner als auch Wissenschaftler und Psychologen befeuern den Diskurs um bereits entwickelte EEG-Headsets, mit deren Hilfe Gehirnströme ausgelesen werden und für verschiedenste Funktionen verwendet werden können.

Training des Kurzzeitgedächtnisses und Steigerung der Aufmerksamkeit

Genutzt werden können diese Headsets beispielsweise bei diversen Computerspielen. Hierbei ist es der Technik mittlerweile gelungen, einfache Aufgaben innerhalb des jeweiligen Spiels zu erfüllen – und all dies nur mit der Konzentration des Spieler auf eben diese Aufgabe. Dadurch, dass die gemessenen Hirnströme mittels Computertechnik aufgezeichnet, analysiert und ausgewertet werden können, ist es dem Nutzer möglich, seine Hirnaktivitäten aktiv zu beeinflussen. Nach einer gewissen Gewöhnungs- und Einarbeitungszeit, so Wissenschaftler und Hersteller, kann es dem Spieler gelingen, durch diese Reflexion schneller und leichter zu entspannen, sich zu konzentrieren oder auch zu beruhigen. Es geht also im Umkehrschluss darum, die sogenannte mentale Fitness zu steigern und zudem über die eigene Hirnaktivität besser verfügen beziehungsweise überhaupt Einfluss nehmen zu können.
 
Weitere Studien im Bereich des Pokerspiels

Nicht nur das Computerspielen hat das Interesse der Entwickler derartiger Headsets erregt. Zu dieser Branche kommt noch eine weitere hinzu: die des Pokerspiels. Beim Pokerspiel spielen psychologische Kenntnisse und Fähigkeiten eine besondere Rolle, ist nicht selten ein guter Bluff spielentscheidend. Da ein Bluff im Grunde genommen eine Lüge darstellt, reagiert der Körper mittels bestimmter Hirnaktivitäten mit beispielsweise erweiterten Pupillen und Schwitzen. Unter Einsatz eines EEG-Headsets wurden nun Pokerspieler aller Niveauklassen untersucht: Anfänger wurden ebenso beobachtet wie die Klasse der Amateure und der Profis. Erforscht wurden im Rahmen einer Studie hierbei die Hirnströme der Spieler bei bestimmten Spielsituationen wie zum Beispiel Deal, Flop, Turn, River, Call etc. Dieses dient nun unter anderem dafür, eigene Gefühlsregungen und körperliche Reaktionen zu kontrollieren, aber auch dazu, die Unterschiede im Denk- und Hirnverhalten der Spieler untereinander zu beobachten, zu beschreiben und wissenschaftlich zu verwerten.
 
Marktreife noch nicht in Sicht

Zum momentanen Standpunkt der Wissenschaft lässt sich abschließend sagen, dass die EEG-Headsets noch keine Marktreife erlangt haben und noch nicht als Wundermittel angepriesen werden können. Die durchgeführten Studien beinhalten noch zu wenige Versuchspersonen, um absolut verlässliche Aussagen zu treffen. Derartige Headsets lassen sich somit noch nicht als „Fitnesstudios fürs Hirn“ bewerben, wenn auch die Fortschritte in der Wissenschaft und Technik dafür sorgen werden, dass die Headsets zumindest auf mittelfristige Sicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein dürfte.
 
 



ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    6. Juni 2017, 08:04 Uhr
    Aktualisiert:
    6. Juni 2017, 08:06 Uhr