Justin Timberlakes neues Album: Und es ist wirklich keine Country-Platte

Kommende Sonntagnacht wird Justin Timberlake für die Halbzeitunterhaltung beim „Super Bowl“ in Minneapolis sorgen, doch vorher stellt der Pop-Superstar sein neues Album „Man Of The Woods“ in einem künstlich angelegten New Yorker Wäldchen vor. Wir waren dabei.

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  • Justin Timberlake

    Sieh an: Justin Timberlake möchte zum Naturburschen werden. Die neue Platte „Man Of The Woods“ vom Pop-Superstar ist jetzt erschienen, ist aber – trotz Gerüchten im Vorfeld der Veröffentlichung – kein Country-Album. Foto: Sony Music

  • Man of the woods

    So sieht das neue Werk von Justin Timberlake, "Man Of The Woods", aus.

„Wahnsinn, Leute, ihr habt den Wald nach New York gebracht“, ruft ein strahlender Justin Timberlake, als er den Raum betritt, ein kurzes Grußwort spricht und fordert, man möge sein neues Album nun sehr laut abspielen. „Man Of The Woods“, das fünfte Solo-Werk des ehemaligen Kinder- und Teeniestars soll verkauft werden als Timberlakes Zurück-zur-Natur-Album. Vor Wochen wurde bekannt, dass Justin ein Duett mit Chris Stapleton, dem zurzeit erfolgreichsten Countrysänger der USA, auf dem Album hat. Da dachten alle: Der Justin macht jetzt also eine Country-Platte.

Nur: „Man Of The Woods“ ist alles Mögliche, eine Country-Platte ist es ganz sicher nicht. Aber das macht nichts. Was man bekommt, ist der mutige Versuch, mit modernsten Produktionsmitteln ein irgendwie heimeliges Klanggefühl zu schaffen. Die Soul-, Gospel- und R’n’B-Einflüsse aus Justins Heimat Tennessee, so der Plan, sollten gekreuzt werden mit futuristischem Funk, zukunftsweisenden Beats und Sounds, die zugleich erdig und innovativ sein sollten. Klingt kompliziert? Ist es in der Praxis auch.

„Man Of The Woods“ ist kein einfaches oder besonders zugängliches Album, ein kristallklarer Hit wie zuletzt „Can’t Stop The Feeling“ aus dem Sommer 2016 ist nicht zu erkennen. Doch besonders stark geraten ist die housig-heftige Disco-Nummer „Midnight Summer Jam“. Im langsameren und textlich ungewohnt persönlichen Titelsong („Man Of The Woods“ ist die Übersetzung des Söhnchen-Namens Silas) mag man Anleihen an George Michaels „Faith“ erkennen, „Supplies“ klingt dunkel, hart, club-orientiert und für so einen Weltstar erfrischend unkommerziell.

Die Mitte des Albums hängt ziemlich durch

Die Mitte des Albums hängt dann jedoch ziemlich durch, weder das bekifft klingende „Wave“ noch das Duett mit Alicia Keys („Morning Light“) noch jenes mit Chris Stapleton („Say Something“), auch nicht das austauschbare, wie ein irisches Trinklied wirkende, „Flannel“ können überzeugen. „Montana“ macht dann wieder Spaß zwischen „Stayin‘ Alive“ und Scissor Sisters. „The Hard Stuff“ packt einen mit akustischer Gitarre und emotionalem Inhalt dann wirklich mal so richtig schön in der Herzgegend, und abschließend brabbelt der kleine Timberlake-Sohn Silas im poppigsten Song „Young Man“ dann auch noch selbst.

Die ganze Albumkampagne ist aber nicht frei von Widersprüchen. Im Video zu „Supplies“ schaut Justin Bildmaterial zu Harvey Weinstein, Donald Trump und dem „Women’s March“, um anschließend als Kämpfer der Apokalypse das Böse zu meucheln. Zugleich verweigert er zu Woody Allen, dem sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wird und in dessen aktuellem Film „Wonder Wheel“ Timberlake eine Hauptrolle spielt, jeden Kommentar. Auch für seine Rolle im sogenannten „Nipplegate“, als er beim „Super Bowl“ 2004 Janet Jacksons Brust entblößte, hat er sich zwar gerechtfertigt, aber nie wirklich entschuldigt. Ihre Karriere lag danach in Scherben, seine ging beinahe bruchlos weiter. Vielleicht wäre Justin Timberlake gut beraten, Feminismus also nicht nur zu promoten, sondern auch zu leben. Vielleicht fängt er ja jetzt bei seiner Rückkehr auf die „Super Bowl“-Bühne schon damit an – und bittet Janet Jackson dazu.



AUTOR
Steffen Rüth
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    2. Februar 2018, 13:44 Uhr
    Aktualisiert:
    2. Februar 2018, 13:52 Uhr
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