Clea fliegt nach Neuseeland: Ein Gefühl wie im freien Fall

Teil 1 Ich sitze gerade im Flugzeug von Dubai in Richtung Auckland. Ich muss ehrlich sein, ich habe mir den Flug um einiges leichter vorgestellt. Die 26-Stunden-Flug sind schon ziemlich hart. Jetzt gerade sind es noch genau 9 Stunden und 23 Minuten, bis ich endlich in Auckland lande. Um mich jetzt abzulenken, kann ich ja mal erzählen, wie ich eigentlich dazu gekommen bin, ein Jahr nach Neuseeland zu gehen.

  • Clea Kleffmann Neuseeland

    Der Abschied von den Eltern und ihrem Bruder Till fiel Clea besonders schwer, auch wenn sie hier auf dem Foto noch strahlt.

Letztes Jahr zu dieser Zeit habe ich immer stärker darüber nachgedacht, nach meinem Abitur, kein Studium, sondern ein Auslandsjahr zu machen. Ich habe mir also viele verschiedene Organisationen angeguckt und bin dann auf ICJA gestoßen. ICJA bietet Freiwilligendienste in der ganzen Welt an. Dort habe ich mich beworben und meine Zusage erhalten. Die Zusage bekam ich aber nicht für meine Erstwahl Island, sondern für Neuseeland.

Auf ins Projekt: Camp Living Springs

Trotzdem habe ich mich recht schnell mit dieser Neuigkeit angefreundet und mich auch immer mehr darauf gefreut, dass das Abenteuer in Neuseeland endlich losgehen kann.
Mit mir zusammen sind wir 25 Deutsche, die nach Neuseeland gehen und im ganzen Land verstreut sind. Wir haben auch relativ früh eine WhatsApp-Gruppe gegründet, damit man sich untereinander stärker austauschen und sich zusammen auf den Freiwilligendienst vorbereiten kann.
Richtig spannend wurde es aber erst, als wir unsere Projekte auswählen durften. Es gab beispielsweise sehr viele Abenteuer-Camps, verschiedene Schulen, ein Kirchenprojekt oder auch ein Fisch-Camp.

Meine Projektzusage bekam ich Ende Mai. Ich habe meine Erstwahl bekommen, das Abenteuer Camp Living Springs, in der Nähe von Christchurch. Sofort haben sich alle Freiwilligen untereinander ausgetauscht, da viele von uns auch zusammen in einem Projekt sind, denn wir Deutsche machen drei Viertel aller internationalen Freiwilligen in Neuseeland aus. Mit mir sind noch Verena, Johanna und Martin im Projekt, sie kommen auch alle aus Deutschland. Zu uns werden aber auch noch andere Freiwillige aus anderen Ländern kommen, jedoch werde ich erst in ein paar Stunden wissen, wer noch in meinem Projekt sein wird, da wir alle zusammen einen Vorbereitungskurs in der Nähe von Auckland absolvieren werden.

Living Springs ist also ein Abenteuer Camp für Kinder und Jugendliche. Dort werden zum Beispiel Schulklassen oder andere Gruppen sein, die wir betreuen werden. Es gibt dort aber auch einen Bauernhof mit vielen Tieren, unter anderem Schafen, Pferden und Lamas, um die wir uns ebenfalls kümmern werden.
Vor zwei Wochen hatten alle zukünftigen Freiwilligen von ICJA aber erst einmal ein zehntägiges Vorbereitungsseminar in Witzenhausen. Es war echt schön, die anderen Freiwilligen, die mit mir zusammen nach Neuseeland fliegen, schon im Vorfeld kennenzulernen. Ich habe aber auch gute Freundschaften mit anderen geschlossen, die beispielsweise nach Togo, Indien oder Mosambik gehen. Das Vorbereitungsseminar lief in einem Stundenplansystem ab. Wir hatten also jeden Tag verschiedene Einheiten, in denen wir beispielsweise mehr über Rassismus oder Privilegien gelernt haben.

Untereinander haben wir ziemlich viel Spaß gehabt, sodass ich mich nicht wirklich an einen Tag erinnere, an dem wir mal nicht vor 5 Uhr früh ins Bett gegangen sind. Es hat sich einfach ein sehr großer Zusammenhalt gezeigt. Wir waren meistens abends auf dem Turm oder wir haben draußen Catching-the-Flag gespielt, wo wir unsere eigenen Flaggen gebastelt haben.

Nach den zehn Tagen Vorbereitungsseminar blieben uns Neuseeländern jedoch nur noch sechs Tage, bis wir unser Zuhause für ein Jahr verlassen mussten.
Diese Tage waren für mich ziemlich merkwürdig, denn jeder fragte mich, ob ich schon aufgeregt bin oder ob ich mich freuen würde. Klar freut man sich und ist irgendwie auch aufgeregt, aber ich habe bis heute gar nicht realisiert, dass ich überhaupt wegfliege.

Achterbahnfahrt brachte Erkenntnis

Ich habe diese sechs Tage also noch sehr viel mit meiner Familie und meinen Freunde verbracht, um mich richtig zu verabschieden. Ich war zum Beispiel noch auf der Rheinkirmes und da wurde mir bewusst, was mir mein Freiwilligendienst bedeutet und wie ich mich dabei fühle. Zum ersten Mal bin ich auf den Free Fall Tower gegangen und als ich da oben saß, war es genau wie das, was ich jetzt fühle. Es ist etwas komplett Neues, was ich nicht wirklich realisiere, auch jetzt realisiere ich es noch nicht mal, aber es macht Spaß und man freut sich darauf. Genauso war es bei mir mit dem Free Fall Tower.

Dann ist die Abreise immer näher gerückt und so wie ich halt bin, habe ich meine Sachen erst am letzten Tag gepackt. Ich kann sagen, dass es extrem stressig ist, wenn man nach Auckland 30 Kilo, plus sieben Kilo Handgepäck mitnehmen darf, aber innerhalb von Neuseeland das Gepäck nur 20 Kilo betragen darf. Denn erst nach dem Vorbereitungskurs in Auckland fliege ich nach Christchurch zum Camp Living Springs. Deswegen habe ich mindestens vier Stunden damit verbracht, umzupacken, um am Ende feststellen zu müssen, dass ich trotzdem zu viel habe. In einer Woche werde ich ja sehen, wie ich damit auskomme.

Der Abschied fiel mir schon ziemlich schwer. Kurz bevor ich geflogen bin, waren wir noch bei meiner Familie Kaffee trinken und dann musste ich auch schon für ein Jahr „Tschüss“ sagen. Zu Hause habe ich mich dann noch von meinen zwei Meerschweinchen und meinem Hund verabschiedet und dann ging es schon nach Düsseldorf. Es war schon irgendwie komisch, in Düsseldorf zu sitzen und zu wissen, dass man darauf wartet, zur Sicherheitskontrolle zu gehen. Meine Eltern und meinen Bruder zu verabschieden, war schon ziemlich hart, aber es musste nun mal sein. Eigentlich habe ich mir vorher gesagt, dass ich mich bloß nicht umdrehen will, aber ich tat es sogar zweimal.

Und nun sitze ich im Flugzeug. Der erste Flug von Düsseldorf nach Dubai war zwar um einiges einfacher, als der von Dubai nach Auckland, aber jetzt sind es bloß noch acht Stunden und 14 Minuten, bis ich ankomme.
Ich kann aber wirklich sagen, dass ich mich unheimlich auf dieses Jahr freue und ich gerne davon berichten möchte, was ich erleben werde.
Clea Kleffmann (18, Recklinghausen) lebt ein Jahr in Neuseeland auf der Südinsel. In der Stadt Governors Bay arbeitet sie im Rahmen eines „Internationalen Jugendfreiwilligendienstes“, kurz IJFD, in Living Springs. Das ist ein Abenteuercamp für Kinder und Jugendliche. Bei Scenario berichtet Clea von ihrem Abenteuer in Neuseeland.