Pia (eigentlich) in Dänemark: Studienfahrt in die Stille

Teil 4 Dänemark tschüss, hallo Norwegen, denn dahin zieht es mich für eine Woche. In die Natur, mitten ins Nirgendwo, ohne Handy.

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  • Pia Friedl Around the world Teil 4

    Pia ist happy. Mit so einer atemberaubenden Aussicht und so einem Whirlpool vergeht die Zeit auf der Fähre wie im Flug. Foto: Privat

  • Pia Friedl Around the world Teil 4

    In dieser süßen Hütte kommen Pia und ihre Kommilitonen unter, die sich ein bisschen vom Uni-Stress erholen wollen. Foto: Privat

Sonntagnachmittag um 16 Uhr treffe ich mich mit der Klasse an der Fähre in Kopenhagen, die uns nach Oslo bringen soll. 17 Stunden später kommen wir endlich an und treffen unsere Dozenten.
Von dort aus geht es mit dem Zug weiter an den See Sognsvann, der ungefähr acht Kilometer von Oslo entfernt liegt. Dort essen wir erst mal zu Mittag und wandern dann gemeinsam los. Wir bekommen eine Karte und einen Kompass. Damit sollen wir den schnellsten und schönsten Weg zu unserer Hütte rausfinden. Der Weg ist ungefähr vier Kilometer lang, aber mit dem schweren Backpack auf dem Rücken kommt er mir viel länger vor. Der Weg führt durch einen wunderschönen Wald und gefühlt mitten in der Wildnis.

Nach ungefähr zwei Stunden mit Pausen kommen wir an unserer Hütte an. Auch sie liegt mitten im Wald und grenzt direkt an einen See an. Schön! Bis zum nächsten Morgen entspannen wir uns.

Dann geht’s direkt nach dem Frühstück mit einem „Mindfullwalk“ los. So eine Meditationswanderung mache ich zum ersten Mal. Die Aufgabe: sich auf zwei Kilometern nicht zu unterhalten und versuchen, an nichts zu denken und sich nur auf die Atmung, den Körper und was um uns herum passiert zu konzentrieren. Die Stille empfinde ich als sehr angenehm, aber an nichts denken? Das fällt mir schwer. Meine Gedanken driften immer wieder ab.

Auf einer Lichtung angekommen, machen wir noch Entspannungsübungen, bevor es wieder zurück zur Hütte geht und ich freue mich, dass wir uns wieder miteinander unterhalten dürfen.
In der Mittagszeit schnappen vier Kommilitonen und ich uns ein kleines Ruderboot und paddeln auf den See raus. Wir nehmen Kurs auf zwei Inseln im See, die eine ist winzig, aber die andere größer. Auf der zweiten Insel finden wir eine wunderschöne geschnitzte Holztasse und – dazu gar nicht passend – eine Axt. Die Aussicht von der Insel auf den See ist wunderschön, überall nur Wald, Wiesen, Steine und Büsche.

Wir rudern zurück, es gibt schließlich Mittagessen. Danach soll sich jeder ein Spiel aus seinem Heimatland überlegen, das er als Kind gerne gespielt hat oder das er jetzt gerne mit Kindern spielt. Wir tragen alle Spiele zusammen, sodass am Ende des Semesters jeder von uns eine internationale Spielesammlung haben wird.

Wir siegen nicht, aber das macht uns nichts aus

Abends bereiten einige aus meinem Kurs ein Quiz vor – mit Fragen zu allen Ländern, die im Kurs vertreten sind. Dafür werden wir in Gruppen eingeteilt, ich bin mit einer Spanierin, meinem dänischen Dozenten und einer Japanerin in einer Gruppe. Wir gehen leider nicht als Sieger hervor, aber das macht uns nichts aus. Fröhlich lassen wir den Abend in der Sauna ausklingen.

Am nächsten Morgen steht Wandern auf dem Stundenplan. Wir bekommen eine Karte und sollen zum Mittagessen an dem dort einzeichneten Kreuz sein. Also suchen wir uns in einer kleinen Gruppe eine Route raus. Das ist etwas schwierig, weil wir drei Personen sind, die vorher schon gewandert und auch sportlich fit sind, und eine andere, die noch nie in ihrem Leben gewandert ist.

Eigentlich möchten wir drei sehr gerne den längeren Weg an einem See vorbeiwandern, entscheiden uns dann aber dagegen. Während unseres Weges stellt sich aber heraus, dass die vermeintlich leichtere Strecke, die wir gewählt haben, die anspruchsvollste und längste ist. Die größte Herausforderung für mich – so merke ich – besteht darin, die Gruppe zusammenzuhalten, auf die anderen Rücksicht zu nehmen und jedem gerecht zu werden. Wir wandern eine Stunde lang nur den Berg hoch. Oben müssen wir erst mal verschnaufen.

Nach drei Stunden kommen wir endlich am vereinbarten Treffpunkt an, wir sind die vorletzte Gruppe. Für den Rückweg entscheiden wir uns für den Weg am See lang, weil die Gruppe, die ihn hochgewandert ist, uns sagt, er sei nicht sehr steil und kürzer als unser Hinweg. Der Rückweg ist anders, aber genauso schön wie der Hinweg.

Am Abend steht für meine Kleingruppe noch eine große Herausforderung an, wir müssen für die ganze Gruppe kochen. Wir planen, Spaghetti carbonara zu machen. Für dreißig Person ist das gar nicht so einfach… doch letzten Endes hat sich niemand über unsere Kochkunst beschwert.

Nach dem Abendessen genießen wir zum letzten Mal die Sauna, bevor es am nächsten Morgen schon wieder zurück nach Oslo geht. Dort haben wir noch einige Stunden, um uns die Stadt anzuschauen, bevor die Fähre zurück nach Kopenhagen geht – zurück in die Zivilisation und zurück ins Alltagsleben mit Terminen und Stress. Und ich merke schnell, wie gut mir Norwegen getan hat – mit seiner wunderschönen Natur und dem „Nicht-dauernd-erreichbar-sein-müssen“.
Pia Friedl (22, Waltrop) geht für ein Semester nach Kopenhagen. Dort wird sie „Childhood in a Nordic perspective – a Danish setting“ studieren. Pia wohnt mit drei weiteren Studentinnen, dem Vermieter und mit dessen Tochter zusammen. Was sie in ihrem Auslandssemester alles so erlebt, schildert Pia ausführlich bei Scenario.