Schalkes Co-Trainer: Mike Büskens: „Die schwierigste Situation seit 27 Jahren“

Gelsenkirchen Mike Büskens kommt zum Interview-Termin im Schalker Trainingsanzug. Wie auch sonst? Der 51-Jährige lebt Schalke 04 und hat sich nicht lange bitten lassen, als ihn der Verein als Co-Trainer haben wollte.

  • FC Schalke 04 - Pk mit Trainer Stevens

    Schalkes Co-Trainer Mike Büskens lebt Schalke. Foto: Ina Fassbender (dpa)

Der gebürtige Düsseldorfer identifiziert sich mit den Königsblauen ohne Wenn und Aber. Büskens ist eine Schalker Kultfigur, die mithelfen will, dass sein Herzensklub in der Bundesliga bleibt und sich sportlich wieder stabilisiert.

Die Schalker Spieler haben am Montag und Dienstag jeweils doppelt trainiert. Das war unter Domenico Tedesco eher die Ausnahme. Hat das neue Trainerteam Defizite in konditioneller Hinsicht festgestellt?

Wir vergleichen unsere Trainingsarbeit nicht mit der aus der Vergangenheit. Es gibt Werte, die sind für jeden einsehbar, wie zum Beispiel die Laufleistung. Da haben wir einen Tabellenplatz unter den Bundesligisten, der uns nicht zufriedenstellt.

Nämlich Platz 18. Ist dieser letzte Platz für jemanden wie Sie aus der legendären Eurofighter-Generation ein besonderes Alarmsignal?

Das hat nichts mit meiner Karriere zu tun. Fußball ist ein Laufspiel. Elemente, die du beim Spiel von der Mannschaft erwartest, musst du natürlich auch trainieren. Deshalb haben wir vom ersten Tag an mit einer hohen Intensität genau daran gearbeitet.

Und das Trainerteam hat mit Markus Zetlmeisl einen Fachmann u.a. für Konditionsarbeit zurückgeholt.

Wir wollen jedem Spieler gerecht werden und Einheiten zu Themen wie Verletzungsprävention anbieten, bei denen wir Bedarf sehen. Es ist besser, in diesem Bereich einen Experten mehr als einen zu wenig zu haben.

Die Laufleistung ist aber gewiss nicht das alleinselig machende Mittel, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Natürlich nicht. Es geht aber darum, dass die Jungs 90 Minuten lang intensivste Läufe bei nur kurzer Erholung absolvieren können. Es ist zum Teil eine Schule des Willens, um trotzdem genug Kraft zu haben, das unnötige Foul oder den Fehlpass zu vermeiden.

Ist die Aufgabe, die Sie übernommen haben, schwieriger als gedacht?

Für mich ist das die schwierigste Situation seit ich in diesem Verein bin, also seit 27 Jahren. Das war mir vom ersten Tag an bewusst, und in dieser Situation befinden wir uns immer noch.

Sie gehören nun zum dritten Mal sozusagen zum Schalker „Pannendienst“, der die Saison noch zu einem guten Ende bringen soll. Lassen sich die verschiedenen Rettungsmissionen miteinander vergleichen?

Das ist schwierig. Beim ersten Mal 2008 war ich Trainer der zweiten Mannschaft und somit näher dran an dem Geschehen im Profibereich. Beim zweiten Mal 2009 war es ähnlich. Ich war erst Co-Trainer des Bundesligateams und dann Interimstrainer. Jetzt bin ich eher von außen wieder dazugestoßen. Ich hatte zwar einige Spiele gesehen, doch es ist ein Unterschied, ob man die Mannschaft aus dieser Perspektive verfolgt oder zum inneren Zirkel gehört. Deshalb ist meine aktuelle Situation mit den beiden anderen nicht zu vergleichen.

Wie nehmen Sie die Schalker Mannschaft jetzt wahr, die von einigen Medien wahlweise als „Sauhaufen“ oder „Trümmerhaufen“ bezeichnet wurde?

Diejenigen, die unser Team so bezeichnen, wissen selbst, dass sie damit den Spielern nicht gerecht werden. Es gibt vielmehr ein paar Jungs, die mich sogar sehr positiv überrascht haben.

Trotzdem steht Schalke sehr schlecht da. Worin sehen Sie die Gründe?

Es gab über die gesamte Saison eine gewisse Unsicherheit. Vielleicht hat man durch die hart erkämpfte und überraschende Vizemeisterschaft in der vergangenen Spielzeit geglaubt, dass alle sportlich schon das nächste Level erreicht haben. Dann gab es aber personelle Veränderungen im Mannschaftsgefüge. Nach den fünf Niederlagen zu Beginn setzte sich eine Negativspirale in Gang, aus der das Team nicht mehr rauskam.

Wurde die Qualität des Teams überschätzt?

Jeder der Jungs wusste, dass es in der Vorsaison sehr gut gelaufen war. Nun kam zum Beispiel für einige neue Belastungen durch die Champions League hinzu. Da muss man in jeder Partie an sein Limit gehen. Das war eine neue Erfahrung für einige Spieler.

Hat jeder Spieler jetzt den Ernst der Lage begriffen?

Davon gehe ich aus. Jeder kann die Tabelle lesen.

Sie klingen ernst. Noch ist die Situation bei sechs Punkten Vorsprung und dem besseren Torverhältnis zum Relegationsplatz relativ komfortabel.

Wir befinden uns in einer Situation, aus der wir als Klub nur rauskommen, wenn wir alle Kräfte bündeln. Nicht allein Team, Trainerstab, Staff. Auch Mitarbeiter. Vor allem aber die Fans, die uns immer unterstützen und uns nach Abpfiff in Nürnberg auch berechtigterweise kritisiert haben. Dort haben wir gesehen, was passieren kann, wenn wir nicht vom ersten Augenblick an da sind. Das war schon harte Kost, in Nürnberg hatten wir sehr viel Glück. Trotzdem müssen wir geschlossen bleiben, bis zum letzten Spieltag, das ist mein eindringlicher Appell: Wir schaffen es nur zusammen!

Muss man sich Sorgen um Cheftrainer Huub Stevens machen? Er wirkte sehr mitgenommen.

Auf mich gar nicht. Ich sehe nur, dass er für die Aufgabe brennt ohne Ende. Er lässt nicht nach und fordert ein. Ich mache mir um ihn keine Sorgen. Das ist sein Lebenselixier.

Ist das ein Thema in der Kabine? Klopfen Sie Huub mal auf die Schulter und sagen Ihm: Pass auf deine Pumpe auf.

Da macht man höchstens mal einen Spaß. Meine Haare sind auch grauer geworden. Huub, Asa und ich leben diesen Verein, weil er eine hohe Bedeutung für uns hat. Von außen nur zu schimpfen, das ist einfach. Wenn man diesen Verein liebt, dann übernimmt auch Verantwortung. Ich bin ein Gelsenkirchener, der gebürtiger Düsseldorfer ist. Es geht darum, dass wir alle gemeinsam diese bescheidene Situation annehmen und zu einem guten Ende führen.

Wollen Sie Schalke auch noch über die Saison hinaus helfen?

Ja, sehr gern. Viele Jahre habe ich gesehen, was Hermann Gerland und Peter Hermann bei den Bayern bewirkt haben, indem sie Werte vorgelebt, junge Spieler gefördert haben. Schalke 04 braucht wieder eine Identität. Wie wollen wir wahrgenommen werden? Was ist uns wichtig, auf und neben dem Platz? Schalke ist mehr als ein normaler Verein. Ich glaube, dass müssen wir wieder herausarbeiten und betonen. Wenn wir das nicht hinkriegen, sind wir austauschbar.
1 KOMMENTAR
19.04.19 21:03

Büskens redet alles schön

von news

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AUTOR
Frank Leszinski und Norbert Neubaum
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    18. April 2019, 06:47 Uhr
    Aktualisiert:
    18. Mai 2019, 03:33 Uhr