Die Aufholspezialisten: Dank Naldo holt Schalke einen hochverdienten Punkt

Frankfurt Der Plan der Frankfurter Stadionregie schien perfekt aufzugehen. Erst Schalke 04 bezwingen, danach mit einem weihnachtlichen Programm eine hervorragende Bundesliga-Hinrunde abschließen, so sollte der Samstagnachmittag in der Commerzbank-Arena verlaufen. Bis zur fünften Minute der Nachspielzeit lief für die Hessen bei einer 2:1-Führung auch alles perfekt. Dann kam Naldo und sorgte mit seinem Treffer zum 2:2 für kollektive Schalker Ekstase.

  • Ausgleich

    Naldo (l) ließ die Schalker in der Nachspielzeit jubeln. Foto: Hasan Bratic

Erinnerungen an das historische 4:4 in Dortmund vor drei Wochen lebten auf, als Schalke sogar einen 0:4-Rückstand aufgeholt hatte. Während die Frankfurter Spieler kopfschüttelnd und frustriert in die Kabine verschwinden wollten und nur mit größter Mühe vom Vereinspersonal zurückgehalten werden konnten, tanzten und feierten die Schalker Spieler mit ihren Fans in der Kurve.

Auch Trainer Domenico Tedesco durfte beim Schlusspfiff wieder den Innenraum betreten. Der 32-Jährige wurde in der nervenaufreibenden Schlussphase von Schiedsrichter Dr. Robert Kampka des Platzes verwiesen. Der Unparteiische hatte seine Körpersprache moniert. „Ich habe die Arme gehoben. Das darf ich nicht. Ich werde daraus lernen“, sagte ein selbstkritischer Tedesco, der erstmals in seiner Trainerkarriere einen Platzverweis kassierte.

„Das Tor habe ich dann auf einem Monitor in den Stadionkatakomben gesehen“, erzählte der Schalker-Trainer, der nach dem Schlusspfiff seinen Gefühlen freien Lauf lassen durfte. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison hatte Tedesco durch eine kluge Personalentscheidung seiner Elf einen Impuls gegeben.

Denn die Einwechslung von Breel Embolo erwies sich als Glücksgriff. Der bullige Stürmer war nach seiner Einwechslung sofort im Spiel. Dass ihm der wichtige 1:2-Anschlusstreffer (81.) gelang, dürfte dem Schweizer Nationalspieler, der so viel Verletzungspech hatte, zusätzlichen Auftrieb geben.

Breel Embolo schwärmt vom Teamgeist

„Ich denke nicht mehr an die Verletzung. Es gilt, den alten Breel zu vergessen und einen Neuen zu kreieren“, betonte der 22-Jährige. Embolo war begeistert vom Schalker Teamgeist. „Sogar unser dritter Torhüter Michael Langer macht die Reise nach Frankfurt mit. Da stehst Du als Spieler einfach in der Pflicht, keinen Meter nachzulassen“, sagte der Stürmer.

Schalke überwintert nach dem hochverdienten 2:2 in Frankfurt in der Bundesliga-Spitzengruppe. Doch für Christian Heidel ist noch wichtiger, dass eine positive Entwicklung zu sehen ist. „Seit Domenico hier ist, haben wir nur drei Spiele verloren. Was ich immer wollte, war das Gefühl, es wird noch besser. Und das habe ich jetzt. Auch taktisch sind wir viel weiter gekommen. Wie Domenico mit den Spielern über taktische Dinge diskutiert, das ist ein Erlebnis“, lobte der Manager den Coach in den höchsten Tönen.

Zwar lief bei den Blau-Weißen in spielerischer Hinsicht und bei der Chancenauswertung in der ersten Halbzeit längst nicht alles nach Wunsch, doch Schalke ließ sich auch von einem 0:2-Rückstand durch Treffer von Luka Jovic (2.) und Sebastien Haller (66.) nicht aus der Bahn werfen.

„Wir haben Mentalitätstiere in der Mannschaft, die sich gegenseitig pushen. Heute hat es richtig Spaß gemacht, Schalke-Trainer zu sein“, sagte Tedesco, der stolz ist auf seine Spieler, die das zwölfte Pflichtspiel in Folge ungeschlagen überstanden.

Sollte Schalke jetzt auch noch am Dienstag (20.45 Uhr) in der Heimbegegnung gegen den 1. FC Köln die nächste DFB-Pokalhürde überwinden, kann der Traditionsklub hoch zufrieden Weihnachten feiern. „Aber ich hoffe, dass wir dann schon nach 90 Minuten alles klar machen“, sagte „Last-Minute-Experte“-Naldo mit einem Lächeln – er hatte schon in Dortmund für das späte 4:4 gesorgt.
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