Zeitspiel

BVB-Krimi ohne Happy End: Gladbach-Desaster leitet den Abstieg ein

1966 gewinnt Borussia Dortmund als erster deutscher Klub einen europäischen Titel. Es folgt ein schleichender BVB-Absturz – der 1972 im Abstieg gipfelt. Unser Zeitspiel.
Am 15. April 1972 unterlag Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach mit 1:7. © imago / Werek

Der 15. April 1972 war für Borussia Dortmund der signifikante Vorbote einer Götterdämmerung: An diesem 28. Spieltag vor exakt 50 Jahren unterlagen die Schwarzgelben auf dem Bökelberg in Mönchengladbach mit 1:7. Zwar war der BVB bereits Anfang März auf den letzten Platz abgestürzt – doch diese Klatsche machte das ganze Desaster des Europapokalsiegers von 1966 deutlich. Der BVB taumelte einem eigentlich für undenkbar gehaltenen Abstieg entgegen. Über allem schwebte die Frage: Wie konnte es dazu kommen, dass das ehemalige Flaggschiff des deutschen Fußballs in diese Turbulenzen abdriften konnte?

Erfolgstrainer Multhaup verlässt den BVB nach der Saison 65/66

Die BVB-Zeit zwischen 1966 und dem Abstieg im Juni 1972 ist spannend wie ein Krimi: Am 5. Mai 1966 hatte Borussia Dortmund mit dem Sieg im Hampden Park zu Glasgow gegen den FC Liverpool als erster deutscher Klub einen Europapokal gewonnen. Dem legendären Triumph wohnte allerdings bereits die „Saat des Misserfolgs“ inne.

Erfolgstrainer Willi Multhaup verließ den BVB nach der Saison 65/66. © imago / Ferdi Hartung

Die erste negative Überraschung: Erfolgstrainer Willy „Fischken“ Multhaup verließ zum Ende der Saison 1965/66 den Borsigplatz in Richtung Köln. Sein Nachfolger Heinz Murach entpuppte sich als Fehlgriff. Er kam mit den Herren Tilkowski, Paul, Held, Emmerich und Co. nicht klar.

Borussia Dortmund muss Held und Neuberger verkaufen

Zwei Jahre später verließ auch Präsident Willi Steegmann, Arbeitsdirektor bei Hoesch, den Verein. Nachfolger Dr. Walter Kliemt entpuppte ein Vorsitzender ohne Fortune. Das Vereinsschiff trudelte. Hinzu kam: Die altehrwürdige Kampfbahn Rote Erde befand sich in einem jämmerlichen Zustand – eine traurig anmutende Holztribüne im Osten, eine weitere im Süden. Für Klasse-Spieler fehlte das Geld.

Der BVB musste Willi Neuberger (r.) und Siggi Held (hinten) aufgrund finanzieller Probleme verkaufen. © imago / Rust

1969 drohte bereits der Abstieg aus der Bundesliga. Erst im letzten Spiel gegen die Kickers aus Offenbach wurde mit einem 3:0-Sieg der Klassenerhalt geschafft. Wegen finanzieller Nöte mussten Siggi Held und Willi Neuberger, die beiden besten Spieler des Teams, verkauft werden. Zwar hatte die Stadt Dortmund im Oktober 1971 den kühnen Beschluss gefasst, das Westfalenstadion zu bauen – der daraus resultierende Effekt stellte sich jedoch erst Jahre später ein.

Eines der bittersten Kapitel in der BVB-Geschichte

Die Spielzeit 1971/72 gehört zu den bittersten Kapiteln der BVB-Geschichte. Fast alle großen Spieler hatten den Verein verlassen. Lediglich Rasovic, Kurrat und Peehs erinnerten an bessere Zeiten, die aber weit zurücklagen. Ende November 1971 gab es in München die bis dato höchste BVB-Niederlage der Bundesliga. Nach 90 Minuten hieß es aus Dortmunder Sicht 1:11. Allein Gerd Müller hatte viermal zugeschlagen. Im Sommer folgte 36 Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse der bittere Abstieg in die Regionalliga West.

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