BVB-Premiere in Leipzig: Boykott und verbotene Dortmund-Trikots

Dortmund gegen Leipzig: Das ist für die BVB-Fans mehr als ein normales Spiel. Viele Anhänger boykottieren auch die schwarzgelbe Premiere in Sachsen. Andere müssen ihr Trikot abgeben.
Klare Meinung der BVB-Fans in Leipzig. © imago / Jan Huebner

Innerhalb von sechs Tagen treffen Borussia Dortmund und RB Leipzig zweimal aufeinander – erst in der Bundesliga, dann im DFB-Pokalfinale. Bislang standen sich beide Klubs in der Bundesliga allerdings erst neunmal gegenüber: Logisch, denn der vom Getränkehersteller Red Bull ins Leben gerufene Verein aus Leipzig wurde erst 2009 gegründet. Deswegen ging es für die Dortmund-Fans beim ersten Aufeinandertreffen in der Saison 2016/17 um mehr als drei Punkte.

BVB-Fans verfolgen lieber die U23 als das Spiel in Leipzig

„Das Konstrukt des Aufsteigers aus Leipzig steht gegen alles, was wir mit Fußball verbinden“, schrieb das Fan-Bündnis „Südtribüne Dortmund“ in einem Boykottaufruf vor dem Spiel am 10. September 2016 in Leipzig. Mit der Aktion wollten die Borussen gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball protestieren.

Protest der BVB-Ultras beim U23-Spiel gegen Leipzig im April 2014.
Protest der BVB-Ultras beim U23-Spiel gegen Leipzig im April 2014. © imago / Thomas Bielefeld © imago / Thomas Bielefeld

Die Begründung: „Es ist ein Skandal, dass eine rein kommerzielle Marketingaußenstelle eines österreichischen Getränkeherstellers tatsächlich in Deutschlands höchster Spielklasse antreten darf.“ Um ihren Protest zu unterstreichen, besuchten die Anhänger als Alternativ-Veranstaltung das Regionalliga-Spiel der BVB-U23 gegen den Wuppertaler SV. Die Partie der Profis wurde anschließend im Radio verfolgt.

Einige BVB-Anhänger mussten vor dem Stadion ihre Trikots abgeben

Trotzdem war der BVB-Gästeblock beim ersten Bundesliga-Heimspiel der Leipziger in ihrer Vereinsgeschichte schell ausverkauft. Jan-Henrick Gruszecki, damaliger Sprecher des Bündnisses und heute bei den Schwarzgelben angestellt, erklärte das im Vorfeld so: „Der BVB hat viele Fans in Ostdeutschland und hat dort seit Mitte der Neunziger kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten. Unmengen von BVB-Fans warten darauf, ihn dort live zu sehen. Denen ist der Protest da im Vergleich nicht so wichtig und das ist auch in Ordnung so.“

Einige Dortmunder, die ins Stadion gingen, mussten vor dem Eintritt ihre Trikots ausziehen und abgeben. Wegen einer – in der Bundesliga einmaligen – Regelung dürfen Gästefans in Leipzig auch in den an den Gästeblock angrenzenden Bereichen keine Fan-Utensilien tragen. Die Folge: Hunderte oberkörperfreie Borussen im Stadion und nach dem Spiel lange Schlangen an der Trikot-Sammelstelle.

Der BVB verliert durch einen Last-Minute-Treffer gegen Leipzig

Ach ja, Fußball gespielt wurde natürlich auch noch. Auch da wurden die Borussen in gewisser Weise bloßgestellt. Eine Minute vor Schluss traf Leipzigs Naby Keita zum 1:0 für RB. Das Rückspiel gewannen zwar die Schwarzgelben mit 1:0, am Saisonende landeten die Leipziger als Zweiter einen Platz vor dem BVB.

Bekamen die Leipziger nicht zu fassen: Sokratis (l.) und Lukasz Piszczek verloren mit dem BVB in Leipzig mit 0:1.
Bekamen die Leipziger nicht zu fassen: Sokratis (l.) und Lukasz Piszczek verloren mit dem BVB in Leipzig mit 0:1. © dpa © dpa

Insgesamt hat Dortmund aber eine positive Bilanz gegen die Sachsen (fünf Siege, zwei Unentschieden, zwei Niederlagen) vorzuweisen. Was sich aber nie geändert hat: Bei jedem Borussen-Spiel mit Fans gab es bisher eine Protestaktion. Eins steht bei den kommenden beiden Spielen gegen Leipzig aber fest: Egal, wie die einzelnen BVB-Anhänger zum Gegner stehen, ins Stadion wird keiner von ihnen gehen können – ob sie wollen oder nicht.

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