Vor 25 Jahren holt der BVB den Weltpokal Zorc, Herrlich und eine Mogelpackung in Tokio

Stefan Reuter und Stefan Klos jubeln.
Es ist geschafft: Die BVB-Profis Stefan Klos (l.) und Stefan Reuter bejubeln den Gewinn des Weltpokals. © imago / AFLOSPORT
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In gut zwei Wochen wird der BVB stolze 113 Jahre alt. Viele außergewöhnliche Erfolge hat man in der bisherigen Vereinsgeschichte feiern dürfen: Die Doppel-Meisterschaft 1956 und 1957, den Gewinn des ersten Europapokals einer deutschen Mannschaft 1966 sowie das Double 2012.

BVB erlebt 1997 das größte Jahr der Vereinsgeschichte

Aus diesen Ereignissen ragen die großen Triumphe des Jahres 1997 heraus: Zunächst im Mai der Gewinn der Champions League, dann am 2. Dezember 1997 der 2:0-Sieg in Tokio im Finalel um den „Weltpokal für Vereinsmannschaften“ gegen den Südamerikameister Cruzeiro Belo Horizonte aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gereis.

Ein wenig hochgegriffen war die Bezeichnung Weltpokal schon, denn es handelte sich lediglich um ein Spiel zwischen dem Sieger der Champions League und dem Meister Südamerikas. Die afrikanischen, asiatischen, ozeanischen und nordamerikanischen Verbände blieben damals noch außen vor. Mittlerweile hat sich das geändert. Passender wäre vielleicht die Bezeichnung „Intercontinental Cup“ gewesen. Hauptsponsor Toyota war gleichzeitig Ausrichter dieses Spektakels.

BVB in der Bundesliga nur Mittelmaß

Für die Brasilianer hatte der Pokal aus einem speziellen Selbstverständnis heraus eine sehr große Bedeutung. Cruzeiro musste ihn deshalb einfach gewinnen. Das zeigte sich auch daran, dass man speziell für diese Partie drei Superstars zusätzlich verpflichtete. Darunter auch Bebeto, der 1992 beinahe zum BVB gewechselt wäre.

Beim BVB war die Ära von Trainer Ottmar Hitzfeld mittlerweile Vergangenheit. Nevio Scala, der namhafte Coach aus Norditalien, war an seine Stelle getreten. Mit ihm repräsentierte der BVB in der Bundesliga allerdings nur Mittelmaß.

BVB nur anfangs mit Problemen

Also reiste man mit gemischten Gefühlen nach Japan. Als das Match am 2. Dezember 1997 um 11.00 Uhr deutscher Zeit vor gut 45.000 Besuchern in Tokio angepfiffen wurde, versammelten sich in Deutschland zwangsläufig nur wenige Interessenten vor den TV-Geräten. Es war eben ein normaler Arbeitstag. In Dortmund allerdings strömten 10.000 unentwegte BVB-Fans ins Westfalenstadion, wo der BVB die Partie auf einer Großleinwand live übertrug.

Eine Eintrittskarte für das Weltpokalfinale 1997.
Eine Eintrittskarte für das Weltpokalfinale 1997. © Kolbe

Cruzeiro begann furios. Torhüter Stefan Klos bewahrte seine Mannschaft mit mehreren Glanzparaden vor einem frühen Rückstand. Die brasilianische Überlegenheit hielt jedoch nur 15 Minuten an. Borussia kam auf, gestaltete die Partie zunächst ausgeglichen, dann überlegen. Klug von Paolo Sousa gelenkt und angetrieben, setzte jetzt Schwarzgelb die Akzente. Da war es fast folgerichtig, dass Michael Zorc in der 34. Minute nach wunderschöner Vorarbeit von Andreas Möller und Stephane Chapuisat das verdiente 1:0 markierte.

Herrlich entscheidet die Partie für den BVB

Der BVB agierte geschickt aus einer sehr sattelfesten Abwehr heraus. So war es kaum verwunderlich, dass der beste Brasilianer auf dem Feld den Namen Julio Cesar trug. Hinzu kam: Andreas Möller erwischte einen Glanztag und lieferte ein überragendens Spiel ab.

Auch im zweiten Durchgang benötigte der BVB eine kurze Anlaufphase, agierte dann aber überlegen. Die logische Folge: Heiko Herrlich markierte in der 85. Minute das entscheidende 2:0. Die Borussen lagen sich nach dem Schlusspfiff in den Armen. Der Weltpokal wanderte nach Dortmund. Im Borusseum kann man ihn heute noch bewundern.

Julio Cesar trägt den Weltpokal.
Julio Cesar präsentiert bei der BVB-Saisoneröffnung den Weltpokal. © imago / Team 2

Andreas Möller, als Mann des Spiels mit einem Mittelklassewagen des Sponsors Toyota gesegnet, meinte nach diesen 90 erfolgreichen Minuten: „In dieser Form kann uns so gut wie niemand schlagen!“ Heute wissen wir: Mit den Deutschen Meisterschaften 1995 und 1996, dem Sieg in der Champions League und dem gewonnenen Weltpokal avancierte Borussia Dortmund zur erfolgreichsten deutschen Mannschaft der 1990er-Jahre.