Zuschauer bei der EM: Elf Stadien, aber nur eines wird komplett voll

Die Fußball-Europameisterschaft wird ab Freitag in elf verschiedenen Ländern ausgetragen. Zuschauer sind überall erlaubt - doch nicht überall gleich viele.
Die deutschen Vorrundenspiele bei der EM finden in der Allianz-Arena in München statt - vor jeweils etwa 14.000 Zuschauern. © dpa

In elf Städten wird ab Freitag die Fußball-EM gespielt – damit soll ein Zeichen für ein verbundenes Europa gesetzt werden. Die Spielorte trennen teils Hunderte Kilometer, zwischen Glasgow und Baku sind es gut 4300. Die drei deutschen Gruppenspiele – mit den BVB-Profis Mats Hummels und Emre Can – gegen Frankreich, Portugal und Ungarn steigen in München.

Zuschauer sind an allen EM-Standorten zugelassen – allerdings unterschiedlich viele. Budapest ist die einzige Stadt, in der das Stadion komplett gefüllt sein wird. In Baku und St. Petersburg ist die Hälfte der Zuschauerkapazität erlaubt, in Kopenhagen 45 Prozent. Die anderen europäischen Städte bewegen sich bei etwa 25 Prozent. In München ist die Auslastung mit 20 Prozent am niedrigsten. Eine Übersicht über die Spielorte:

Deutschland / München – Kapazität: 74.000 Zuschauer, Auslastung: 20 Prozent (14.000 Zuschauer)

Die deutsche Nationalmannschaft mit den BVB-Profis Mats Hummels und Emre Can freut sich auf drei Heimspiele mit kurzer Anreise. Die DFB-Auswahl, die ihr Quartier in Herzogenaurach bezieht, spielt in der Münchner Arena gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni), Europameister Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni). Nach aktuellem Stand sind circa 14.000 Zuschauer im Stadion des deutschen Rekordmeisters FC Bayern erlaubt. Am 2. Juli steigt in der Arena, die bei den Bayern-Heimspielen rot leuchtet, ein Viertelfinale, eine Rückkehr der Nationalmannschaft ist dabei nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Nationalmannschaft müsste sich als einer der besten Gruppendritten zunächst für das Achtelfinale in Sevilla qualifizieren.

Italien / Rom – Kapazität: 72.000, Auslastung: 25 Prozent (18.000)

Neben Tiber, Vatikan und Kolosseum steigt am Freitag (11. Juni) das EM-Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Italien und der Türkei. Ein Viertel der Plätze im ehrwürdigen Stadio Olimpico wird dann besetzt sein, das sind 18.000 Tifosi in dem weitläufigen Leichtathletik- und Fußball-Stadion. Die drei Vorrundenspiele der Azzurri gegen die Türkei, die Schweiz und Wales finden in Rom statt, dazu kommt ein Viertelfinale. Eröffnet wurde das Olimpico, Heim-Spielstätte der beiden Hauptstadtclubs AS Rom und Lazio, bereits 1932 und seitdem immer wieder umgebaut. Zahlreiche große Fußball-Abende gab es hier seitdem, unter anderem wurde die deutsche Nationalmannschaft 1990 in Rom Weltmeister.

England / London – Kapazität: 90.000, Auslastung: 25 Prozent (22.500)

Alle Mannschaften wollen nach London. Denn dort steigt im Wembley-Stadion am 11. Juli das EM-Finale. Wie viele Zuschauer dann in die prächtige Arena dürfen, ist noch unklar. Während der drei Gruppenspiele und beim Achtelfinale sind ein Viertel der Plätze besetzt – also 22.500 Zuschauer.

Spanien / Sevilla – Kapazität: 57.000, Auslastung: 30 Prozent (17.100)

Es sollte eigentlich Bilbao sein, die baskische Metropole mit dem berühmten Guggenheim-Museum. Als Spielort war das San Mamés vorgesehen, der Fußball-Tempel von Athletic Bilbao im Norden Spaniens. Weil die Region aber keine Garantien über Zuschauer abgeben konnte und wollte, musste sich Bilbao aus dem Kreis der EM-Gastgeberstädte verabschieden. Ohne das Land des dreimaligen Europameisters sollte der Kontinental-Titelkampf aber auch nicht stattfinden. Also wird in Sevilla gespielt.

Die drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale wurden nach Andalusien verlegt. Das Estadio La Cartuja wurde 1999 eröffnet. Keiner der beiden Top-Clubs, Real Betis und der FC, spielt aber in dem Stadion, das einst als Teil der Bewerbung von Sevilla für die Olympischen Spiele 2004 am Fluss Guadalquivir gebaut wurde. Es bietet knapp 57.000 Zuschauern Platz, die Behörden ermöglichen bei den EM-Spielen eine 30-prozentige Auslastung.

Russland / St. Petersburg – Kapazität: 68.230, Auslastung: 50 Prozent (34.117)

St. Petersburg ist die einzige Stadt, in der gleich sechs Vorrundenspiele stattfinden. Die Metropole übernahm kurzfristig die Partien von Dublin. Die großen Highlights dürften zwei Spiele der russischen Nationalmannschaft werden. Das Team von Trainer Stanislaw Tschertschessow bekommt es in der gut 68.000 Plätze fassenden Gazprom-Arena, die zur Hälfte gefüllt wird, nicht nur mit Mitfavorit Belgien, sondern auch mit Nachbarland und EM-Debütant Finnland zu tun.

Schottland / Glasgow – Kapazität: 51.000, Auslastung: 25 Prozent (12.750)

In der schottischen Hafenstadt Glasgow werden drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale ausgetragen. In der Fußball-Historie hat Glasgow einen besonderen Platz, denn hier fand das erste Länderspiel überhaupt statt. Im Jahr 1872 trennten sich Schottland und England 0:0. Gespielt bei der EM wird im traditionsreichen Hampden Park, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts über Jahrzehnte das größte Stadion der Welt war.

Rumänien / Bukarest – Kapazität: 55.000, Auslastung: 25 Prozent (13.750)

In der rumänischen Hauptstadt sind vier Spiele vorgesehen: Drei Vorrunden-Partien und ein Achtelfinale. Die „Arena Nationala“ hätte bei der EM theoretisch Platz für 55.000 Zuschauer bieten können. Zuletzt zugesagt wurde aber coronabedingt nur eine Auslastung von 25 Prozent. Theoretisch möglich seien auch 50 Prozent, sofern dies die Lage gestatte. Das Stadion wurde von einer deutschen Firma gebaut und war 2012 Schauplatz des Europa-League-Endspiels.

Ungarn / Budapest – Kapazität: 68.000, Auslastung: 100 Prozent (68.000)

Drei Vorrundenspiele der deutschen Gruppe F und ein Achtelfinale werden in der Budapester Puskas-Arena über die Bühne gehen. Als einziges Veranstalterland hat Ungarn trotz Corona-Pandemie potenziell volles Haus zugesagt. Ministerpräsident Viktor Orban, der in seinem Land alles entscheidet und ein Fußballnarr ist, will es so. Zu den Matches dürfen nur Fans, die entweder geimpft oder nachweislich genesen sind. Die Puskas-Arena ist ein neuer, 2017 errichteter Fußball-Tempel mit 68.000 Sitzplätzen. Benannt ist sie nach der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas (1927-2006).

Dänemark / Kopenhagen – Kapazität: 38.000, Auslastung: 45 Prozent (15.200)

Die Dänen waren eines der ersten Länder, das der UEFA trotz der Coronavirus-Pandemie den Einlass von 12.000 Zuschauern garantierte – erlaubt sind nun sogar 15.000 Zuschauer. Da die dänischen Fans zu den stimmungsvollsten der Welt gehören, ist für ihr Team selbst ein nur spärlich gefülltes Stadion sicher ein Wettbewerbsvorteil. Nicht nur deshalb hat sich Finnlands Nationaltorwart Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen schon einmal geärgert: Denn gespielt wird in der dänischen Hauptstadt im Parken-Stadion des FC Kopenhagen und nicht in der Arena seines Ex-Clubs und Lokalrivalen Bröndby IF. Spiele einer Fußball-EM oder -WM finden in diesem Jahr aber zum ersten Mal in Dänemark statt.

Niederlande / Amsterdam – Kapazität: 54.000, Auslastung: 25 Prozent (13.500)

13.500 Zuschauer dürfen in die Amsterdam Arena. In dem nach der niederländischen Fußball-Legende Johan Cruyff benannten Stadion bestreitet die Elftal ihre drei Vorrundenspiele. Zudem findet hier ein Achtelfinale statt. Normalerweise absolviert in der 54.000 Zuschauer fassenden Arena der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam seine Heimspiele, der gerade erst seine nächste Meisterschaft unter Dach und Fach brachte.

Aserbaidschan / Baku – Kapazität: 69.000, Auslastung: 50 Prozent 34.500)

Mehr als 3000 Kilometer östlich des deutschen EM-Spielorts München gilt die aserbaidschanische Metropole Baku als wohl exotischste Gastgeberstadt des Turniers. Das 2015 eröffnete Nationalstadion in dem Ort am Kaspischen Meer ist Heimstätte der Nationalmannschaft der Kaukasusrepublik. In der EM-Vorrunde spielen in der Arena die Türkei, die Schweiz und Wales gegeneinander, dazu kommt ein Viertelfinale. Das Stadion wird mit jeweils bis zu 34.500 Fans halbvoll sein.

mit dpa-Material

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