Landgericht Essen

Missbrauchs-Prozess: Zu viele Zweifel – Lkw-Fahrer freigesprochen

Ein Vater aus Dorsten wird mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Vor Gericht kommt jedoch alles ganz anders.
Angeklagter verdeckt sein Gesicht im Prozess
Freisgesprochen: Der Angeklagte neben Verteidiger Dirk Wolterstädt. © Jörn Hartwich

Die Anklage hatte es in sich: Einem Lkw-Fahrer aus Dorsten war vorgeworfen worden, seine Partnerin vergewaltigt und seine kleine Tochter missbraucht zu haben. Doch die Richter hatten Zweifel. Am Donnerstag ist der 25-Jährige am Essener Landgericht freigesprochen worden.

Die ersten Hinweise sollte es bereits Ende 2018 gegeben haben. Damals hat die erst Dreijährige angeblich erzählt, dass der Papa sie angefasst habe. „Das war eklig.“ So hatte die Mutter die angeblichen Worte ihrer Tochter später wiedergegeben.

Als sie ihren Ex-Partner – die beiden waren damals schon getrennt – mit den Vorwürfen konfrontierte, stritt der alles ab. Dabei war er auch im Prozess geblieben.

Mädchen nicht im Zeugenstand

Dort hatte er nach Absprache mit seinem Verteidiger Dirk Wolterstädt bereitwillig alle Fragen der Richter beantwortet – bis in intimste Details. Zu dem Vergewaltigungsvorwurf sagte er: „Alles war einvernehmlich“. Und zu den Missbrauchsvorwürfen: „Die hat es nie gegeben.“

Die anfangs Dreijährige war vor Gericht nicht als Zeugin vernommen worden. Sie hat offenbar überhaupt keine Erinnerung mehr an die Zeit vor dreieinhalb Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte trotzdem eine Verurteilung gefordert: anderthalb Jahre Haft auf Bewährung gefordert – wegen eines Falls des Kindesmissbrauchs. Die Richter sahen dafür jedoch keine ausreichende Grundlage.

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