9-Euro-Ticket

Dortmund will Sylt Touristen abnehmen: „Wir machen das eher gerne“

Sylt - der Name der Insel steht für einsame Strände und Schickeria. Dort befürchtet man einen Ansturm durch das 9-Euro-Ticket. Um den zu verhindern, bringt sich nun Dortmund ins Spiel.
Vom Skywalk auf Phoenix-West zur Bergmann-Brauerei und ein kühles Dortmunder Bier genießen - das können Besucherinnen und Besucher in der Westfalenmetropole erleben. © DORTMUNDtourismus

Salzige Luft, weite Strände, Fischbrötchen und Champagner: Dafür ist Sylt bekannt, dafür ist Sylt beliebt. Weil im Juni das 9-Euro-Ticket kommt, mit dem man im Regionalverkehr durch ganz Deutschland reisen kann, fürchtet die Insel eine Invasion der Touristen. Dafür sei man nicht gerüstet.

„Nun, wer nicht nach Sylt möchte, kann gerne zu uns kommen“, sagt Sigrun Späte, Sprecherin von Dortmund-Tourismus.

„Wir sind Großstadt“, sagt Sigrun Späte, „und wir sind große Menschenmengen, die Spaß haben wollen, gewohnt – wir machen das eher gerne.“ Die Reaktion der Sylter Pressestelle habe sie schon sehr merkwürdig gefunden.

Man sehe die Insel nicht gerüstet? Dortmunds Verkehrsunternehmen DSW21 habe schon „Halbfinale von Weltmeisterschaften durch die Gegend kutschiert – das kriegen wir schon gebacken“.

Niedrige Hotelpreise im Sommer

Das 9-Euro-Ticket sei ein Geschenk, findet sie. „Und es richtet sich ja auch an jüngere Leute und Familien.“ Gerade jetzt in den Ferien könne dank des günstigen Monatstickets jeder für kleines Geld einen tollen Tag in Dortmund verbringen. Traditionell seien die Übernachtungspreise über den Sommer niedrig. Der perfekte Zeitpunkt, Dortmund zu erkunden, sagt Sigrun Späte.

Sigrun Späte lebt seit 20 Jahren in Dortmund und ist Sprecherin von Dortmund-Tourismus. © DORTMUNDtourismus

Wer seine Ruhe haben wolle, könne sie auch in Dortmund genießen. Aber das besondere sei eben das Großstadtfeeling. Statt Kaviarbrötchen und Champagner bei Gosch auf Sylt eben chillen mit veganem Döner und einer Flasche Bier auf der Mauer am Westpark. „Ich mag kein Bier“, sagt Sigrun Späte, „und trotzdem würde ich lieber da sitzen.“

„Wir sind ein hidden place“

Über Dortmund schwebe noch immer das Image der von Industrie geprägten Ruhrgebietsstadt – „der Stadt des alten, weißen Mannes“, wie Sigrun Späte lachend sagt. „Dabei hat sich Dortmund in eine völlig andere Richtung entwickelt.“

Sie schwärmt im Gespräch von Open-Air-Kinos, Musikveranstaltungen und den entspannten Menschen auf Decken in Parks.

Herr Walter heißt das Eventschiff in Dortmunds Hafen. Hier gibt es Liegestühle, Sand, Getränke, Musik und Kulisse. © Herr Walter

„Wir sind für viele ein hidden place, was den Freizeittourismus betrifft.“ Dortmund sei mal ein ganz anderes Ziel für einen Kurzurlaub statt Sylt. Der riesige Veranstaltungskalender, das viele Grün, die Fahrrad- und Wanderwege, Urban Arts und Sandstrand am Hafen – „das erwartet man gar nicht von Dortmund, das passt gar nicht ins Bild.“

Hochkultur und Industrie, das verbinde man mit der Westfalenmetropole. „Aber wir sind viel mehr.“ Dazu habe sich das kulinarische Angebot in den vergangenen Jahren extrem weiterentwickelt. „Ich lebe vegetarisch, ernähre mich gerne vegan – vor sechs Jahren war das hier noch schwierig“, sagt Sigrun Späte. „Jetzt haben wir eine so tolle Küche hier, vom Imbiss bis zum Sternerestaurant.“

Dortmund sei locker, modern, tolerant

Industriekultur sei in Dortmund zum Erlebnis geworden – nicht zuletzt durch „Once upon a time“, das Festival der Jahrmarktkultur auf Zeche Zollern – und habe nicht mehr nur etwas Museales. Der Westfalenpark sei auch ein Renner: „Da gibt es eigentlich keine Zielgruppe, die den nicht gut findet.“

Und sonntagnachmittags am Phoenix-See, „da sieht man Dortmund, ganz egal, was man vom Phoenix-See hält“. Immer wieder höre sie von Besucherinnen und Besuchern: „Ihr seid ja eine richtig bunte Stadt!“ Locker, modern, tolerant.

Der Robinsonspielplatz ist nicht die einzige Attraktion in Dortmunds Westfalenpark. © Schaper

„Trotz aller Probleme können wir toll sein“, sagt die Wahl-Dortmunderin. Und dann gibt es da noch diesen Sportverein, dessen Farben Schwarz und Gelb die Stadt prägen. „Ein Verein, der täglich mehrere Stadionführungen anbieten kann – ich weiß nicht, wo es das in Deutschland sonst gibt.“ Überhaupt sei die authentische Fankultur ein Erlebnis, und nicht zuletzt: das Deutsche Fußballmuseum am Hauptbahnhof. „Wir haben es ganz schön gut“, sagt die Tourismusbeauftragte.

Über Westerland auf Sylt sang die Band Die Ärzte einst: „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich.“ Dortmund ist das Gegenteil. „Hier ist das richtige Leben“, sagt Sigrun Späte. „Und wer am Kanal rausfährt oder auf der Wiese im Westfalenpark liegt, findet auch hier Eskapismus.“ Aber jetzt ginge es darum, das Sommerfeeling zu genießen, draußen zu sein, nach zwei Jahren wieder Menschen zu treffen: „Das wollen wir feiern. Wir haben alle gerne hier.“

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