Tödliche Schüsse

Re-Live: 200 Menschen protestierten gegen Polizeigewalt in der Nordstadt

Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen gab es in der Nordstadt eine Demo gegen Polizeigewalt. Rund 200 Menschen versammelten sich. Wir berichteten aktuell.
Polizisten hielten Demonstrationsteilnehmer, die spontan vom Kult-Phiel-Platz zur Wache Nord gezogen sind, auf der Steinstraße mit einer Polizeikette auf.
Polizisten hielten Demonstrationsteilnehmer, die spontan vom Kult-Phiel-Platz zur Wache Nord gezogen sind, auf der Steinstraße mit einer Polizeikette auf. © Karsten Wickern

Am späten Montagnachmittag wurde Mouhamed D. an der Holsteiner Straße von fünf Kugeln aus der Maschinenpistole eines Polizisten getroffen. Zuvor soll der 16-Jährige den Beamten und andere Polizisten mit einem Messer angegriffen haben. D. starb kurze Zeit später an den Folgen der Treffer im Krankenhaus.

Etwas mehr als 24 Stunden nach dem tödlichen Vorfall haben sich am Dienstagabend laut Polizeischätzungen 150 bis 200 Menschen in der Nordstadt versammelt. Auf dem Kurt-Piehl-Platz an der Ecke Brunnenstraße / Flensburger Straße knapp 200 Meter entfernt vom Ort der Schüsse demonstrieren sie gegen Polizeigewalt.

Unsere Reporter vor Ort beschreiben die Stimmung als „friedlich, aber wütend“. Feste Redner gibt es nicht, stattdessen berichten mehrere Menschen über ein offenes Mikrofon von ihren eigenen Erfahrungen mit der Polizei.

Vor Ort ist auch ein größeres Aufgebot von Polizisten. Die Beamten halten sich jedoch im Hintergrund. Gegen 19.45 Uhr wurde bekannt, dass es im Anschluss noch einen spontanen Demo-Zug zur Polizeiwache-Nord an der Münsterstraße geben soll.

Am Dienstagabend (9.8.) haben sich rund 200 Teilnehmende auf dem Kurt-Phiel-Platz in der Dortmunder Nordstadt versammelt. Anlass war der tödliche Polizeieinsatz auf dem Gelände der St. Antonius Gemeinde, bei dem ein 16-Jähriger von einem Polizisten erschossen worden ist.
Am Dienstagabend (9.8.) haben sich rund 200 Teilnehmende auf dem Kurt-Phiel-Platz in der Dortmunder Nordstadt versammelt. Anlass war der tödliche Polizeieinsatz auf dem Gelände der St. Antonius Gemeinde, bei dem ein 16-Jähriger von einem Polizisten erschossen worden ist. © Karsten Wickern

Zahlreiche Demonstranten machen sich gegen 20.10 Uhr auf den Weg zur Nordwache, um auch dort gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. An der Steinstraße hat die Polizei eine Blockade errichtet, die vereinzelte Demonstrationsteilnehmer versuchen zu durchbrechen. Es gibt Rufe wie „Ihr Mörder!“. Die Stimmung ist aufgeheizt, es bleibt aber friedlich. Die Steinstraße ist gesperrt.

Die Teilnehmer der Demonstration machten sich spontan auf dem Weg zur Polizeiwache Nord an der Münsterstraße. © Wickern

Gegen 21.30 Uhr löst sich die Demo langsam auf. Teilnehmenden, die sich später noch vor Ort aufhielten, drohten Beamten mit einem Platzverweis und kontrollierten teils Personalien. Letztlich entfernten sich die Personen dann.

Es war an diesem Abend spürbar, dass der Tod des 16-Jährigen viele Menschen emotional sehr ergriffen hat. Viele Menschen reagierten wütend. Sie wollen sich wieder zu einer Demo treffen, bis es weitere Aufklärung in dem Fall gibt.

Der Abend in Herten

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