Meinung

Das ist nicht zu Ende gedacht: Tierwohllabel ist einfach zu wenig!

Ein neues Tierwohllabel soll mehr Transparenz bieten, zumindest wenn es nach Cem Özdemir geht. Doch das neue Label verfehlt seinen Zweck, findet unsere Kommentatorin Nora Varga.
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, kommt zu einer Pressekonferenz über die Eckpunkte für eine gesetzliche Tierhaltungskennzeichnung.
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, kommt zu einer Pressekonferenz über die Eckpunkte für eine gesetzliche Tierhaltungskennzeichnung. © picture alliance/dpa

Wieder ein neues Label, aber eine alte Debatte. Das Tierwohllabel von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ist zwar ein netter Versuch, aber bekämpft kein Problem. Niemand, der für unter 5 Euro im Angebot ein Kilogramm Hackfleisch kauft, braucht ein Label, um zu wissen, dass diese Tiere wahrscheinlich kein tolles Leben hatten.

In Befragungen gibt ein großer Teil der Menschen an, dass sie für mehr Tierschutz auch mehr Geld ausgeben würden. Doch dieses Lippenbekenntnis vergisst die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher vor dem Kühlregal. Das Problem ist nicht die fehlende Kennzeichnung, sondern die fehlende Bereitschaft, mehr auszugeben. Hier muss sich etwas an der grundsätzlichen Einstellung zum Fleischkonsum ändern.

Die Bauern werden allein gelassen

Aber auch die Bauern profitieren von dem Label nicht. Um höhere Haltungsstufen zu erreichen, müssten die Bauern investieren. Bei derart miserablen Fleischpreisen und einer steigenden Inflation ist das Risiko vielen Landwirten zu groß – verständlich.

Es braucht also Hilfen für Bauern, die umsteigen wollen. Aber bevor dieses Angebot geschaffen wird, muss sich etwas an der Nachfrage ändern. Und die entsteht nun mal in den Köpfen der Verbraucher, da hilft auch ein Label nicht. Da muss jeder selbst den Schweinehund überwinden.

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