Amtsantritt im Rathaus

Anwalt, Oberstleutnant, Politik-Profi: Dr. Oliver Lind ist neuer Hertener Kämmerer

Er ist Anwalt und Soldat, segelt privat auch mal hart am Wind und hat Lokalpolitik von der Pike auf gelernt: Dr. Oliver Lind verantwortet seit 1. Mai als Stadtkämmerer die Hertener Finanzen.
Dr. Oliver Lind, Kämmerer der Stadt Herten © Privat

250 Millionen Euro Schulden lasten auf der Stadt Herten – und die Folgen der Corona-Krise sind kaum absehbar. Da kann einem schon mal der Atem stocken. Wenn Dr. Oliver Lind kurz durchatmen und seine Gedanken sammeln muss, dann schaut er auf die Fotos, die bereits die Wände in seinem neuen Büro im Rathaus zieren. Sie sind bei Segeltörns entstanden. „Ich segele gerne mal am Wochenende auf dem Ijsselmeer, aber auch in Schottland, Schweden oder auf dem Englischen Kanal“, berichtet der 48-jährige Castrop-Rauxeler.

Eine steife Brise spürt der neuen Kämmerer auch in Herten. Nicht etwa atmosphärisch, im Gegenteil: „Ich bin sehr gut aufgenommen worden und schätze die offene Gesprächskultur, die Bürgermeister Matthias Müller hier pflegt. Es ist viel wert, wenn man frei reden kann.“

Herausforderungen von Feuerwehr bis Kanalnetz

Die steife Brise ist eher thematischer Natur. Entscheidungen mit großer Tragweite stehen an, etwa der Standort für das neue Scherlebecker Feuerwehrhaus oder die mögliche Übertragung des Kanalnetzes an einen neuen Betreiber. Herausfordernd sei es aber auch, das Ordnungsamt und den Kommunalen Ordnungsdienst so aufzustellen, dass die Corona-Maßnahmen zu bewältigen sind. Als Kämmerer ist Oliver Lind nämlich nicht nur für die Finanzen zuständig. In seinen Geschäftsbereich als Beigeordneter fallen zum Beispiel auch das Ordnungswesen und die Feuerwehr. Am Donnerstag (6.5.) hat er auf der Wache seinen Antrittsbesuch.

Das Geld bildet dennoch den Schwerpunkt der Arbeit. „Mit Kämmerer Steck hat Herten bei der Schuldentilgung schon viel erreicht“, stellt Lind fest. „Ich werde nun wohl derjenige sein, der diesen guten Weg so nicht fortsetzen kann“, spielt er auf die millionenschweren Belastungen durch die Corona-Krise an.

Schulschließung weckt Interesse für Politik

Nachdem Kämmerer Matthias Steck zum Jahreswechsel in den Ruhestand gegangen war, stand Hermann Pieper kommissarisch an der Spitze der Finanzverwaltung. Seit 1. Mai ist Pieper nun Beigeordneter für Bildung und Soziales. Da blieb nicht viel Zeit für die Übergabe der Geschäfte an Dr. Oliver Lind.

Der Hertener Rat hatte Lind im März mehrheitlich für die Dauer von acht Jahren in das Amt des Kämmerers gewählt.

In Castrop-Rauxel geboren und aufgewachsen, besuchte Oliver Lind dort die Realschule. Deren Schließung habe damals sein politisches Interesse geweckt, blickt Lind zurück. 1994 zog er für die CDU in den Stadtrat ein, wurde mit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses und ist dies bis heute. In dieser Zeit begleitete er politisch die Umstellung der Stadt Castrop-Rauxel auf das Neue Kommunale Finanzmanagement.

Bei der Bürgermeisterwahl in Castrop-Rauxel unterlegen

Nach seiner Bundeswehrzeit in Dülmen studierte Oliver Lind in Bochum Jura, arbeitete danach als Fachanwalt für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt Bauen, zuletzt war er Vorstandsmitglied der Fakt Immobilien AG in Essen. „Aber es war immer mein Wunsch, eine Aufgabe mit lokalpolitischem Bezug zu übernehmen“, betont Lind. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 unterlag er in Castrop-Rauxel gegen Amtsinhaber Rajko Kravanja (SPD), doch aus der Wahl zum Kämmerer in Herten ging er als Sieger hervor.

Herten soll künftig nicht nur sein Arbeits-, sondern auch sein Lebensmittelpunkt sein. Eine Wohnung am Paschenberg werde zunächst der Zweitwohnsitz sein, später das neue Zuhause. „Meine neue Aufgabe ist so gewaltig, dass ich mich ganz auf Herten konzentrieren will“, sagt der 48-Jährige, der ledig ist, aber in einer Beziehung lebt.

Dr. Oliver Lind, Kämmerer der Stadt Herten
Als Oberstleutnant der Reserve wirkt Dr. Oliver Lind seit November 2020 bei der Koordination der zivil-militärischen Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Recklinghausen und der Bundeswehr mit. Die Bundeswehr unterstützt den Kreis bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. © Privat © Privat

An der Bewältigung einer anderen gewaltigen Aufgabe wirkt er ebenfalls mit. Seit November 2020 unterstützt die Bundeswehr den Kreis Recklinghausen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Soldaten sind bei der Kontaktnachverfolgung eingebunden, im Impfzentrum und in mobilen Abstrich-Teams. Als Oberstleutnant der Reserve wirkt Dr. Oliver Lind bei der Koordination dieser sogenannten zivil-militärischen Zusammenarbeit mit.

Apropos Zusammenarbeit: „Gerne suche ich bald den Kontakt zu den Ratsfraktionen und anderen Akteuren in Herten“, sagt Lind. „Aber erst muss ich mich einarbeiten und sprachfähig werden. Das dauert noch ein paar Tage.“

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