Corona-Maßnahme

Ausdehnung des Cafés am Hertener Rathaus hat den Segen der Verwaltung

In lauen Sommernächten beginnt die Gastronomie am Otto-Wels-Platz regelrecht zu wuchern. Stühle und Tische stehen bisweilen übers gesamte Areal verteilt. Darf das sein?
Die Bestuhlung des Rathauscafés soll nach dem Willen der Stadt bewusst weit auseinandergezogen und über den Otto-Wels-Platz verteilt werden, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Das Foto entstand am Freitag, 9. Juli. © Frank Bergmannshoff

Das Lokal am Kaufland ist ein beliebter Treffpunkt für Menschen, die teilweise aus dem ganzen Ruhrgebiet anreisen, um hier gemeinsam Wasserpfeife zu rauchen, zu trinken, zu essen. Kaum dass die Temperaturen steigen und die Corona-Ansteckungszahlen wieder Bewirtungsbetrieb zulassen, sind die Tische und Stühle im Außenbereich insbesondere am Wochenende voll belegt.

Bürger stoßen sich an der großflächigen Ausbreitung des Lokals

Der Andrang ist groß. Die Menschen sind froh, endlich wieder beisammen sitzen zu können. Anscheinend dehnt sich die Außengastronomie auf dem Otto-Wels-Platz immer weiter aus. So sehr, dass manche Bürger sich fragen, ob das eigentlich den Vorschriften entspricht und ob vor allem auch die Rettungswege freigehalten werden.

Die Hertener Allgemeine hat bei dem zuständigen städtischen Beigeordneten Dr. Oliver Lind nachgefragt. Er hat in Sachen Ordnungswesen im Rathaus das letzte Wort und erklärt: Dass sich das Café auf dem Otto-Wels-Platz räumlich ausbreitet, ist in der derzeitigen Pandemie-Situation ausdrücklich erwünscht und erlaubt. Die Regelung wurde von der Stadtverwaltung vor dem Hintergrund der Corona-Situation getroffen. Größere Abstände zwischen den Tischen sollen helfen, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

Platzangebot darf nicht beliebig vergrößert werden

Dass die Tische zum Schutz der Gäste weiter auseinander stehen sollen, heiße freilich nicht, dass beliebig viele zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden dürften, um das Platzangebot zu vergrößern. Gleichfalls dürften Fuß- und Fahrradwege nicht zugestellt werden und auch keine Rettungswege.

Sondernutzungsgebühr für Außenflächen wird in Herten nicht erhoben

Wirklich klare Regeln bezüglich der Bestuhlung im Außenbereich gibt es in Herten nicht. Würde eine Sondernutzungsgebühr für Flächen im öffentlichen Raum erhoben, wäre genau definiert, wie viel ein Unternehmen für eine bestimmte genutzte Quadratmeterzahl zu zahlen hätte. Doch eine solche Gebühr wird in Herten nicht erhoben. Sie wurde vor einigen Jahren kurzzeitig eingeführt und dann wieder außer Kraft gesetzt, um die ohnehin gebeutelte Kaufmannschaft nicht durch zusätzliche Kosten zu belasten.

Rathaus-Vorplatz wird erneut als Parkplatz missbraucht

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) überprüfe die Einhaltung der Vorschriften und habe auch ein Auge auf Falschparker, erklärt Ordnungsamtsleiter Marc Bouten. Denn leider hat sich eine alte Unsitte wieder eingeschlichen: Besucher des Lokals stellen ihre Autos auf den Rathausvorplatz ab, obwohl dort Parkverbot herrscht.

Nächtliche Prügelei und Motorenlärm

Dass viele Bürger mit Argusaugen auf das Geschehen an besagtem Lokal blicken, hat Gründe: Immer wieder kommt es zu nächtlichen Belästigungen der Innenstadt-Bewohner durch lärmende Motoren teils hochmotorisierter Fahrzeuge. Auch am vergangenen Freitagabend rollte zum Beispiel ein dunkelgrauer Pick-up mit Kennzeichen aus Unna mit einem donnernden Motorengeräusch durch die Fußgängerzone.

Auch lautstarke Dispute bringen einige Anwohner um den Schlaf. Zuletzt hat es dort Mitte Juni nachts um 2 Uhr eine Massenschlägerei gegeben, bei der manche der Beteiligten mit Knüppeln aufeinander losgingen und Polizeibeamte massiv bedrängten. Zudem gab es bereits mehrere Razzien mit großem Polizeiaufgebot, bei denen unter anderem unverzollter Tabak sichergestellt wurde.

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt