Corona-Pandemie

Beim Impfen ist die Stadt Herten abhängig von Kreis und Land

Um den hohen Inzidenzwert und die Zahl der Infektionen zu senken, startet die Stadt die Kampagne „Gemeinsam stark gegen Corona“. Eine Impfaktion hingegen kann sie nicht selbst einleiten.
In der Innenstadt gilt eine Maskenpflicht. © Daniel Maiß

Was das Impfen betrifft, ist die Stadt Herten von der Kreisverwaltung in Recklinghausen und der Landesregierung in Düsseldorf abhängig. Chef der Kreisverwaltung ist Landrat Bodo Klimpel.

Das Parteibuch unterscheidet ihn nicht von Thomas Hendele. Beide gehören der CDU an. Unterschiedlich gut scheint aber der Draht zu sein, den die beiden zur CDU-geführten Landesregierung haben. Landrat Hendele hat erreicht, dass in „seinem“ Kreis Mettmann die Stadt Ratingen am kommenden Wochenende eine Brennpunkt-Impfaktion durchführen kann. Hendele ist aber auch Präsident des Landkreistages NRW. Das hat Gewicht.

Der Recklinghäuser Landrat Klimpel hingegen hat dieselbe Impf-Anfrage an das Land gerichtet, jedoch keine Antwort erhalten. Somit gibt es eine solche Aktion in Herten nicht.

„Wir erfahren keine Impfquote für Herten“

Bei der Pandemie-Bekämpfung sei Herten in vielerlei Hinsicht abhängig von übergeordneten Behörden, erklärt Bürgermeister Matthias Müller. Das fange bei der Statistik an. Die wird vom Kreisgesundheitsamt erstellt. „Wir erfahren zum Beispiel keine Impfquote für Herten“, sagt Müller.

Apropos. Das komplette Thema Impfen sei Sache des Kreises. Und der wiederum sei bei Sonderaktionen, für die zusätzlicher Impfstoff beschafft oder die Priorisierung außer Kraft gesetzt werden muss, auf die Erlaubnis des Landes angewiesen. „Wir als Stadt können in Herten auch nicht ohne Weiteres eigene Allgemeinverfügungen erlassen, die von der Kreisverordnung abweichen“, erklärt der zuständige Beigeordnete Dr. Oliver Lind. Dies sei laut Landesgesundheitsministerium nur bei „besonderen kritischen infektiologischen Umständen“ oder bei Geltung der Bundes-Notbremse statthaft. Beides sei aktuell nicht der Fall.

Bald Maskenpflicht auf der Bahnhofstraße

Dürfte Herten eine eigene Corona-Verordnung erlassen, so Müller, würde man womöglich angesichts der hohen Inzidenz mit einigen Lockerungen und Öffnungen noch etwas warten. „Wir sind aber in jeder Hinsicht an die Inzidenz des Kreises und die damit verbundenen Öffnungsschritte gebunden“, ergänzt Lind.

Die Stadt Herten, so Lind, hat allerdings darauf hingewirkt, dass der Kreis Recklinghausen in seine neue, ab 5. Juni gültige Coronaschutzverordnung eine Maskenpflicht auf der Bahnhofstraße in Westerholt aufnimmt.

Aktuell muss in Herten nur in Fußgängerzonen und auf den Marktplätzen in Mitte und Westerholt Maske getragen werden. Jedoch registriert die Stadt bei Anwohnern der dicht besiedelten Bahnhofstraße und in der näheren Umgebung eine tendenziell erhöhte Anzahl von Infektionen. Hinzu kommt dort die hohe Anzahl von möglichen Begegnungen zwischen Menschen durch die zahlreichen ansässigen Geschäfte.

Zum Start der Kampagne „Gemeinsam stark gegen Corona“ besucht Bürgermeister Matthias Müller am heutigen Freitag, 4. Juni, zunächst morgens Geschäfte in der Innenstadt und stellt sich danach – ab 11 Uhr – am Antoniusdenkmal öffentlich den Anregungen und auch der Kritik der Bürgerinnen und Bürger.

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