Blackout-Prävention Zahl der Notfallinfopunkte in Herten wird nicht erhöht

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Mit diesen roten Schildern sind die fünf Hertener Notfallinfopunkte markiert, hier an der Feuerwache in Herten-Mitte.
Mit diesen roten Schildern sind die fünf Hertener Notfallinfopunkte markiert, hier an der Feuerwache in Herten-Mitte. © Frank Bergmannshoff
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Eins vorweg: Das Risiko eines dauerhaften und anhaltenden Stromausfalls über mehrere Tage („Blackout“) ist in Herten gering. Gleichwohl bereiten sich Verwaltungen, Retter und Ordnungskräfte darauf vor. Zum Bevölkerungsschutz gehören auch die Notfallinfopunkte (NIP). Die werden im Falle eines längeren Stromausfalls oder bei Totalausfall der Telefonnetze durch Mitarbeiter des DRK Herten (Deutsches Rotes Kreuz) sowie durch haupt- und ehrenamtliche Kräfte der Feuerwehr besetzt. Sie nehmen die Notfallmeldungen entgegen und übermitteln sie per Funk an die Kreisleitstelle, damit die benötigten Einsatzkräfte schnellstmöglich zum Ort des Geschehens gelangen können.

Kreisweit gibt es 83 NIPs, auf Hertener Stadtgebiet fünf. Das sind:
1. Feuerwehrgerätehaus Westerholt, Kuhstraße 47a

2. Feuerwehrgerätehaus Scherlebeck, Richterstraße 23

3. DRK Herten, Gartenstraße 56

4. Feuerwache Herten, An der Feuerwache 7

5. RZR Herten, Im Emscherbruch 11

Diese Standorte wurden in enger Zusammenarbeit mit der Katastrophenschutzbehörde des Kreises Recklinghausen sowie der Feuerwehr ausgewählt und als ausreichend bewertet. Grundvoraussetzungen waren, dass sie jederzeit nutzbar sind, dass die Möglichkeit einer Notstromversorgung besteht, dass es vor Ort Rettungsmaterialien gibt und „ein in der Bevölkerung bereits vorhandener Bekanntheitsgrad der Örtlichkeiten“. Auch wurde auf eine Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem ÖPNV und auch mit dem Auto bzw. Fahrrad geachtet.

TOP-Partei und Linke hätten gerne mehr NIPs

Diese Zahl reicht aber weder der TOP- noch der Linkspartei. Erstere brachte zwei zusätzliche Standorte, nämlich an der Langenbochumer Kranzplatte und dem Dorfanger in Bertlich, ins Spiel. Martina Ruhardt (Die Linke) hatte im September angeregt, mobile NIPs einzurichten.

Beiden Ansinnen erteilte die Stadtverwaltung nun im Ausschuss für Sicherheit, Feuerschutz und Ordnungswesen eine Absage. „Wir können mehr nicht leisten, so wünschenswert es wäre“, sagte Ordnungsdezernent Dr. Oliver Lind.

Der Chef der Hertener Feuerwehr, Stefan Lammering, ergänzte: „Wir haben als Feuerwehr nicht die zusätzlichen Ressourcen, um weitere Notfallinfopunkte einzurichten.“ Im Falle eines Blackouts wäre die Feuerwehr in zahlreiche Einsätze eingebunden – Lammering nannte als Beispiel Menschen, die aus steckengebliebenen Fahrstühlen befreit werden müssten –, sodass keine Kapazitäten vorhanden wären, um weitere NIPs rund um die Uhr zu besetzen. „Es ist besser, mit einem System zu arbeiten, das funktioniert, als noch mehr Notfallinfopunkte aufzubauen, die nicht funktionieren. Das System, so wie wir es aufgestellt haben, ist das größte, das wir leisten können.“

Die AGR im Hertener Süden: in der Mitte das Abfallkraftwerk, bestehend aus RZR I (blau) und RZR II (grün), unten links die Energiezentrale zur Auskopplung von Strom und Fernwärme, oben rechts im Bild die Verwaltung.
Auch am Abfallkraftwerk RZR in Herten-Süd befindet sich ein Notfallinfopunkt (NIP). © AGR

Flyer kommt mit dem ZBH-Kalender

Den Antrag der TOP-Partei, die City-App zeitnah so zu programmieren, dass dort die NIPs aufgelistet sind, lehnte die Stadtverwaltung ebenfalls ab, und zwar aus Kostengründen. Laut Dr. Lind könne die Stadt das nicht selbst, sondern müsste den Auftrag an einen externen Dienstleister geben, was zwischen 10.000 und 30.000 Euro kosten würde. Man habe mithilfe einer Pressemitteilung über die hiesigen Medienhäuser zu den NIPs informiert, darüber hinaus gebe es auf der Internetseite der Kreisverwaltung eine Liste aller NIPs samt interaktiver Karte. Dies reiche zur Information der Bevölkerung aus, heißt es aus dem Rathaus.

In einem weiteren Punkt folgte die Verwaltung aber einer Idee der TOP-Partei: Der Flyer über die Hertener NIPs soll mit dem Wertstoffkalender des Zentralen Betriebshofs (ZBH) an alle Haushalte verteilt werden. Dem Beschlussvorschlag der Verwaltung wurde bei einer Gegenstimme (Linke) und zwei Enthaltungen (TOP-Partei) mehrheitlich gefolgt.