Kinder und Erzieherinnen müssen zu Hause bleiben

Corona-Ausbruch in Kita: Viel Kritik an 14-tägiger Quarantäne-Pflicht

Der Corona-Ausbruch in der Kita Abenteuerland am Paschenberg hat weitreichende Folgen für Erzieherinnen und Kinder. Sie sind 14 Tage in Quarantäne und können sich nicht vorzeitig freitesten.
Die AWO-Kita Abenteuerland an der Paschenbergstraße ist seit gut einer Woche komplett geschlossen. © Daniel Maiß

Die AWO-Kita Abenteuerland an der Paschenbergstraße ist seit mehr als einer Woche wegen eines Corona-Ausbruchs geschlossen. Sophia Schalthoff bestätigte den Umstand am Freitag (3.9.) gegenüber unserer Zeitung. „Alle Mitarbeiterinnen sowie die 41 Kinder befinden sich nach Anordnung des Gesundheitsamtes in häuslicher Quarantäne“, sagte die Pressesprecherin der Arbeiterwohlfahrt, Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, mit Sitz in Herten.

Schwieriger Spagat zwischen Beruf und Betreuung

Die betroffenen Eltern machen sich nun große Sorgen um das Wohl ihrer Schützlinge. Und nebenbei müssen sie – nach quälend langen Monaten im Corona-Lockdown – erneut den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Betreuung hinbekommen. Denn beendet werden könne die Quarantäne frühestens am 9. September, erklärt Sophia Schalthoff – auch wenn die Eltern bereits aufgefordert wurden, ihre Schützlinge einem Coronatest zu unterziehen.

Ein Freitesten ist nicht vorgesehen

Ein negatives Ergebnis bedeute aber für die Kita-Kinder oder auch Schülerinnen und Schüler nicht die vorzeitige Befreiung aus der 14-tägigen Quarantäne, stellt Lena Heimers von der Pressestelle des Kreises Recklinghausen klar. „Ein sogenanntes ‚Freitesten’ ist vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Robert-Koch-Institut aus Gründen des Infektionsschutzes für noch nicht geimpfte Kinder und Jugendliche nicht vorgesehen.“

Dass ein Freitesten nach fünf Tagen, wie etwa für ungeimpfte Urlaubs-Rückkehrer aus Hochrisikogebieten, in NRW bei der jüngsten und meist noch ungeschützten Bevölkerungsgruppe nicht möglich ist, sorgt für viel Kritik von Lehrer- und Elternverbänden sowie der Opposition im Landtag. Aber auch die Gesundheitsämter ächzen unter dem hohen Arbeitsaufwand, der für die Kontaktnachverfolgung an den Kitas und Schulen nötig ist.

Inzidenz bei den 10- bis 19-Jährigen im Kreis RE bei 226,2

Die Infektionszahlen sprechen auch im Kreis RE eine deutliche Sprache (Stand: 3.9.): Die Anzahl der Neuinfektionen in der Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren in den vergangenen sieben Tagen lag bei 127. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner bedeutet das eine Inzidenz von 226,2. Bei den unter Zehnjährigen haben sich binnen einer Woche immerhin noch 98 angesteckt (Inzidenz: 173,9).

Zum Vergleich: Bei der Gruppe der – zum Großteil schon durchgeimpften – 60 bis 69-Jährigen gab es im selben Zeitraum nur 14 Neuinfektionen, die Inzidenz liegt bei gerade mal 15,9. Der kreisweite Gesamtwert aller Altersgruppen liegt aktuell mit 93,7 ebenfalls deutlich niedriger.

Bei Quarantäne ist keine Hilfe von außen möglich

Schon eine Corona-Infektion in der Schulklasse bedeutet für die Sitznachbarn des Betroffenen, dass sie zwingend ebenfalls 14 Tage zu Hause verbringen müssen. Das stürzt deren Erziehungsberechtigte oftmals ins Dilemma.

Familien, bei denen beide Eltern berufstätig sind, oder alleinerziehende Arbeitstätige können sich in dem Fall keine Hilfe von Außen nehmen. Bei einer Nachfrage beim Gesundheitsamt wurde eine Mutter aus Herten, die anonym bleiben möchte, mit der Aussage konfrontiert: „Wenn eine Person nicht an meiner Adresse gemeldet ist, darf sie während der Quarantänezeit des Kindes auch nicht bei mir sein, geschweige denn übernachten.“

Alleinerziehende hat Angst um den Arbeitsplatz

Da sie Nachtschichten machen muss, wollte sie den Opa ihres Sohnes, der von seiner Schule wegen der Infektion eines Sitznachbarn nach Hause geschickt worden war, über Nacht für die Betreuung einspannen. Stattdessen muss sie ihrem Arbeitgeber erklären, dass sie sich nach dem Lockdown nun erneut rund um die Uhr ums Kind kümmern muss und nicht arbeiten kommen kann. „Ich habe Angst, dass das letztlich in einer Kündigung mündet.“

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