100er-Marke überschritten

Corona-Inzidenz in Herten steigt drastisch – was sind die Ursachen?

Über Pfingsten hat sich die Corona-Entwicklung in Herten besorgniserregend zugespitzt. Von Samstag bis Montag meldete der Kreis RE für Herten insgesamt 30 Neuinfektionen. Wie kann das sein?
In der Fußgängerzone Herten-Mitte gilt Maskenpflicht.
In der Fußgängerzone Herten-Mitte gilt Maskenpflicht. © Frank Bergmannshoff

30 Neuinfektionen über Pfingsten, insgesamt 68 Neuinfektionen an den vergangenen sieben Tagen: Daraus resultierend schnellt die Corona-Inzidenz in Herten von 84,1 am Freitag auf 110,0 am Montag nach oben. Herten hat damit einen der höchsten Inzidenzwerte in ganz Nordrhein-Westfalen und als einzige Stadt im Kreis RE wieder deutlich die Hunderter-Marke überschritten.

Den zweithöchsten, aber erheblich niedrigeren Wert im Kreis hat Castrop-Rauxel mit 73,6. Die niedrigste Inzidenz im Kreis weist Waltrop mit 3,4 auf. Dort gab es in den vergangenen sieben Tagen insgesamt nur eine einzige Neuinfektion. Der Durchschnitt im Kreis Recklinghausen beträgt 58,0 – das ist etwa die Hälfte des Hertener Wertes.

Ursache dürfte die Sozialstruktur Hertens sein

Waltrop mit 3,4 am östlichen Rand des Kreisgebietes, Herten mit 110 am westlichen Rand – wie kommt es zu dieser Kluft? Konkrete Analysen bis in einzelne Stadtteile oder Bevölkerungsgruppen hinein gibt es nicht, zumindest nicht öffentlich verfügbar. Die Entwicklung lässt sich somit im Grunde nur auf die im Vergleich zu anderen Städten des Kreises ungünstige Sozialstruktur Hertens zurückführen.

So sind Teile der Bevölkerung mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie immer noch unzureichend informiert. Andere leben auf beengtem Wohnraum, was das Infektionsrisiko erhöht. Wiederum andere nehmen die Risiken nicht ernst und lehnen die Maßnahmen – zum Teil auch aus ethnisch-kulturellen Gründen – ganz bewusst ab.

Anwohner berichten von Feiern auf dem Paschenberg

So meldeten sich am Pfingstwochenende Bürger bei unserer Redaktion und berichteten von größeren Familienfesten auf dem Paschenberg. Menschen aus mehreren Haushalten kämen zusammen und würden bis nachts feiern, ohne Masken zu tragen.

Die konkreten Corona-Zahlen: Am Pfingstmontag wurden für den gesamten Kreis RE insgesamt 16 Neuinfektionen gemeldet. Davon entfielen 11 auf Herten. In den vergangenen sieben Tagen wurden für Herten 68 Neuinfektionen registriert. Hochgerechnet auf 100.000 Einwohner resultiert daraus die Inzidenz von 110. Aktuell sind in Herten 209 Menschen aktiv mit dem Virus infiziert.

Die Inzidenzen der Nachbarstädte:

• Marl 58,3

• Recklinghausen 70,9

• Gelsenkirchen 93,2

• Herne 67,1.

Werden in Herten jetzt Lockerungen gestrichen?

Hat der Hertener Inzidenz-Wert 110,0 Auswirkungen auf die aktuellen Lockerungen? Nein, erst einmal nicht. Für die Öffnung der Gastronomie und der Geschäfte, für den Betrieb des Freibades und auch für Rückkehr der Schulen zum Präsenzbetrieb sind stets die Durchschnittswerte des Kreises Recklinghausen ausschlaggebend. Der Kreis-Wert liegt bei 58. Herten profitiert also massiv davon, dass sich in anderen Städten des Kreises die Corona-Zahlen erheblich positiver entwickeln.

Der Abend in Herten

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