Emschergenossenschaft

Das letzte Kanalstück ist verlegt, jetzt ist Mutter Natur am Zug

Vor vier Jahren haben die Kanalbauarbeiten der Emschergenossenschaft (EG) in Herten begonnen. Vor vier Wochen wurde das letzte Rohrstück unter die Erde gebracht. Jetzt wird noch renaturiert.
Die Spundwände sind weg, der Resser Bach mäandert durch ein breites und tiefes Bett. Im Bereich der Waldstraße ist gut zu erkennen, wo die Böschung bereits begrünt wurde. Das ist das einzige Teilstück, an dem die Emschergenossenschaft Mutter Natur ein bisschen unter die Arme gegriffen hat. © Danijela Budschun

Vor gut einem Jahr meldete die EG, dass der Backumer Bach auf dem Stück von der Kaiserstraße bis zur Mündung in den Resser Bach nur noch sauberes Wasser führt. „Mittlerweile sind wir so weit, dass wir 80 Prozent des Gebietes abwasserfrei haben – bis zum Pumpwerk am Danziger Ring“, erklärt Projektleiter Jens Lukas. Die Restarbeiten im letzten Bauabschnitt zwischen der Zeche Ewald und der Münsterstraße – die ist schon auf Gelsenkirchener Gebiet – werden voraussichtlich bis zum Ende des Jahres fertig sein.

Am Ende, wenn alles fertig ist, erinnern nur Schachtdeckel wie diese daran, dass es unter anderem hier einmal eine große Kanalbaustelle gegeben hat.
Am Ende, wenn alles fertig ist, erinnern nur Schachtdeckel wie diese daran, dass es unter anderem hier einmal eine große Kanalbaustelle gegeben hat. © Danijela Budschun © Danijela Budschun

Und dann wird auch auf diesen letzten 500 Metern nur noch sauberes Wasser durch den Resser Bach zum Holzbach fließen, der dann irgendwann in die Emscher mündet. Damit wäre der Kanal-Teil des Emscher-Umbaus auf Hertener Stadtgebiet abgeschlossen und insgesamt 5,5 Kilometer neuer Kanäle unter der Erde verlegt. Die Renaturierungsarbeiten, also das, was die EG-Leute im Fachjargon „ökologische Verbesserung“ nennen, werden in Herten-Süd wohl Mitte 2022 abgeschlossen sein.

Wo einst Spundwände waren, mäandert heute der Bach

In den anderen Bauabschnitten laufen sie längst: Der Backumer Bach und der Resser Bach haben ein neues Bett, mehr Platz – dort, wo es geht, dürfen mäandern. Am Zusammenfluss der Bäche ist ein großes Rückhaltebecken entstanden, dessen Ränder sich die Natur schon zurückerobert. Dabei wird ihr weitestgehend freie Hand gelassen.

Wo Backumer Bach und Resser Bach zusammenfließen, hat die Emschergenossenschaft ein großes Rückhaltebecken angelegt. Projektleiter Jens Lukas zeigt auf einer Aufnahme, wie das Gelände vorher aussah.
Wo Backumer Bach und Resser Bach zusammenfließen, hat die Emschergenossenschaft ein großes Rückhaltebecken angelegt. Projektleiter Jens Lukas zeigt auf einer Aufnahme, wie das Gelände vorher aussah. © Danijela Budschun © Danijela Budschun

Nur an einem Teilstück wurde nachgeholfen: zwischen der Waldstraße und dem Stuckenbuscher Weg. Denn hier haben die EG-Arbeiter zuvor massiv eingegriffen: „Wir haben hier 100.000 Kubikmeter Boden rausgeholt“, berichtet Jens Lukas. Auf einer Länge von 1,5 Kilometern wurde das Bachbett vertieft und verbreitert, die Spundwände aus Beton wurden herausgenommen, Bäume gefällt und Büsche gerodet. Um die meterhohen Böschungen zu stabilisieren, hat es eine sogenannte „Anspritzbegrünung“ gegeben: Mit einem Schlauch wurde das Saatgut aufgebracht – nicht irgendein Saatgut, sondern eine „Regiosaatmischung“. „Wir dürfen da nicht einfach etwas Beliebiges nehmen“, sagt Jens Lukas. Im Ergebnis sieht man eine grüne Böschung, an der auch Mohnblumen blühen. „Wir werden hier auch noch eine Waldrandbepflanzung machen, um den Übergang zwischen Gewässer und Wald zu harmonisieren“, kündigt der Fachmann an. Von der Uhlandstraße bis zur Waldstraße wird später der EG-Betriebsweg für die Bevölkerung geöffnet, an der Waldstraße ist dann der Übergang auf die Zechenbahntrasse oder in den Katzenbusch möglich.

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Renaturierung des Resser und Backumer Bachs

Bachprofil muss neu ausgekoffert werden

Im Bereich der Uhlandstraße sind Folgen des Unwetters vom 14. Juli zu sehen. „Aus dem Resser Bach kam richtig viel Wasser“, erinnert sich Jens Lukas. An der Brücke, die über die Uhlandstraße führt, zeigt sich, dass dieses Wasser bereits erfolgte Renaturierungsarbeiten förmlich weggespült hat: Aus Teilen der Böschungen ist Erde abgebrochen und weggeschwemmt worden.

Das Unwetter am 14. Juli hat im Bereich der Uhlandstraße Erde von den Böschungen weggespült. Projektleiter Jens Lukas zeigt auf einer Aufnahme, wie es einen Tag vor dem Unwetter hier noch aussah. Wenn die Böschungen erst bepflanzt sind, sind sie stabiler.
Das Unwetter am 14. Juli hat im Bereich der Uhlandstraße Erde von den Böschungen weggespült. Projektleiter Jens Lukas zeigt auf einer Aufnahme, wie es einen Tag vor dem Unwetter hier noch aussah. Wenn die Böschungen erst bepflanzt sind, sind sie stabiler. © Danijela Budschun © Danijela Budschun

In der Folge müssen die Bachprofile auf diesen Teilstücken ein zweites Mal angelegt werden. Etwa 70 Zentimeter Erde müssen die Arbeiter auskoffern, dabei kommt ein Spezialbagger zum Einsatz. Gut eine Woche Extra-Aufwand bedeutet das für die EG, nichts, was die Arbeiten ernsthaft zurückwirft. Am Backumer Bach sei ohnehin fast nichts passiert, berichtet Jens Lukas. Und im Vergleich zu den Verwüstungen, die das Unwetter in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz angerichtet hat, „ist das Jammern auf ganz hohem Niveau“, findet der Projektleiter. Wenn die Böschungen erst einmal begrünt seien, dann seien sie auch stabiler.

Das Unwetter am 14. Juli hat jede Menge Erde und Schlamm angespült. Das muss nun wieder ausgekoffert werden.
Das Unwetter am 14. Juli hat jede Menge Erde und Schlamm angespült. Das muss nun wieder ausgekoffert werden. © Danijela Budschun © Danijela Budschun
Da kommt ganz sicher ganz bald noch mehr: Erste zaghafte Ansiedlungen auf der Böschung des Resser Bachs.
Da kommt ganz sicher ganz bald noch mehr: Erste zaghafte Ansiedlungen auf der Böschung des Resser Bachs. © Danijela Budschun © Danijela Budschun

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