Kommentar zur Woche

Das „Wie“ macht den Unterschied

Die unrühmliche Diskussion über einen zweiten Betriebsleiter für den ZBH und der Austritt dreier Ratsmitglieder aus der TOP-Partei haben etwas gemeinsam. Es geht um den Stil, um das „Wie“.
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter © HA

Vor acht Jahren nahm eine Geschichte ihren Anfang, die aktuell für unrühmliche Diskussionen sorgt. Auf Initiative von Bürgermeister Dr. Uli Paetzel beschloss damals der Rat, einen gewissen Thorsten Westerheide, Grundstücksvermarkter bei den Stadtwerken, zum dritten Leiter des Zentralen Betriebshofes (ZBH) zu machen. 2015 kam es dann so. Westerheide hatte die Mission, Strukturen zu überprüfen und den finanziell angeschlagenen ZBH fit für die Zukunft zu machen.

Nebenamtlich die ZBH-Spitze „aufmischen“

Das Konstrukt war spannend: Westerheide sollte „nebenamtlich“ die bestehende Doppelspitze des Betriebshofes ein bisschen aufmischen und nach deren absehbarer Verrentung die alleinige Führung übernehmen. Ziel war es also, Personalkosten zu senken. Damit die Stadt in der Übergangsphase nicht draufzahlt, erhielt Westerheide weiter Gehalt von den Stadtwerken.

So weit, so gut. Längst leitet Thorsten Westerheide den wirtschaftlich wieder passabel aufgestellten ZBH eigenständig und erhält sein Salär aus der Stadtkasse. Der Plan von 2013 ist also aufgegangen – könnte man meinen. Doch plötzlich will die Stadtverwaltung wieder einen zweiten Betriebsleiter installieren. Dafür ausgeguckt ist der Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft, Gregor Born. Er soll beide Aufgaben in Personalunion erledigen. Eine gute Wahl, kein Zweifel. Aber: Das Thema ist heikel, provoziert Fragen aus der Politik: Ist Westerheide überfordert? Ist Born nicht ausgelastet?

Mitarbeiter öffentlich vorgeführt

Fragen, die die Stadtspitze nicht – wie es angemessen gewesen wäre – im Ältestenrat oder in einer anderen vertraulichen Runde geklärt hat. Stattdessen kamen sie in öffentlicher Sitzung auf den Tisch. Mehr noch: Die Politiker erhielten die Unterlagen zum Thema nicht vorab zum Lesen und zur Vorbereitung innerhalb der Fraktion, sondern erst bei Sitzungsbeginn. Und das bei einer gravierenden Personalentscheidung mit achtjähriger Vorgeschichte, die den wenigsten Ratsmitgliedern bekannt ist.

Hier sind nicht nur Fehler bei Verwaltungsabläufen gemacht worden, sondern es wurden ohne Not betroffene Mitarbeiter öffentlich vorgeführt und beschädigt. Das gehört sich nicht.

Weniger auf eigenen Standpunkten beharren

Ein anderes Thema, bei dem es aber ebenfalls um das „Wie“ geht: Die Ratsmitglieder Sebastian Krisch, Nicole Barciaga und Sibylle Weber verlassen die TOP-Partei. Nach dem fulminanten Wahlerfolg vor einem Jahr gehen drei Akteure, die die Partei mit aufgebaut haben. Der Grund: Man stehe zwar weiterhin für die Ziele, aber nicht für den Weg, wie die Partei diese erreichen will. Krisch merkt an, dass man als elfköpfige Fraktion Themen nunmal nicht alleine durchsetzen könne.

Im Klartext: Das Trio, das sich jetzt abspaltet, hätte sich offenkundig gewünscht, dass die TOP-Fraktion weniger auf eigenen Standpunkten beharrt, sondern mehr den Kontakt zu anderen Parteien sucht, um Schnittmengen und Kompromisse auszuloten. Ein Weg, den die neue Fraktion nun gehen will. Man darf gespannt sein, wie sich die Kräfteverhältnisse im Rat verändern.

Schönes Wochenende!

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