Portrait

Die Feuerwehrleute immer heil nach Hause gebracht

Der stellvertretende Hertener Feuerwehr-Chef Hans-Georg Lauer blickt auf denkwürdige Einsätze seiner mehr als 35-jährigen Tätigkeit zurück. Er geht Ende Juni in Pension.
Der stellvertretende Chef der Berufsfeuerwehr Herten, Hans-Georg Lauer, geht nach mehr als 35 Dienstjahren Ende Juni in Pension.
Der stellvertretende Chef der Berufsfeuerwehr Herten, Hans-Georg Lauer, geht nach mehr als 35 Dienstjahren Ende Juni in Pension. © Anna Lisa Oehlmann

Wenn es im Einsatz um Menschenleben geht, steigt der Blutdruck bei Hans-Georg Lauer. Doch der Kopf bleibt klar und weiß genau, was zu tun ist. Der 59-Jährige hat in seiner mehr als 35-jährigen Laufbahn bei der Feuerwehr Herten als Einsatzleiter und zeitweise auch als ehrenamtlicher Stadtbrandmeister einiges erlebt. Am Donnerstag, 24. Juni, arbeitet er zum letzten Mal auf der Wache, ab 1. Juli ist der Langenbochumer offiziell in Pension.

Eltern und drei Kinder bei Vollbrand in Herten-Süd vermisst

Dem stellvertretenden Leiter der Berufsfeuerwehr und damit auch der gesamten Hertener Feuerwehr sind einige Einsätze besonders in Erinnerung geblieben. So zum Beispiel als vor einigen Jahren um den Jahreswechsel herum ein Wohnhaus in Herten-Süd nachts im Vollbrand stand. Rauch und Flammen waren bereits aus Türen und Fenstern im Erd- und Obergeschoss zu sehen.

Lange Zeit hieß es, im Haus würden sich noch zwei Erwachsene und drei Kinder aufhalten. Für die Einsatzkräfte war sofort klar: Befinden sich Menschen in dem Haus, wird das für diese womöglich nicht gut enden. Erst spät stellte sich heraus, dass die Familie zu einer Feier gefahren und nicht zu Hause war. „Da ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Hans-Georg Lauer.

Viel Glück gehabt bei Gas-Explosion in Herten-Süd

Sozusagen mit einem blauen Auge davon gekommen sind die Hertener Feuerwehrleute, als sie nach Herten-Süd zu einem Einsatz auf einer Baustelle mit einer brennenden Gasflasche in einem Wohnhaus gerufen wurden. „Es war wie in einem schlechten Film“, erinnert sich Hans-Georg Lauer. Als der Angriffstrupp ins Gebäude vorrückte, platzte der Schlauch und er musste kurz zurück, um Ersatz zu besorgen. Als die Feuerwehrleute die Tür öffneten, hinter der die Gasflasche brannte, ging diese mit einem Knall hoch. „Zum Glück ist nicht wirklich was passiert“, ist Lauer auch heute noch erleichtert. Wären die Kollegen direkt vorgerückt, hätten sie wohl in dem Raum gestanden, als die Flasche hochging. „Einsätze sind immer risikobehaftet. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Leute immer heil nach Hause bringen. Egal, ob von der Berufsfeuerwehr oder der Freiwilligen Feuerwehr“, sagt Hans-Georg Lauer.

Von der Jugendfeuerwehr zum stellvertretenden Feuerwehr-Chef

Hans-Georg Lauer trat im Alter von 14 Jahren in die Jugendfeuerwehr Scherlebeck ein. Freunde hatten ihn „mitgeschleppt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Es gefiel mir, aber ich hatte nie den Gedanken: Das machst du zu deinem Beruf“, sagt Lauer. Mit 18 Jahren ging es im Löschzug Scherlebeck für ihn weiter.

Gelernt hat der Langenbochumer Energieanlagenelektriker in der Industrie und er hat einige Zeit in einem Kraftwerk gearbeitet: „Das war nicht die Erfüllung.“

Nach seinem Zivildienst im Rettungswagen auf der Feuer- und Rettungswache in Herten hat sich Hans-Georg Lauer überreden lassen, sich dort zu bewerben. 1986 trat er dort seinen Dienst an. „Rückblickend konnte mir nichts Besseres passieren. Die Arbeit ist abwechslungsreich und das Arbeitsklima stimmt“, sagt er. Seitdem bildete sich Hans-Georg Lauer stetig fort und kletterte die Karriereleiter herauf. Im Jahr 2000 wurde er Abteilungsleiter für vorbeugenden Brandschutz und 2016 zudem stellvertretender Leiter der Hertener Berufsfeuerwehr.

Großbrand bei Hagebau in Herten-Süd

All das hat ihm auch geholfen, als er beim Hagebau-Großbrand am 1. März 2020 die Koordination übernahm. Es war von der Ausprägung her einer der größten Brände in Herten in den vergangenen Jahrzehnten. Die Zusammenarbeit zwischen Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk hat reibungslos funktioniert.

Nicht nur beim Neubau der Hagebau-Hallen, auch bei anderen Großprojekten war Lauer als Leiter des vorbeugenden Brandschutzes involviert. „Ich bekomme bereits vor Baubeginn Einblicke in die Entwicklung meiner Heimatstadt“, sagt er. „Unsere Arbeit beginnt ja viel eher, als gebaut wird“. Die Mitwirkung an der Erstellung des Brandschutzkonzeptes beim Brennstoffzellen-Hersteller Cummins/Hydrogenics in Herten-Süd sowie für das Herten-Forum hat ihn besonders begeistert.

„Ich habe meinen Job bis zum letzten Tag gern gemacht“, sagt Hans-Georg Lauer. Ihm werden die Gespräche und Diskussionen sowie das Zwischenmenschliche fehlen, sagt er.

Die Abteilungsleitung des vorbeugenden Brandschutzes übernimmt sein Kollege Roland Schulz. Wer die stellvertretende Leitung der Feuerwehr übernimmt, ist noch nicht klar. Das Ausschreibungsverfahren laufe noch, berichtet Feuerwehr-Chef Stefan Lammering.

Reisen und Zeit mit der Familie verbringen

Im Ruhestand möchte Hans-Georg Lauer mehr Zeit mit seiner Ehefrau und seinem 21-jährigen Sohn sowie seiner 19-jährigen Tochter verbringen, die beide noch zu Hause wohnen. Zudem möchte er Reisen unternehmen. Und auch ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund sowie Gartenarbeit stehen schon auf dem Programm. Der Feuerwehr Herten wird Hans-Georg Lauer auch im Ruhestand treu bleiben. „Ich bin und bleibe Mitglied im Löschzug Scherlebeck. Vielleicht erst noch bei den Aktiven und dann in der Ehrenabteilung.“

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