Kunstprojekt

Die „Raumpiraten“ statten dem Hertener Schlosspark einen Besuch ab

Wer am Sonntag einen Spaziergang durch den Schlosspark gemacht hat, dem sind sicherlich zwei rote Gebilde auf dem Weg zwischen Schloss und Orangerie aufgefallen. Dahinter steckt ein Projekt.
Die Skulptur Raumpiraten der Künstlerin Dorothee Bielfeld lag kurzzeitig zwischen Schloss und Orangerie. © Wolfgang Seidel

Wie überdimensionierte, kauernde Körper lagen die beiden roten, kantigen Gebilde für kurze Zeit auf der Fläche im Schlosspark. Dahinter steckt das Kunstprojekt „Raumpiraten“ der Bochumer Künstlerin Dorothee Bielfeld.

Die Künstlerin selbst bezeichnet dieses mobile, zweiteiliges Kunstprojekt als Kommunikations-Skulptur, die Anlass und Raum für Aufenthalt und Austausch bietet. Entstanden ist es im Rahmen eines Landesstipendiums.

Auf der knallroten Skulptur kann man sitzen, balancieren und klettern. Die beiden Raumpiraten können sich in den verschiedensten Anordnungen zueinander und zum Raum positionieren. Sie können so ganz unter­schiedliche Räume einnehmen und bespielen.

Die Raumpiraten haben am Sonntag nur kurz den Schlosspark geentert, quasi zwecks einer Art Raumanalyse. Denn Dorothee Bielfeld geht es mit ihrer Arbeit darum, die Beziehung der Raumpiraten zu unterschiedlichen städtischen Räumen zu untersuchen.

Und nach der Ruhr-Universität in Bochum haben die Raumpiraten am vergangenen Sonntag in Abstimmung mit der Stadt Herten den Schlosspark bereist. Damit hat die Künstlerin auch ihre Beziehung zu Herten aufgefrischt, denn mit ihrer zweiteiligen Skulptur „Bodenflügel“ auf dem Otto-Wels-Platz hat sie im Jahr 2005 ihren Beitrag zur Kunst im öffentlichen Raum in Herten geleistet.

Wenn es die derzeit von Corona geprägten Bedingungen wieder erlauben, will die Künstlerin die Raumpiraten für mehrere Tage der Öffentlichkeit anvertrauen – vielleicht ja dann bei einem zweiten Besuch – wieder in Herten.

„Bodenflügel“ heißt das voluminöse Kunstwerk vor dem Rathaus, das die Künstlerin Dorothee Bielefeld im Rahmen Umgestaltung des Otto-Wels-Platzes geschaffen hat. Es wird freilich nicht von jedem als Kunstobjekt erkannt wird. So wurden die geschwungenen Plateaus in der Vergangenheit immer mal wieder zweckentfremdet. Der Bodenflügel stand noch nicht lange, da hatten junge Leute ihn als Rampe zum Skaten entdeckt – 2006 war das. Flugs untersagte die Stadt das Befahren mit Skateboard oder Inlinern, was die vertriebenen Jugendlichen mit einer Demo und Unterschriftensammlung quittierten. Der Trägerverbund Jugendhilfe forderte gar die Entfernung des Bodenflügels, wenn er von jungen Leuten nicht für Spiel und Sport genutzt werden dürfe. Man sah in dem Verbot „ein deutliches Zeichen für Kinderfeindlichkeit“. Und das ausgerechnet in einer Stadt wie Herten, die sich einst Kinderfreundlichkeit explizit auf die Fahnen geschrieben hatte. Zuletzt wurde der Bodenflügel sogar von einer Hochzeitsgesellschaft als Parkplatz zweckentfremdet.

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