Orangerie im Schlosspark Herten

Die Zeit „oben ohne“ ist bald vorbei

Die lang ersehnte Holzlieferung ist endlich da: Die Dachsanierung an der Orangerie geht im September weiter. Förderverein hat viele Pläne mit dem historischen Kleinod aus dem Jahre 1725.
Das Holz für das Dach der Orangerie im Hertener Schlosspark ist bereits eingetroffen. Nun kann die Sanierung weitergehen. © Anna Lisa Oehlmann

Was lange währt…. Im September soll die lang angekündigte Dachsanierung an der Orangerie im Schlosspark weitergehen. Acht Wochen veranschlagt Architekt Frank Günther für die neue Holzverschalung und eine sogenannte Zink-Stehwalz-Deckung. Damit wäre die Zeit „oben ohne“ für das historische Gebäude aus dem Jahr 1725 endlich vorbei und die Orangerie könnte schon in diesem Winter für Veranstaltungen genutzt werden. Im Gespräch ist unter anderem die Wiederbelebung des Lichterwaldes.

„Wir sind leider mitten in die allgemeine Holzverknappung reingeraten. Aber inzwischen ist das Material geliefert und es kann losgehen“, freut sich Frank Günther, der sich als Fachmann für historische Bauten ehrenamtlich im Förderverein der Orangerie engagiert. Um eine Bauunterbrechung zu vermeiden und die Baustelle mit Blick auf Langfinger und Vandalen schnell durchzuziehen, habe man darauf verzichtet, schon mit den Vorarbeiten zu beginnen. Auch die Untere Denkmalbehörde und die Stadt hätten inzwischen grünes Licht gegeben.

Plastiküberdachung hat sich verabschiedet

Schon im Dezember 2019 hatte die Firma Weidner Holzbalken auf die vorhandene Stahlkonstruktion geschraubt und eine provisorische Kunststoffplane gespannt. Im illuminierten Lichterwald im Schlosspark war die Orangerie danach ein Hingucker. Ursprünglich sollte das Dach dann im letzten Frühjahr vollendet werden. Aber zunächst bremste das Corona-Virus die Pläne aus, dann stiegen die Materialkosten – und so ging viel Zeit ins Land. Nach Stürmen und Starkregen hat sich schon vor einiger Zeit die Plastiküberdachung verabschiedet.

Das provisorische Plastikdach hat die Unwetter der vergangenen Monate nicht überlebt. Das neue Dach wird auf die Stahlkonstruktion gesetzt.
Das provisorische Plastikdach hat die Unwetter der vergangenen Monate nicht überlebt. Das neue Dach wird auf die Stahlkonstruktion gesetzt. © Anna Lisa Oehlmann © Anna Lisa Oehlmann

Die Finanzierung des neuen Daches ist inzwischen gesichert: Mit 150.000 Euro fördert die NRW-Stiftung die Maßnahme. „70.000 Euro hatten wir selbst an Spenden gesammelt, unser Geld und die Fördersumme gehen jetzt komplett für die Dacherneuerung drauf“, sagt Gunda Fiedler. Die erste Vorsitzende des Fördervereins hat das Ergebnis schon vor Augen – und schwärmt „von gigantisch vielen Möglichkeiten im multifunktional nutzbaren Gebäude“.

Theateraufführungen der Ruhrfestspiele geplant

Das seitlich offene Gebäude könne in der Pandemie wunderbar coronakonform genutzt werden. „Ich werde den Raum zum Beispiel Chören für ihre Proben anbieten.“ Im nächsten Jahr könnte die Orangerie einer der Außenstandorte der Ruhrfestspiele werden. Eine bereits geplante Aufführung fiel der Pandemie zum Opfer. Auch Konzerte, Ausstellungen, Lesungen oder Musicals wären denkbar. Geplant sei zeitnah auch ein neuer barrierefreier Zugang vom Resser Weg aus „und im hinteren Bereich kann ein Toilettenwagen angedockt werden“, berichtet Gunda Fiedler.

Im Jahr 2012 fand die letzte Veranstaltung in der Orangerie statt. Die beliebten Orangerie-Konzerte mit Musikern der Neuen Philharmonie Westfalen, dem Recklinghäuser Vorleser Michael van Ahlen und vielen anderen Künstlern wurden danach ins Glashaus verlegt. Da war dann im Februar 2020 Schluss, als das Virus die Kulturbranche schachmatt setzte. Gunda Fiedler hofft auf eine Wiederbelebung der Reihe in 2022. „Wir haben viele ältere Besucher, denen das Risiko jetzt in der Coronazeit zu hoch ist.“

Front und Seitenwände fehlen noch

Der Vorstand des Fördervereins trifft sich nach den Sommerferien, um die weitere Planung zu diskutieren. Bei normaler Bestuhlung haben rund 200 Zuschauer in der Orangerie Platz. „In der Corona-Zeit dürften wir nur 50 Gäste empfangen, die unsere Kosten leider nicht decken.“ Schließlich sind die Veranstaltungen auch ein wichtiger Baustein, um Spendengelder zu akquirieren und neue Förderer für das ambitionierte Orangerie-Projekt zu finden. Denn wenn das Dach fertig ist, geht es weiter: Front und Seitenwände fehlen noch.

So sah die Orangerie noch im Jahre 1966 aus. Erst ab 1977 begann der Verfall, bis das Gebäude aus dem Jahre 1725 komplett einstürzte.
So sah die Orangerie noch im Jahre 1966 aus. Erst ab 1977 begann der Verfall, bis das Gebäude aus dem Jahre 1725 komplett einstürzte. © Anna Lisa Oehlmann © Anna Lisa Oehlmann

Gunda Fiedler, beruflich als Betriebswirtin eine Frau der Zahlen, in ihrer Freizeit sehr kulturinteressiert, wurde von ihrer Mutter inspiriert, sich für die Orangerie zu engagieren. Gemeinsam mit ihren Vereinsmitgliedern hat es sich die Hertenerin zur Aufgabe gemacht, die Ruine zu rekonstruieren und zu pflegen. „Das Ensemble im Schlosspark bietet einen sensationellen Geschichtsabriss. Besucher wandern von der barocken Zeit im Jahre 1725 mit dem Schloss und der Orangerie bis zur Neuzeit mit ihrer Zechenkultur und der Halde dahinter. Wo gibt es so eine tolle Kombination?“

Info:
– Die heute nur noch als Ruine erhaltene Orangerie wurde 1725 im Stil der italienischen Spätrenaissance erstellt und war Bestandteil der großen barocken Gartenanlage. Hier überwinterten Zitronenbäumchen und andere exotische Gewächse sowie ab 1815 eine bedeutende Kamelien-Sammlung. In der Orangerie mit ihrer stattlichen Breite fanden aber auch rauschende Bälle und große Festessen statt.

– Ende der 1960er-Jahre war das Gebäude noch annähernd vollständig. Seit 1974 sind Schloss und Park im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), der einige Statuen vom Dach der Orangerie sicherte. Im Jahr 1977 begann der sichtbare Verfall des Gebäudes, das schließlich einstürzte.

– Mit dem Ziel, die Orangerie wieder aufzubauen, gründeten Kulturfreunde im Jahr 2006 den Förderverein Orangerie Herten.

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