Nabu-Zählaktion

Diesmal müssen die Hertenerinnen und Hertener genau hingucken

Regelmäßig ruft der Naturschutzbund zum Zählen von Vögeln auf. Jetzt stehen noch viel kleinere Lebewesen im Fokus: Insekten. Ab sofort kann gezählt werden - und eine Lupe dabei helfen.
Hier zählt der Käfer, nicht seine Punkte: Ein Asiatischer Marienkäfer krabbelt auf den Stängeln eines Wald-Engelwurzes. Naturschützer haben eine Insekten-Zählaktion gestartet. © dpa

Die Stunde der Gartenvögel ist gerade vorbei, da ruft der Naturschutzbund (Nabu) zur nächsten Zählaktion auf: dem „Insektensommer“. Gezählt wird in zwei Zeiträumen vom 4. bis 13. Juni und vom 6. bis 15. August und das in diesem Jahr schon zum vierten Mal. Auch die Hertenerinnen und Hertener sind dazu aufgerufen, das „Summen und Brummen“ in ihrer Umgebung zu beobachten und im Anschluss zu melden.

Schlosspark, Feldrand, Wald – oder der eigene Garten

Wer einen Garten oder Vorgarten hat, kann dort schauen, aber es gibt auch abseits der eigenen vier Wände zahlreiche Orte in Herten, an denen sich Insekten gut beobachten lassen. „Der Schlosspark bietet sich an“, sagt Mirjam Gördes vom Nabu-Vorstand. „Dort zirkelt man sich ein Gebiet im Radius von zehn Metern ab und sucht eine Stunde.“ Auch an blühenden Feldrändern könne man beispielsweise ein Stück von rund zwanzig Metern ablaufen. Oder man geht in den Wald. Die kleinen Krabbler finden sich überall, sogar in gepflasterten Bereichen lassen sich Insekten beobachten. „Aber da wird es wohl auf ein paar Ameisen hinauslaufen“, sagt die Naturschützerin lachend.

Welchen Ort man sich auch aussucht: Wichtig sei, „dass man den Lebensraum der Insekten nicht verändert“, betont Mirjam Gördes. Man müsse also nicht jeden Holzscheit hochheben und jeden Stein umdrehen – man solle zählen, was man einfach so sehen kann.

„Sie sind so klein und so wichtig“

Dem Nabu zufolge gibt es mehr als eine Million verschiedene Insektenarten und sie summen und brummen, kreuchen und fleuchen auf der ganzen Welt. Sie sind nicht nur grenzenlos vielfältig, sondern auch sehr wichtig für die Umwelt. Insekten sind für das Gleichgewicht aller Ökosysteme unentbehrlich. Mirjam Gördes bringt ihre Unentbehrlichkeit so auf den Punkt: „Sie könnten keinen Apfel im Supermarkt kaufen, wenn es Insekten nicht gäbe. Unser Planet wäre schon vor Jahrmillionen in Fäkalien ertrunken, wenn es Insekten nicht gäbe. Sie sind so klein und so wichtig.“

Daten helfen dabei, einen Überblick zu bekommen

Doch in den vergangenen Jahren gehen ihre Bestände dramatisch zurück: „Man weiß, dass es bei den Insekten ein Artensterben gibt“, sagt die Hertenerin. Die Daten, die mithilfe solcher Zählaktionen gesammelt werden, helfen den Naturschützern dabei, einen Überblick zu bekommen, welche Bestände bedroht sind und welche sich erholen. Auch mit Blick auf die Erfahrungen, die mit den Aktionen „Stunde der Gartenvögel“ oder „Stunde der Wintervögel“ gesammelt wurden, sagt Mirjam Gördes: „Je länger diese Aktionen dauern und je mehr dabei mitmachen, desto wertvoller sind die Daten.“

Lebensraum für Insekten erhalten – im Kleinen wie im Großen

Und was kann jeder Einzelne tun, um Lebensraum für Insekten zu schaffen?

Im Kleinen sei es das naturnahe Gärtnern, sagt Mirjam Gördes. „So einfach ist es eigentlich. Im Garten nicht zu sehr aufräumen, der sollte nicht besenrein sein. Da darf es auch kleine ‚Schmuddelecken‘ geben. Einfach den Lebensraum, den Insekten brauchen, erhalten.“ Im Großen bräuchte es Lösungen mit Blick auf die Landwirtschaft. Langfristiges Ziel müsse sein, dass alle Landwirte auf „bio“ umstellen, sagt Gördes. „Doch das wird man nicht in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren erreichen. Und das kann auch nicht auf den Schultern der Bauern allein liegen“, so die Hertenerin. Dazu müsste auch die Politik beitragen, in dem sie die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stellt, dass die Landwirte die Umstellung bewältigen können.

Wie kann man melden?

Ausschließlich online (www.nabu.de) oder mit der kostenlosen Nabu-App „Insektenwelt“.

Wann und wie zählt man am besten?

Der optimale Tag, um viele Insekten zu sehen, ist dem Nabu zufolge ein sonniger, warmer, trockener und windstiller Tag. Beobachter sollen alle Insekten notieren, die sie innerhalb einer Stunde an ihrem Beobachtungsplatz entdecken können.

Bei „Fliegern“ wie Schmetterlingen oder Hummeln soll von jeder Art die größte gleichzeitig anwesende Zahl von Tieren gezählt werden und nicht die Summe der Einzelbeobachtungen im Laufe der Stunde. Wenn am Anfang der Beobachtungszeit ein Kohlweißling vorbeifliegt und eine halbe Stunde später noch einmal einer, könnte es beide Male derselbe sein. Gemeldet wird in diesem Fall also nur ein Kohlweißling.

Welche Insekten werden gezählt?

Grundsätzlich soll und kann jedes gesehene und erkannte Insekt gemeldet werden. Die Insektenwelt ist allerdings enorm vielfältig. Es gibt daher pro Meldezeitraum acht „Kernarten“, nach denen die Teilnehmer möglichst auf jeden Fall schauen sollten. Diese Arten kommen (noch) häufig vor und sind vergleichsweise leicht zu erkennen. Im Juni sind es Tagpfauenauge, Admiral, Asiatischer Marienkäfer, Hainschwebfliege, Steinhummel, Lederwanze, Blutzikade und Gemeine Florfliege, im August sind es Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugrüne Mosaiklibelle und Grünes Heupferd.

Noch ein Tipp vom Nabu: Ruhig eine Lupe zur Hand nehmen und auf Erkundungstour gehen, so sind die kleinen Krabbeltiere einfacher zu entdecken.

Der Insektensommer ist eine Gemeinschaftsaktion von NABU und LBV und ihres gemeinsamen Partners naturgucker.de.

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