„Drogenhöhle gebaut“: Dealender Reichbürger muss ins Gefängnis

Ein Hertener (33) errichtet in seiner Wohnung eine Cannabisplantage, hortet verschiedenste Drogen, martialische Schlagwaffen und verstörendes Reichsbürgermaterial. Nun wurde er verurteilt.
Nach einem folgenschweren Brandanschlag in einem Recklinghäuser Altenheim ist ein Ex-Bewohner (52) zu drei Jahren Haft verurteilt worden. © Foto: dpa

Ein Drogendealer aus Herten ist am Donnerstag am Bochumer Landgericht zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der 33-Jährige war vor mehr als einem Jahr in der Reichsbürger-Szene versackt und nach einer Razzia, bei der in seiner Innenstadt-Wohnung in seiner Abwesenheit mehrere Waffen und eine Cannabisplantage entdeckt worden waren, monatelang in einem Erdloch in einem Wald untergetaucht.

Richterin Susanne Schön-Winkler sprach in der Urteilsbegründung von „sehr schwerwiegenden Straftaten“. Der 33-Jährige habe in seiner in seinem Elternhaus gelegenen, separaten Wohnung eine „Drogenhöhle gebaut und mit gefährlichen Gegenständen experimentiert“, hieß es weiter.

Martialischer Eindruck

Das bei der Wohnungsdurchsuchung sichergestellte Waffenarsenal, darunter spektakulär umgebaute Schlagwaffen wie beispielsweise ein mit Langnägeln präparierter Baseballschläger und ein Schlagstock mit angespitzten Flacheisen, hätte einen martialischen Eindruck bei den Ermittlern hinterlassen. „Nach Aktenlage haben auch wir gedacht, dass wir es hier mit einem hochgefährlichen Menschen zu tun bekommen“, so die Vorsitzende Richterin der 11. Strafkammer. Der Eindruck, den der Angeklagte im Prozess hinterlassen habe, habe dieses Bild aber so gar nicht ausgefüllt. „Hier saß ein Angeklagter, der stets höflich, zuvorkommend und auch reuig war“, hieß es vonseiten des Gerichts.

In der Wohnung des 33-Jährigen waren die Ermittler auch noch auf Reichskriegsflaggen, Reichsbürger-Unterlagen und sogar auf einen auf den Namen des Angeklagten ausgestellten Reichsbürger-Ausweis gestoßen. „Er hat sich damals zeitweise in diese Szene verstrickt gehabt und war Verschwörungstheorien verfallen“, so Verteidiger Lars Volkenborn.

Vorbereitung auf ein Endzeitszenario

Bei den Durchsuchungen waren neben der Indoor-Plantage mit Dutzenden Pflanzen unter anderem kiloweise Marihuana und Amphetaminzubereitungen entdeckt worden. Der Angeklagte hatte eingeräumt, dass er deshalb so viele unterschiedliche Drogen angehäuft habe, weil er für ein Endzeitszenario („Wenn mal alles vorbei ist“) gerüstet sein wollte.

Die Festnahme des untergetauchten Reichsbürger-Anhängers war Ende 2020 erfolgt, als er am Distelner Sportplatz von zwei Drogenkunden zusammengeschlagen und beraubt worden war.

Mit dem Urteil blieben die Richter unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die neun Jahre und vier Monate Haft beantragt hatte. Durch die im Urteil festgeschriebene Möglichkeit, nach Verbüßen von 14 Monaten Haft, eine geschlossene Drogenentzugstherapie durchlaufen zu können, wollten die Richter dem selbst drogenabhängigen Angeklagten eine gewisse Perspektive eröffnen.

Das Urteil lautet auf bewaffneten Drogenhandel.

Der Abend in Herten

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.