Betreiberin des Yoga-Studios TiMana in Herten atmet auf

Ende des Lockdowns: „Mein Bauch sagt mir: Das Studio ist gerettet“

Positiv blickt Tina Marczinski in die Zukunft. Harte Lockdown-Monate liegen hinter ihr. Sie musste ihr Yoga-Studio TiMana schließen. Hier spricht sie über Ängste und große Dankbarkeit.
Tina Marczinski in ihrem Yoga-Studio TiMana auf der Zeche Schlägel & Eisen in Herten-Langenbochum. Nach der Corona-Zwangspause ist es ab sofort wieder geöffnet. © Carola Wagner

Die Zeit des harten Lockdowns ist vorbei. Wie lange mussten Sie Ihr Studio schließen?

Das Studio war seit dem 2. November 2020, also für circa sieben Monate geschlossen. Hinzu kommt die Zeit des ersten Lockdowns, der dauerte sieben Wochen – vom 22. März bis zum 4. Mai 2020.

Wie haben Sie die Zeit überbrückt?Wir haben Live-Online-Kurse angeboten, die parallel aufgezeichnet und anschließend allen Kunden zur Verfügung gestellt wurden. So konnten die Leute sich entweder direkt einloggen oder unabhängig von Zeit und Ort davon profitieren. In gewisser Weise war das auch eine Verbesserung, weil die Kurse zeitlich flexibel abgerufen werden konnten.

Ein weiteres Angebot waren Meditationen und Live-Fantasie-Geschichten, bei denen man sich kostenlos einloggen und zuhören konnte. Mein Impuls war, dass die Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit Bedarf an entspannenden Momenten haben.

Auffangen konnte man Online jedoch nicht die Massage-Angebote oder den Einkauf in meiner kleinen Boutique, die ich hier nebenbei betreibe.

Wie sind die Online-Kurse bei Ihren Kunden angekommen?

In Dresden hat Tina Marczinski (hier links im Bild mit einer Freundin) zur WOGA SUP-Yogalehrerin ausbilden lassen. Nun gibt sie auf dem Dülmener See Kurse in der neuen Sportart.
In Dresden hat Tina Marczinski (hier links im Bild mit einer Freundin) zur WOGA SUP-Yogalehrerin ausbilden lassen. Nun gibt sie auf dem Dülmener See Kurse in der neuen Sportart. © privat © privat

Es gab viele Kunden, die sich gerne darauf eingelassen und teilgenommen haben. Manche waren durch die Technik überfordert, andere fanden zu Hause nicht die nötige Ruhe, die sie hier im Studio bewusst suchen.

Aber manch einer freundete sich durch die neue Situation auch mit dem Computer und dessen Möglichkeiten an und hatte dann Spaß an dem Angebot. Auch ältere Kunden stellten sich der Herausforderung.

Vorteil der Live-Online-Kurse ist der persönliche Kontakt zwischen Kursleiterin und Teilnehmenden. Man kann sich austauschen und Kontakte pflegen, aber auch Fragen stellen.

Haben Sie durch die Schließungsphase viele Kunden verloren?

Ungefähr 40 Prozent meiner Kundschaft ist durch den Lockdown und die Schließung weggebrochen. Das waren jene, die keine Live-Online-Angebote und auch keine aufgezeichneten Kurse, Meditationen oder sonstige Angebote wünschten.

In Dresden hat Tina Marczinski (hier links im Bild mit einer Freundin) zur WOGA SUP-Yogalehrerin ausbilden lassen. Nun gibt sie auf dem Dülmener See Kurse in der neuen Sportart.
In Dresden hat Tina Marczinski (hier links im Bild mit einer Freundin) zur WOGA SUP-Yogalehrerin ausbilden lassen. Nun gibt sie auf dem Dülmener See Kurse in der neuen Sportart. © privat © privat

Wie sind Sie finanziell in dieser Zeit zurechtgekommen?

Weil ich noch etwas verdient habe, bekam ich keine staatliche Unterstützung. Dabei sind meine Einkünfte durch den gravierenden Rückgang des Kundenstamms erheblich geschrumpft. Somit waren die laufenden Kosten nicht abdeckt, von meinem privaten Lebensunterhalt ganz zu schweigen.

Deshalb musste ich mein Rücklagenkonto, das eigentlich für Steuernachzahlungen gedacht ist, plündern. Zudem hat mir der Vermieter meines Studios netterweise wenigstens in den letzten Monaten, als es ganz eng wurde, einen Teil der Mietkosten erlassen.

Ich hatte mich für eine Nebentätigkeit interessiert, letztlich aber dagegen entschieden. Denn ich habe gemerkt: Um das Yoga-Studio zu retten, muss ich mit voller Kraft daran arbeiten und meine ganze Energie und Kreativität investieren.

Haben Sie sich vonseiten der Behörden gut unterstützt gefühlt? Wer oder was hat Ihnen geholfen?

Vonseiten der Behörden nicht – ich habe ja keine Hilfen erhalten. Mein wunderbares Team hat mich super unterstützt, dafür bin ich unendlich dankbar. Mental und finanziell geholfen haben mir vor allem auch die Kunden, die bei der Stange geblieben sind und nicht den Glauben daran verloren haben, dass es irgendwann weiter geht. Viele haben gesagt: Du hast uns durch die Yoga-Stunden in all den Jahren so viel Gutes gegeben, nun möchten wir Dir etwas zurück geben. Welch ein wunderbares Karma.

Hatten Sie durch die Schließung mehr Freizeit? Wie haben Sie die gestaltet?

Gefühlt hatte ich nicht mehr Freizeit. Ich war mit dem Kopf immer bei meinem Studio und habe Pläne gemacht, Programm und Gedanken erwogen. Freie Stunden zu genießen, ist unter solchen Umständen kaum möglich. Ab und zu habe ich Entspannung beim Fahrradfahren in der Natur gefunden.

Wie ging es Ihnen persönlich in dieser Zeit? Hatten Sie Ängste?

Persönlich bin ich trotz meiner positiven Lebenseinstellung, die die Menschen an mir kennen, an meine Grenzen gestoßen. Das wollte ich erst nicht wahrhaben, ich dachte: Du rockst das schon. Aber je länger diese Situation angedauert hat, desto größer wurden die Existenzängste. Ich habe mich manchmal selbst nicht wiedererkannt, habe aus unerklärlichen Gründen geweint und war sehr dünnhäutig.

Dazu beigetragen hat natürlich, dass andere Yoga-Studios in Folge des Lockdowns schließen mussten. Dann kam bei mir eine Kündigung nach der anderen rein. Trotz alledem wollte ich mein Studio auf keinen Fall aufgeben. Dieses kleine Unternehmen ist mein Baby. Nicht nur meine Existenz, sondern vor allem auch mein Herz hängt daran. Vor allem aber geht es mir auch um die Kunden. Es wäre zu schade gewesen, wenn dieses „Schiff“ mit all den lieben Menschen, die mit mir gepaddelt haben, untergegangen wäre.

Mein Urvertrauen, das mich lebenslang begleitet, hat mich in Zusammenhang mit meiner Yoga-Praxis aber auch in dieser schwierigen Lebenslage immer wieder ins Gleichgewicht gebracht.

Neue Sportart WOGA: Tina Marczinski zeigt eine Yoga-Figur auf dem Stand Up Paddle Board, in diesem Fall nicht zu Wasser, sondern an Land.
Neue Sportart WOGA: Tina Marczinski zeigt eine Yoga-Figur auf dem Stand Up Paddle Board, in diesem Fall nicht zu Wasser sondern an Land. © Privat © Privat

Haben Sie nach beruflichen Alternativen gesucht? Ich bin von einem Lehrer für Stand Up Paddeling angesprochen worden. Er wies mich auf die Möglichkeit hin, Yoga auf dem Wasser – kurz WOGA – zu betreiben. Ich habe es ausprobiert und war begeistert. In Dresden habe ich dann eine entsprechende Ausbildung gemacht.

Nun biete ich Yoga an, das in der Natur stattfindet – beispielsweise am und um den Dülmener See, aber auch auf anderen ruhigen Gewässern in ganz Nordrhein-Westfalen. Vielleicht bieten wir kommendes Jahr sogar gemeinsam WOGA-Reisen an. Vorteil der Übungen auf dem Brett im Wasser: Wunderbare Entspannung in der Natur ohne Kontakte und eine perfekte Stimulation der Tiefenmuskulatur, weil durch die Übungen auf dem Brett das Gleichgewicht gehalten werden muss. Zudem kommen Spaß und Unterhaltung in der Gruppe nicht zu kurz.

Unter welchen Bedingungen läuft der Unterricht im Studio nun ab?

Ich habe mich an den Wünschen meiner Yogalehrerinnen und der Kundschaft nach maximaler Sicherheit orientiert. Um am Yogaunterricht im Studio teilzunehmen, muss ein negatives Testergebnis vorgelegt oder eine vollständige Impfung bzw. Genesung nachgewiesen werden.

Bereits im Flur müssen die Teilnehmenden sich mit der Chekko-App einchecken, dann mit Maske eintreten und im Eingangsbereich die Hände desinfizieren. Erst am Platz auf der Matte darf die Maske abgenommen werden.

Wie ist jetzt die Resonanz der Kunden? Freude? Erleichterung?

Absolute Freude. Die Kunden sind froh, dass es weiter geht und strömen in die Kurse. Einige sind noch sehr vorsichtig und bleiben bei den Live-Online-Kursen, die wir weiterhin parallel zum Unterricht im Studio anbieten.

Wie schauen Sie in die Zukunft?

Ich erhoffe mir, dass alle weiterhin vernünftig und achtsam bleiben und die Inzidenzen niedrig, damit es im Herbst nicht erneut zu einer Schließung von Sportstudios, Restaurants etc. kommt. Ich hoffe, dass nun auch wieder Kunden zurückkehren und neue hinzu kommen.

Ich habe meine Gedanken komplett positiv ausgerichtet. Mein Bauch sagt mir: Das Studio ist gerettet.

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