Vor dem Rathaus

Ungewöhnliche Friedensaktion: Hertener Frauen demonstrieren mit Pinsel und Wasser

Ihre Aktion ist spektakulär, aber still und vergänglich: Frauen der Schreibwerkstatt demonstrieren mitten in Herten mit Pinsel, Wasser und einer alten chinesischen Technik gegen den Ukraine-Krieg.
Mit Wasser schreiben Frauen der Schreibwerkstatt in vielen Sprachen das Wort „Frieden“ auf den „Bodenflügel“ vor dem Rathaus. Einige Passanten machten spontan mit, sodass auch arabische Schriftzeichen zu sehen sind.
Mit Wasser schreiben Frauen der Schreibwerkstatt in vielen Sprachen das Wort „Frieden“ auf den „Bodenflügel“ vor dem Rathaus. Einige Passanten machten spontan mit, sodass auch arabische Schriftzeichen zu sehen sind. © Klaus Herrmann

Frieden für die Ukraine, Frieden für alle Menschen der Welt: Dafür setzen sich die Frauen der Hertener Schreibwerkstatt – ein Kursangebot der Familienbildungsstätte – ein. Um ihr Anliegen deutlich zu machen, wählten sie eine stille und ungewöhnliche Aktion. Sie griffen eine Jahrhunderte alte chinesische Tradition der Schreibkunst auf: die Wasserkalligrafie.

Jede Frau schrieb ausschließlich mit Pinsel und Wasser das Wort „Frieden“ in mehreren Sprachen auf das „Bodenflügel“-Kunstwerk vor dem Rathaus. Während bei der Wasserkalligrafie Buchstabe für Buchstabe aneinandergereiht wird, trocknet das Wasser, und die ersten Buchstaben verblassen, bis schließlich das gesamte Wort unsichtbar wird. Dann beginnt der Schreibprozess von Neuem.

Passanten machen spontan mit

Was von einer solchen Aktion bleibt, spielt sich in den Gedanken und Gefühlen der Akteurinnen ab und in denen der Beobachterinnen und Beobachter. Beobachtet wurde die Aktion von mehreren Passantinnen und Passanten, die sich spontan entschlossen mitzumachen. Dadurch waren plötzlich auch arabische Schriftzeichen zu sehen.

Wasserkalligrafie symbolisiert Vergänglichkeit und Neubeginn

Wasserkalligrafie eröffnet ein breites Spektrum für alle Beteiligten. Sie zeigt die Vergänglichkeit ebenso wie den Neubeginn. Wasserkalligrafie veranschaulicht, dass jeder Mensch zu jeder Zeit immer wieder neu anfangen kann. Und dazu braucht man keine Herkules-Kräfte, sondern lediglich die eigene Bereitschaft.

Ein weiterer Gedanke ist, dass das Wasser als Malmittel nicht wirklich verschwindet. Es wird vom Boden und von der Luft aufgenommen. Es bleibt also für alle erhalten, verändert lediglich die Form.

Während die Frauen mit Wasser das Wort
Während die Frauen mit Wasser das Wort „Frieden“ in verschiedenen Sprachen malen, verblassen die ersten Buchstaben auch schon wieder. © Klaus Herrmann

Wasser greift nicht an. Der Untergrund bleibt, wie er war, unversehrt und für alle nutzbar. Darum unterstützte die Gleichstellungsstelle der Stadt die Frauen, sodass sie das „Bodenflügel“-Kunstwerk von Dorothee Bielfeld als Schreibunterlage nutzen konnten.

Jederzeit möglich, sich für Frieden zu entscheiden

Mit dieser Art der Friedensaktion wollten die Schreibwerkstatt-Frauen deutlich machen, dass es jederzeit möglich ist, sich für Frieden zu entscheiden. Auch wenn die Erinnerungen an vergangene Kriege und Kriegsgreuel verblasst sind. Auch dann, wenn jüngere Generationen gar keine Erinnerungen haben können, weil sie nie einen Krieg erlebt haben.

Die Frauen formulieren es so: „Wir wollen möglichst vielen Menschen sagen, dass unser Respekt allen gilt, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen, die nicht spalten, sondern vereinen wollen. Diese Menschen gibt es in Russland ebenso wie in China und in allen Ländern der Erde. Unsere Aktion soll zeigen: Unsere Hochachtung gilt allen Menschen, die bereit sind, sich immer wieder neu für ein friedliches Miteinander einzusetzen.“

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