Riesen-Andrang am Glashaus

Für Impf-Aktion wird sogar der Griechenland-Trip unterbrochen

Der erste Impfwillige stand bereits um 10.40 Uhr vor der Tür, zahlreiche weitere sollten ihm folgen. Die große Impf-Aktion der Stadt am Glashaus war am Ende ein voller Erfolg.
Ein Piks und fertig: Hier erhält Reza Yaqooby (l.) seine Impf-Dosis von Feza Demir aus der Arztpraxis Hahne/Pelz/Weißbruch. © Jörg Gutzeit

Robert Kuhn klappt seinen rosafarbenen Hocker zusammen. Das praktische Teil mit den lila Punkten hat gute Dienste geleistet. Seit 10.40 Uhr hat der Hertener die ungewöhnliche Sitzgelegenheit immer wieder mal genutzt. Jetzt, um Punkt 14 Uhr, braucht Kuhn sie nicht mehr. Denn er ist der Erste, der am Freitag (9. Juli) die Glashaus-Rotunde betreten darf und dort geimpft wird. „Sich impfen zu lassen ist einfach wichtig. Und ich wollte unbedingt den Impfstoff von Johnson und Johnson, um dann mit einer Impfung auch fertig zu sein“, erklärt Robert Kuhn, warum er sich so früh auf den Weg in die Hertener Innenstadt gemacht hat.

Die Nummer 1: Der Hertener Robert Kuhn wartete bereits ab 10.40 Uhr auf seine Impfung und hatte dafür gleich seine eigene Sitzgelegenheit dabei.
Die Nummer 1: Der Hertener Robert Kuhn wartete bereits ab 10.40 Uhr auf seine Impfung und hatte dafür gleich seine eigene Sitzgelegenheit dabei. © Daniel Maiß © Daniel Maiß

Die ist bereits gegen 13.30 Uhr so voll, wie schon lange nicht mehr. Nach Robert Kuhn werden in den folgenden Stunden nämlich zahlreiche Impfwillige die Rotunde betreten. Der Andrang rund ums Glashaus ist riesig. Gerade in der ersten Stunde staut sich die Schlange von der Rückseite des Glashauses über die Antoniusstraße bis auf die Kranzplatte.

Lange Schlangen bildeten sich in der Fußgängerzone.
Lange Schlangen bildeten sich in der Fußgängerzone. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Kurz vor dem Startschuss um 14 Uhr wird nochmal durchgezählt. Weit mehr als 100 Menschen warten zu diesem Zeitpunkt. Da ist es gut, dass die Stadt Herten bereits am Donnerstagnachmittag (8. Juli) vorsorglich die Anzahl der vorhandenen Dosen von 250 auf 500 verdoppelt hat.

250 Impfdosen hätten nicht ganz gereicht

„Es gab viele Anfragen von außen“, so Uschi Dorka, „allein deshalb vermuteten wir, dass die Zahl der Interessierten höher sein könnte“. Und da lag die städtische Sozialmanagerin goldrichtig, denn gegen 16.15 Uhr ist klar, dass die 250 Dosen nicht gereicht hätten. Fast 200 haben sich zu diesem Zeitpunkt ihren Piks schon abgeholt, die Zahl der Wartenden beläuft sich da aber noch auf mehr als 50.

Die Impfaktion der Stadt Herten im Glashaus war ein voller Erfolg.
Die Impfaktion der Stadt Herten im Glashaus war ein voller Erfolg. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

„Wir impfen heute so lange, bis alle Interessierten geimpft sind – oder die 500 Dosen aufgebraucht“, so Dorka weiter. Aber selbst für letzteren Fall hatte man im Vorfeld mit dem Impfzentrum Recklinghausen abgesprochen, dass dort direkt eine Impfung möglich wäre.

Die Fahrt nach Recklinghausen müssen Jolien Bytomski und Jonathan Schippmann aber nicht antreten, denn bei ihnen ist klar, dass sie auf jeden Fall ihre Dosis Johnson und Johnson bekommen würden. Was den beiden eine große Sorge abnimmt.

Von Griechenland nach Herten und zurück

Denn die Essener waren extra am vergangenen Mittwoch aus Griechenland zurück nach Deutschland geflogen und hatten ihren mehrmonatigen Aufenthalt unterbrochen, um sich hier impfen zu lassen. „Einer unserer Freunde ist Mitglied der Hertener Feuerwehr und hat uns von der Aktion berichtet. Für uns ist das perfekt, weil wir am Montag schon wieder zurückfliegen und so nicht wegen einer zweiten Impfung zurückkommen müssen“, erklärt Jolien Bytomski.

Große Impfaktion im Glashaus.
Große Impfaktion im Glashaus. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Während das Paar noch in der Schlange wartet, haben Alexander Hering, Manuel Woidtke und Duygu Kalbidelik an der Anmeldung alle Hände voll zu tun. Die drei städtischen Auszubildenden hatten sich direkt gemeldet, als freiwillige Helfer gesucht wurden.

„Einfach eine tolle Aktion“

„Wir wollen doch alle bald zur Normalität zurückkehren. Da ist Impfen einfach extrem wichtig“ erklärt Manuel Woidtke, warum er sofort helfen wollte. „Das ist eine tolle Aktion, die wir unbedingt unterstützen wollen“, pflichten ihm Alexander Hering und Duygu Kalbidelik bei.

Die Auszubildenden Alexander Hering und Duygu Kalbidelik kümmerten sich um die Anmeldung. © Daniel Maiß © Daniel Maiß

Rund 30 freiwillige Helfer sorgen dafür, dass alles in geordneten Bahnen und zügig abläuft. Der städtische Sozialdezernent Hermann Pieper und Bürgermeister Matthias Müller gehen unter anderem immer wieder an den Reihen der Wartenden vorbei und versorgen sie mit Wasser, während Kämmerer Dr. Oliver Lind im Eingangsbereich die Ankommenden empfängt und weiterleitet.

Fünf Ärzte des Hertener Praxisnetzes (HEP) und vier Helferinnen klären im Anschluss auf und setzen einen Piks nach dem anderen. Am Ende werden 258 Dosen verimpft.

Nina Redemann ist hier im Aufklärungsgespräch mit Dr. Jürgen Philipp.
Nina Redemann ist hier im Aufklärungsgespräch mit Dr. Jürgen Philipp. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

„Es ist einfach toll, was hier in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde. Mein Dank geht da auch an das Deutsche Rote Kreuz, an das Haus der Kulturen und das Team des Glashauses. Alle haben hier tatkräftig unterstützt“, erklärt Uschi Dorka. „Wir hatten das Ziel, möglichst viele mit unserem Angebot zu erreichen. Das haben wir geschafft und das ist einfach toll!“

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