Verschlusssache Escaperoom

Geheimnisvolle Rätselräume locken zahlreiche Besucher nach Herten

In der geheimen Bibliothek nach einem Buch von Aristoteles suchen, aus dem Todestrakt des Gefängnisses entkommen oder im Casino Geld für den Mafiaboss finden – all das geht im Escaperooms.
Dennis Hölker, stellvertretender Geschäftsführer von „4Escape“, öffnet eine Truhe in der Bibliothek der eintausend Bücher. © Carola Wagner

„Verschlusssache“ steht auf dem unscheinbaren Schaufenster des Ladenlokals an der Ewaldstraße 6. Es lässt nicht ansatzweise erahnen, welche spannenden Abenteuer man dort erleben kann.

Im Haus Ewaldstraße 6 (Vordergrund) hat das Unternehmen
Im Haus Ewaldstraße 6 (Vordergrund) hat das Unternehmen „4Escape“ seinen Sitz. Die Geschäftsführer spekulieren auf die sich anschließenden Ladenlokale im Haus Nummer 4. Sie wollen größer werden. © Carola Wagner © Carola Wagner

Das Unternehmen „4Escape“ hat sich hier angesiedelt und nach und nach drei fantasievolle Spielwelten erschaffen. Escaperooms nennt man diese Räume, aus denen zwei bis sechs Spielende binnen jeweils einer Stunde durch das Lösen von allerlei Rätseln und Aufgaben zu entkommen versuchen.

Der Roulette-Tisch im Escaperoom
Der Roulette-Tisch im Escaperoom „Royal Flush Casino“. © Carola Wagner © Carola Wagner

Dem Mafiaboss sein verspieltes Geld besorgen

Da gibt es das Royal Flush Casino, in dem ein Mafiaboss im Chicago der 1930er-Jahre beim Pokern sein Geld verspielt hat. Die Spieler sollen dieses Geld nun aus dem Tresor holen, ehe die Polizei das Casino stürmt …

Dann ist da die Bibliothek der eintausend Bücher: Als Hobbyarchäologen auf der Suche nach neuen Geheimnissen und unbekannten Schätzen forschen die Spieler nach einem verschollenen Buch und dringen in die geheime Bibliothek ein…

Die Bibliothek der 1000 Bücher.
Die Bibliothek der 1000 Bücher. © Carola Wagner © Carola Wagner

Hinter Gittern im gruseligen Todestrakt

Und der gruselige Todestrakt: Hier schmachten die Spieler in schaurigen Gefängniszellen, weil man sie für Terroristen hält. Sie müssen den schlafenden Wächter überlisten, um dem Henker zu entkommen…

Gerade in Arbeit ist Escaperoom Nummer vier: eine ägyptische Grabkammer.

„4Escape“ ist nicht zu verwechseln mit den Waldrittern

Daniel Steinbach (rechts), Geschäftsführer von „4Escape“, und sein Stellvertreter Dennis Hölker.
Daniel Steinbach (rechts), Geschäftsführer von „4Escape“, und sein Stellvertreter Dennis Hölker. © Carola Wagner © Carola Wagner

Hinterm Tresen stehen Daniel Steinbach, Geschäftsführer des noch jungen Unternehmens „4Escape“ und sein Stellvertreter Dennis Hölker. Beide sind in Herten keine Unbekannten. Daniel Steinbach (37) ist Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins „Waldritter“, der als freier Träger der Jugendhilfe etwas weiter unten auf der Ewaldstraße in der ehemaligen Woolworth einen Standort betreibt. Dennis Hölker (45) ist dort als Projektleiter beschäftigt.

Das Escaperoom-Unternehmen „4Escape“ hat damit aber nichts zu tun. Vor drei Jahren gegründet, umfasst es Standorte in Castrop-Rauxel, Wuppertal, Recklinghausen (Trainingsbergwerk) und seit August 2020 auch in der Hertener Fußgängerzone.

Räume locken rund 200 Besucher pro Monat

Trotz der schwierigen Bedingungen in Zeiten der Pandemie verzeichnete das Unternehmen gleich zu Anfang großen Zulauf: „Pro Monat haben uns 40 bis 50 Gruppen mit insgesamt rund 200 Spielern besucht“, sagt Dennis Hölker. Nach dem Lockdown können die Räume nun wieder bespielt werden.

Escaperoom-Szene tauscht sich über tolle Locations aus

Die Resonanz ist groß, Besucher kommen von nah und fern. „Es gibt eine regelrechte Escaperoom-Szene, die sich über bestehende und neue Räume austauscht. Für einen guten Raum kommen die Leute selbst aus Köln oder Frankfurt her“, erzählt Daniel Steinbach.

„4Escape“-Geschäftsführer Daniel Steinbach in der Bibliothek der 1000 Bücher.
„4Escape“-Geschäftsführer Daniel Steinbach in der Bibliothek der 1000 Bücher. © Carola Wagner © Carola Wagner

Es fehlt an Gastronomie in der Innenstadt

Wer so weit anreist, der möchte vor Ort auch etwas essen und trinken. „Wir werden oft nach passenden Lokalen gefragt“, sagt Dennis Hölker. „Doch leider hat die Innenstadt da wenig zu bieten. Es wäre schön, wenn sich das bald ändert.“

Dennis Hölker in einem Raum der Bibliothek der 1000 Bücher.
Dennis Hölker in einem Raum der Bibliothek der 1000 Bücher. © Carola Wagner © Carola Wagner

Selbst ein Café auf die Beine zu stellen, haben die Unternehmer nicht im Sinn. „Das ist nicht unserer Stärke, das können andere besser.“

Ladenlokal Ewaldstraße 4 soll angemietet werden

Weil die Resonanz so groß ist und mit Raum Nummer vier, der ägyptischen Grabkammer, die 150 Quadratmeter an der Ewaldstraße 6 ausgereizt sind, spekulieren die Betreiber auf das benachbarte Ladenlokal Ewaldstraße 4. Doch ob es was wird mit der Erweiterung, ist derzeit ungewiss. „Wir haben erfahren, dass sich auch die Stadtverwaltung für die Räume interessiert“, sagt Dennis Hölker.

Die Stadt sucht bekanntlich nach einem neuen Domizil für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), der den sozialen Brennpunkt durch seine Präsenz entschärfen soll. Wenn „4Escape“ den Zuschlag erhält, sollen weitere Spielräume auf 130 Quadratmetern entstehen.

Die Geschäftsleitung des Unternehmens
Die Geschäftsleitung des Unternehmens „4Escape“: Daniel Steinbach (links) und Dennis Hölker am Spieltisch im Royal Flush Casino. © Carola Wagner © Carola Wagner

Informationen und Anmeldung

Das Spiel im Escaperoom dauert jeweils eine Stunde und kostet je nach Spielerzahl (2 – 6) zwischen 66 und 126 Euro. Mehr Informationen und Anmeldungen unter der Telefonnummer 02305/7049651 und auf der Homepage: www.verschlusssache-escape.de.

Escaperoom-Spiele

  • In Escaperooms finden Abenteuerspiele für Jung und Alt statt. Man kann zu zweit oder mit mehr Spielern (in Herten bis zu sechs) antreten und gemeinsam Rätsel und Aufgaben lösen. Teilweise geht es darum, den Ausgang aus einem verschlossenen Raum zu finden. Tatsächlich eingeschlossen wird in den Spielräumen von „4Escape“ aber niemand.
  • Während des Spiels wird die Gruppe von einem unsichtbaren Spielleiter per Kamera überwacht und mit Tipps und Anweisungen geleitet. Dieser kann auch blitzschnell reagieren, falls zum Beispiel ein Mitspieler sich schlecht fühlen oder in Panik geraten sollte.
  • Escaperooms gibt es in Deutschland seit 2013. Derzeit sind etwa eintausend solcher Erlebnisräume in Betrieb, schätzen die Inhaber von „4Escape“.

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