Landgericht Bochum

„Hammer-Überfälle“ auf Drogendealer: Bis zu zwölfeinhalb Jahre Haft

Nach zwei „Hammer-Überfällen“ auf einen Drogendealer am Ostring sind fünf Männer zu Haftstrafen von bis zu zwölfeinhalb Jahren verurteilt worden. Das Gericht sprach von großer Brutalität.
Der Prozess um eine mutmaßliche Hammerattacke bei „Curry Heini“ läuft am Bochumer Landgericht. © dpa

Die Taten waren brutal und empathielos: Vor einem Jahr wurde ein Drogendealer in seiner Wohnung am Ostring zweimal hintereinander überfallen – ein Helfer dabei lebensgefährlich verletzt. Am Donnerstag hat das Bochumer Landgericht ein mutmaßliches Täter-Quintett aus Gelsenkirchen verurteilt. Alle fünf Männer müssen ins Gefängnis – dreimal lautete das Urteil sogar auf versuchten Mord.

Die höchste Strafe – zwölfeinhalb Jahre Haft – verhängte die 3. Jugendkammer gegen einen 27-jährigen Angeklagten. Drei Mitangeklagte (29, 20 und 26), die zur Überzeugung der Bochumer Richter ebenfalls „totsicher“ bei den Raubüberfällen mit dabeigewesen sind, kassierten zehn, sieben und sechs Jahre Haft.

Vater chauffierte den Sohn zum Raubüberfall

Der Vater des jüngsten Angeklagten, der zugegeben hatte, die Gruppe sowohl am 10. als auch am 26. Mai mit seinem Pkw zum Tatort chauffiert zu haben, wurde wegen Beihilfe zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Vier von fünf Angeklagten hatten sich im Prozessverlauf zu den Vorwürfen geäußert – der eine mal mehr, der andere mal weniger geständig.

Nur ein Angeklagter (29) hatte durchgängig geschwiegen. Obwohl er laut Urteil „nur“ beim zweiten Überfall dabei war, fiel seine Haftstrafe mit zehn Jahren am zweithöchsten aus. Die Richter waren der festen Überzeugung, dass der 29-Jährige dem am schwersten verletzten Opfer gleich drei Messerstiche in Bauch und Brust zugefügt hat.

„Völlig aus dem Ruder gelaufen“

Nur wenige Tage, nachdem drei Angeklagte den Dealer am 10. Mai 2020 in seiner Wohnung am Ostring beraubt und dabei mit einem Zimmermannshammer sowie einem Messer bedroht hatten, war der zweite Überfall „völlig aus dem Ruder gelaufen“, sagte Richter Johannes Kirfel.

Der 27-jährige Angeklagte hatte dem Dealer diesmal mit der spitzen Seite eines Zimmermannshammers auf beide Schienbeine eingeschlagen. Im Nachgang zu dem Überfall abgehörte Telefonate hatten ans Licht gebracht, dass die Gruppe offenbar in einer Zwischenwand ein 100.000-Euro-Versteck vermuteten.

Als ein hinzugeeilter Bekannter des Wohnungsinhabers sich einmischte, wurde der Mann mit Messern und einem Zimmermannshammer attackiert, auch gegen den Kopf. Rechtsmediziner zählten am Ende sieben Stichverletzungen.

Dealer hatte erst keine Anzeige erstattet

Erbeutet wurden beim ersten Coup 30 Gramm Cannabis, wenige hundert Euro Bargeld und zwei Handys. Beim zweiten Überfall eine Kleingeld-Kassette, ein PC und erneut Drogen.

Der überfallene Dealer hatte zunächst – darauf hatten die Täter gesetzt – gar keine Anzeige erstattet. Erst beim zweiten Überfall nannte der Dealer Namen von Verdächtigen. Danach waren Telefonüberwachungen geschaltet und die Angeklagten festgenommen worden.

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