In Herten-Mitte ertönen ungewohnte Klänge zu einem ungewohnten Zeitpunkt

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Beim Fahnenschlagen auf dem Antonius-Kirchplatz werden die jeweils sieben Kilo schweren Fahnen der St.-Sebastianus-Gilde kunstvoll geschwenkt.
Beim Fahnenschlagen auf dem Antonius-Kirchplatz werden die jeweils sieben Kilo schweren Fahnen der St.-Sebastianus-Gilde kunstvoll geschwenkt. © Anna Lisa Oehlmann (Archiv)
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Das auffällige Glockenläuten, das am Dienstag (20.09.) ab 15 Uhr in der Innenstadt zu hören sein wird, nennt sich „Beiern“: Einige der insgesamt rund 150 Mitglieder der St.-Sebastianus-Gilde steigen in den Turm der St.-Antonius-Kirche und bringen die Glocken zum Klingen. Und zwar schlagen sie die Glocken von Hand mit einem Klöppel an, das Ganze in einem besonderen Rhythmus und über 30 Minuten hinweg.

Der kräftezehrende Brauch findet in Herten seit 1925 statt. Er weist auf das Gildenfest am Folgetag hin. Und das ist der zweite ungewohnte Aspekt: Seit Jahrzehnten fand all das üblicherweise im Januar statt. Doch wegen der Corona-Pandemie sind das Beiern und der Gildentag jetzt zum zweiten Mal in den September verlegt worden. So soll das Risiko von Ansteckungen während der Heiligen Messe und der Gildenversammlung minimiert werden.

Gildenfest mit Fahnenschlagen am Mittwoch

Apropos: Die Messe, das sogenannte Gildenamt, findet am Mittwoch, 21. September, um 15 Uhr in der St.-Antonius-Kirche statt und ist öffentlich. Direkt im Anschluss (gegen 16 Uhr) ziehen die Gildenbrüder in einer Prozession um die Kirche, bevor dann das Fahnenschlagen stattfindet, das stets viele Zuschauer anlockt. Dabei werden die jeweils sieben Kilo schweren Gildenfahnen kunstvoll geschwenkt. Schließlich treffen sich die Gildenbrüder im Kaiserhof zur Versammlung.

Die St.-Sebastianus-Gilde gilt als älteste noch aktive kirchliche Bruderschaft im Vest Recklinghausen. Im Mittelalter kümmerte sie sich um Pestkranke und deren Familien. Heute engagieren sich die ausschließlich katholischen Mitglieder vor allem durch großzügige Spenden an gemeinnützige Einrichtungen in Herten.