Landgericht Essen

„Ich habe nichts mit der Tochter gemacht“

In Essen steht ein Mann aus Herten vor Gericht. Er soll die achtjährige Tochter einer Bekannten vergewaltigt haben – was er bestreitet.
Vor Prozessbeginn: Der Angeklagte neben Verteidiger Lars Volkenborn. © Jörn Hartwich

Die Vorwürfe liegen schon lange zurück. Es war Ende 2005, als ein Mann aus Herten in das Hochbett einer damals Achtjährigen geklettert sein soll. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall das Essener Landgericht. Die Anklage lautet auf schweren Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Er bestreitet.

Das Mädchen von damals ist inzwischen eine junge Frau, 23 Jahre alt. Es hat lange gedauert, bis sie zur Polizei gegangen ist. Was sie dort erzählt hat, hat es jedoch in sich.

Langjähriger Freund der Mutter

Der Angeklagte war ein langjähriger Freund der Mutter. Nach seinen Angaben hatte man sich 2002 in einer Kirche in Essen wiedergetroffen. Seitdem soll er ständig in ihrer Wohnung ein und ausgegangen sein. Nicht als Partner, sondern als guter Freund der Familie. „Ich habe 90 Prozent meines Lebens geopfert, um ihr zu helfen“, sagte er den Richtern zum Prozessauftakt. „Ich habe fast den Verstand verloren, als ich die Anklage bekommen habe.“

Alles sei frei erfunden. „Ich habe nichts mit der Tochter gemacht, ich hatte keinen Sex mit ihr“, so der 49-Jährige. Unglaublich, dass die Familie so etwas mit ihm mache. „Man will mich nur leiden sehen.“

Mit Hammer zugeschlagen

Die Staatsanwaltschaft sieht das allerdings anders. Bei der ersten mutmaßlichen Tat soll der Angeklagte auf einer Matratze in der Wohnung seiner Bekannten übernachtet haben. Spät in der Nacht hat er sich dann angeblich an dem kleinen Mädchen vergangen – bis hin zum ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Bei dem zweiten angeklagten Fall soll er sich Zutritt zur Wohnung verschafft haben. Die Eltern waren nicht zu Hause. Auch da soll er das Mädchen massiv sexuell bedrängt haben. Laut Anklage wollte die Schülerin den Hertener erst gar nicht hereinlassen, hatte später sogar versucht, aus der Wohnung zu flüchten. Was ihr aber nicht gelungen sei. Die kleine Schwester soll sogar mit einem Hammer auf den heute 49-Jährigen eingeschlagen haben.

Tür mit Farbe beschmiert

Die Vorwürfe waren 2019 bekannt geworden. Inzwischen hat der Angeklagte selbst Frau und Kind. „Seitdem kann ich nicht mehr richtig schlafen, muss Schlaftabletten nehmen“, sagte er den Richtern. Er sei sogar in Therapie, um mit der Situation zurechtzukommen.

Einmal sei sogar seine Wohnungstür demoliert und mit Farbe beschmiert worden. „Kinderschänder“, stand dort geschrieben. Außerdem sei das Türschloss verklebt gewesen.

Wie die Richter den Fall sehen, bleibt abzuwarten. Sie haben für den Prozess eine Gutachterin hinzugezogen, um die Glaubwürdigkeit der heute 23-Jährigen besser beurteilen zu können.

Trotz der schweren Vorwürfe befindet sich der Hertener weiter auf freiem Fuß. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende des Monats zu rechnen.

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