Beunruhigender Bundestrend

Immer mehr Ärzte steigen aus der Impfkampagne aus: So ist es in Herten

In Herten steigt die Inzidenz stark an. Nur noch mehr Impfungen könnten die Zahlen senken. Doch bundesweit steigen viele Ärzte aus der Impfkampagne aus. Wie ist die Lage in unserer Stadt?
Mittlerweile werden in den Hertener Hausarzt-Praxen auch immer häufiger Kinder und Jugendliche immunisiert. Hier erhält ein zwölfjähriges Mädchen das Serum von Biontech/Pfizer.
Mittlerweile werden in den Hertener Hausarzt-Praxen auch immer häufiger Kinder und Jugendliche immunisiert. Hier erhält ein zwölfjähriges Mädchen das Serum von Biontech/Pfizer. © picture alliance/dpa (Archiv)

Die Corona-Inzidenz in Herten ist an diesem Montag, 16. August, mit über 80 so hoch wie seit Langem nicht mehr. Einziges Mittel gegen die sich auch in unserer Stadt immer weiter ausbreitende, hochansteckende Delta-Variante ist die Impfung. Doch bundesweit gerät das dreigleisige System von Impfzentren, mobilen Impfteams und Arztpraxen ins Wanken. Aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) belegen, dass mittlerweile rund 23.000 Kassen- und Privatärzte in Deutschland aus der Impfkampagne ausgestiegen sind. Aber wie ist die Lage in Herten?

Bereitschaft zum Impfen ist ungebrochen

Glücklicherweise entspannt, wie Klaus Hillebrand im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt. Dem Vorsitzenden des Hertener Praxisnetzes sind noch keine Kolleginnen und Kollegen bekannt, die die rettende Vakzine nicht mehr verabreichen. Die Bereitschaft zum Impfen sei weiterhin da. „Bei unseren niedergelassenen Ärzten ist diese so wichtige Aufgabe auch gut aufgehoben.“ Die Planung für die Praxen habe sich in den letzten Wochen und Monaten deutlich verbessert. „Es gibt ja keinen Impfstoffmangel mehr.“

Ganz im Gegenteil: Die Impfstoff-Bestellungen bundesdeutscher Praxen sind seit Juni sogar rückläufig, wie Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigen. Demnach wurden am 27. Juli rund 1,3 Millionen angefragt. Zum Start der Impfkampagne im April seien dagegen noch 1,5 Millionen Dosen geordert worden, so die KBV.

AstraZeneca-Impfstoff soll nicht verfallen

Hinzu kommt, dass in den Vorratskühlschränken der Arztpraxen – auch in Herten – noch zahlreiche Impfstoff-Dosen lagern, die wohl auch nicht mehr verimpft werden. „Das betrifft fast ausschließlich AstraZeneca“, sagt Klaus Hillebrand. Gänzlich verfallen sollen diese Dosen jedoch nicht, wie der Arzt für Innere Medizin mit Erleichterung feststellt. „Sie sind ja in der Regel noch bis November haltbar und werden daher in den nächsten Wochen von der Kassenärztlichen Vereinigung zentral eingesammelt und im Rahmen der Covax-Impfkampagne in andere Länder verschickt.“ Es wäre eine „Katastrophe“ gewesen, wenn Impfstoff von AstraZeneca, der ebenfalls effektiv vor einer schweren Erkrankung schützt, ungenutzt geblieben wäre, so Hillebrand.

Positiver Effekt durch Diskussion um kostenpflichtige Schnelltests

Mit Blick auf die stark steigenden Ansteckungszahlen in Herten schwant dem Mediziner für die nächsten Wochen nichts Gutes. Probleme könnte es – wie schon nach den vergangenen Sommerferien – durch Urlaubsrückkehrer geben, die sich im Ausland infiziert haben. Dagegen werde der Altersdurchschnitt der Erkrankten nach dieser Feriensaison wohl deutlich niedriger liegen – obwohl sich auch immer mehr jüngere Menschen derzeit gegen eine Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus immunisieren lassen.

Einen Hoffnungsschimmer am Horizont sieht Klaus Hillebrand dennoch: Durch die Ankündigung, dass Corona-Schnelltests ab Oktober nicht mehr kostenlos sein werden, würden viele Menschen, die bisher noch zögerlich waren, vielleicht doch den Weg in die Impfzentren und Arztpraxen finden und sich dort impfen lassen. „Der Effekt der öffentlichen Diskussion ist jedenfalls bereits zu sehen.“

Vieles deutet auf „2G“ hin

Der Mediziner glaubt, dass auch die Diskussion um mehr Freiheiten speziell für Geimpfte und Genesene noch an Heftigkeit zunehmen wird. Mittelfristig geht für Hillebrand sogar kein Weg an „2G“ vorbei: „Öffentliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte, können damit gut organisiert werden. Und auch die Besucher fühlen sich sicher. Vielleicht könnte man dann sogar gänzlich auf den Mundschutz zwischen den Stühlen verzichten.“

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