Luftfiltergeräte oder Fenster-Umrüstung

In 35 Schulräumen muss beim Lüften nachgebessert werden

Alle Unterrichtsräume lassen sich gut lüften, Luftfiltergeräte sind nicht nötig – das teilte die Stadt vor einer Woche mit und zog Kritik auf sich. Jetzt gibt es neue, detaillierte Angaben.
Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule Neubiberg (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Erst wollte die Stadtverwaltung die Information der Öffentlichkeit hinauszögern, stattdessen erst einmal die Politik ins Bild setzen. Dann erhielt unsere Zeitung doch Auskünfte, aber nicht aussagekräftig und mit beschwichtigendem Tenor. Die Botschaft: Alle Klassenräume in Herten lassen sich gut lüften, zusätzliche Luftfiltergeräte sind aktuell weder nötig noch geplant. Aber man wolle trotzdem eine Studie in Auftrag geben.

Viele Eltern reagierten mit Ärger und Unverständnis. Denn groß ist die Sorge, dass das Coronavirus erneut den Schulbetrieb beeinträchtigt und die weitgehend ungeimpften Kinder erreicht. Ebenso unbehaglich ist der Gedanke daran, dass bald wieder Tausende Schüler in gut belüfteten, aber eiskalten Klassenräumen frösteln.

Fokus zunächst auf „Unterrichtsräumen“

In einem Gespräch mit unserer Zeitung haben Bürgermeister Matthias Müller, Bildungsdezernent Hermann Pieper, Schulamtsleiterin Brigitte Rode und Sebastian Scholz, Leiter des städtischen Hertener Immobilienbetriebs (HIB), die Situation jetzt noch einmal aufgearbeitet.

Bürgermeister Müller verweist darauf, dass es am 28. Juli eine Videokonferenz von NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) mit Vertretern aus fast 400 Kommunen zum Thema „Lüften in Klassenräumen“ gegeben habe. Dabei seien die Räume in drei Kategorien eingeteilt worden:

• 1.) mit Fenstern oder fest eingebauten Lüftungsanlagen gut zu lüften

• 2.) eingeschränkt gut zu lüften

• 3.) unzureichend oder gar nicht zu belüften.

Die Ministerin habe erklärt, so Müller, dass mobile Luftfiltergeräte nur in eingeschränkt gut zu lüftenden Räumen (Kategorie 2) als ergänzende Maßnahme sinnvoll seien und daher auch nur dort mit Zuschüssen gefördert würden.

Die Stadtverwaltung teilte am 12. August per Pressemitteilung sinngemäß mit, dass ein solcher Bedarf in Herten nicht bestehe. Denn unterrichtet werde in Hertener Schulen nur in gut zu lüftenden Räumen der Kategorie 1.

StGH, MLS und Martinischule besonders betroffen

Wie die Stadtverwaltung jetzt im Nachgang einräumt, ist diese Darstellung so nicht vollständig gewesen. Bürgermeister Müller erläutert, man habe die Überprüfungen in Herten noch einmal ausgeweitet und nicht nur – wie vom Land in den Vordergrund gestellt – Unterrichtsräume betrachtet, sondern alle schulisch genutzten Räumlichkeiten. Das Ergebnis, so Müller: „35 Räume müssen wir uns jetzt noch einmal genauer anschauen, weil das Querlüften dort nicht optimal möglich ist.“

Schulamtsleiterin Brigitte Rode liefert eine genaue Aufstellung:

• 6 OGS-Gruppenräume (Offene Ganztagsbetreuung)

• 8 Klassen- und Kursräume

• 2 Aulen

• 3 Differenzierungsräume

• 8 Lehrerzimmer

• 8 Büroräume

Die Liste enthält nun also doch Räume, die zu Unterrichtszwecken genutzt werden. Ergänzend merkt Brigitte Rode an, dass sich in den Büros und Lehrerzimmern in aller Regel geimpfte Menschen aufhalten, das Corona-Risiko dort also gering sei.

Die genannten Räume verteilen sich quer über die ganze Hertener Schullandschaft. Besonders betroffen, so Rode, seien jedoch das Städtische Gymnasium, die Martin-Luther-Sekundarschule und die Martinischule im Übergangsgebäude auf dem Paschenberg.

Womöglich bis zu 35 Luftfiltergeräte nötig

In allen betroffenen Räumen werde der HIB jetzt umgehend untersuchen, ob sich durch bauliche Veränderungen an den Fenstern das Lüften auf das nötige Maß verbessern lässt. Vergleichbares ist Ende 2020/Anfang 2021 in der Rosa-Parks-Schule und der Süder Grundschule/In der Feige gemacht worden. „Falls das nicht möglich ist, werden wir unverzüglich Zuschüsse für Luftfiltergeräte beantragen“, betont Matthias Müller. Allerdings gebe es noch gar keine entsprechende Möglichkeit, da Bund und Land noch nicht die Formalitäten geklärt und auch noch keine Richtlinien und Antragsformulare erstellt haben.

Sebastian Scholz ergänzt, dass auch technische Standards nicht verbindlich geregelt seien, etwa die Luftwechselrate, die Geräusch-Emissionen und die Filtertechniken. Des Weiteren sei unklar, ob die Geräte öffentlich ausgeschrieben werden müssen oder zügig direkt gekauft werden dürfen.

In einigen Räumen werde man letztlich vielleicht ohne Geräte auskommen, für andere, größere Räume benötige man hingegen mehrere Anlagen. Müller kalkuliert daher erst einmal mit 30 bis 35 Luftfiltergeräten. Kostenschätzung: 200.000 Euro.

Geräte ersetzen nicht das Lüften, sondern ergänzen nur

„Wir werden da, wo es nötig ist, Filter beschaffen“, versichert Bürgermeister Müller und ergänzt: „Der von manchen geäußerte Eindruck, die Stadt mache nichts, ist falsch!“ Brigitte Rode weist jedoch darauf hin, dass die Geräte das Lüften nur ergänzen, nicht aber ersetzen können. Auch Sebastian Scholz betont: „Wer glaubt, durch Luftfiltergeräte würde das Öffnen der Fenster oder das Tragen von Masken unnötig, der irrt sich.“ Man habe den Schulen aber – je nach Größe – zwei bis fünf Kohlendioxid-Messgeräte zur Verfügung gestellt, damit die Klassen das angemessene Lüften trainieren können, erklärt Bildungsdezernent Hermann Pieper: „Die Geräte messen die Raumluft und zeigen an, wenn die CO2-Konzentration zu hoch ist und gelüftet werden muss.“

Und was ist mit der angekündigten Studie? Die habe mit den aktuell diskutierten Luftfiltergeräten nichts zu tun, sagt Sebastian Scholz. Sie solle vielmehr beleuchten, ob und wo und wie man langfristig städtische Gebäude mit fest verbauten Anlagen ausstatten kann, die die Luft dann nicht nur filtern, sondern austauschen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

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